Seven to Eternity 1

Der Gott des Flüsterns

Kategorie: Literatur
Tags: Seven to Eternity Science Fanatsy Cross Cult Comic Rick Remender Jerome Opeña Matt Hollingsworth
von Tara Flink

Aus der Feder von Rick Remender und gezeichnet von Jerome Opeña und Matt Hollingsworth kommt mit dem ersten Band von Seven to Eternity ein neuer Fantasy-Epos in die Regale von Buchhandlungen und Comic-Läden, der eine mythische Fantasy-Geschichte in traumhaften Bildern erzählt. Die Autoren entführen den Leser in eine „Science Fanatsy“-Welt, die wunderbare Landschaften und Figuren mit einer düsteren wie brutalen Realität verbindet.

Der Kampf um die Welt Zhal

Einsam, entehrt und auf sich allein gestellt lebt die Familie Osidis in den Wäldern von Zhal. So war es nicht immer, denn einst war die Familie eng verbunden mit dem stolzen und angesehnen Ritterorden der Mosak, einem elitären Bund magisch begabter Kämpfer, die sich dem Schutz ihrer Welt verschrieben hatten. Doch als sich ein ebenso mächtiger wie gieriger Mosak-Ritter namens Garlis Sulm erhob und seine telepathische Fähigkeit dazu nutzte, die Völker von Zhal zu unterwerfen, war es allein das Familienoberhaupt Zebadiah Osidis, der sich ihm mutig entgegenstellte. Der Ritter verlor den Kampf, wurde von Garlis als Verräter gebrandmarkt und samt seiner Frau und seiner zwei Söhne ins Exil geschickt.

 

Inzwischen haben sich die letzten freien Wesen Garlis aus Angst oder wegen seiner großzügigen Versprechen unterworfen, er ist omnipräsent und lebt in den Köpfen aller. Viele Jahre später macht Garlis, mittlerweile bei seinen Anhängern als „Gott des Flüsterns“ und bei seinen Gegnern als „Schlammkönig“ bekannt, Zebadiah das Angebot, den Namen seiner Familie wieder reinzuwaschen, wenn er sich ihm anschließt. Stolz lehnt er ab und wird von Garlis’ Schergen getötet, doch sein ältester Sohn Adam, mittlerweile selbst ein Vater, zweifelt an Zebadiahs Entscheidung. Adam reist seiner Familie zuliebe und in der Hoffnung, dass Garlis ihn von einer tödlichen Krankheit heilen kann, zu dem Gott des Flüsterns, um sich sein Angebot anzuhören. Noch während der Verhandlungen stürmt ein kleiner Trupp der letzten unabhängigen Mosak den Thronsaal, um der Tyrannei von Garlis ein Ende zu bereiten. Plötzlich steht Adam inmitten eines Schlachtfelds und muss sich entscheiden, auf welcher Seite er kämpfen möchte, um sich, seine Familie und seine Welt zu schützen.

 

Fantasy trifft Science Fiction

Ein dunkler Herrscher, Ritter mit übersinnlichen Fähigkeiten, Fabelwesen und Magie – Seven to Eternity ist offensichtlich durch und durch eine Fantasy-Geschichte, erinnert durch seine farbenfrohen Zeichnungen, die fortschrittliche Technik und die außerirdisch anmutenden Landschaften aber auch ein wenig an einen frühen Science-Fiction-Comic, wie man ihn beispielsweise aus dem Magazin Amazing Stories kennt. Viele der ungewöhnlichen und zuweilen etwas grotesken Charaktere ähneln ebenfalls eher Aliens als Fabelwesen, doch die treibende Kraft in der Welt von Seven to Eternity ist Magie. Jeder der Mosak verfügt über eine einzigartige magische Fähigkeit, die ihn maßgeblich prägt. So ist es Adams Gabe, sich durch das Blut der Toten deren Fähigkeiten anzueignen, Garlis kann auf telepathischem Weg den Geist, den Körper und die Sinne anderer Wesen kontrollieren und Flickwerk ist in der Lage, ihren Körper mit den Gliedmaßen der Gefallenen zu verbinden, zu flicken und weiterzuentwickeln.

 

Generell wirken die durchgängig farbigen Zeichnung sehr erwachsen und sind trotz Opeñas Liebe zum Detail und der surrealen Grundstimmung klar und übersichtlich. Ungewöhnlich, aber absolut stimmig sind vor allem die warmen Farben, in denen die düstere und dystopische Geschichte erzählt wird.

 

Kein strahlender Held ...

Der Kampf der Mosak gegen Garlis nimmt innerhalb des Erzählrahmens viel Platz ein, wobei die Geschichte elegant mit Rückblenden auf Adams Kindheit und Jugend verknüpft wird. Da die Autoren zunächst eine völlig neue Fantasy-Welt etablieren und dem Leser die Vorgeschichte der Figuren näherbringen müssen, geht die Handlung langsam voran, bietet dem Leser jedoch die Möglichkeit, sich mit den Ängsten, Sorgen und Nöten der Protagonisten zu beschäftigen.

 

Der Comic verfügt über ein weites Spektrum von detailreich ausgearbeiteten und vielfältigen Charakteren mit interessanten Hintergrundgeschichten, spannenden Motiven und einprägsamen Erscheinungen. Während Adam ein wunderbar unsicherer und zwiegespaltener Protagonist ist, sorgt vor allem der Kobold mit seinem derben Galgenhumor für den ein oder anderen Spaß. Leider hat man als Leser kaum Zeit, alle Figuren näher kennenzulernen.

 

Im Fokus steht dabei immer Adams innerer Konflikt: Die Mosak kämpfen für eine bessere, freie Welt. Sie stellen sich dem Gott des Flüsterns furchtlos und ohne Kompromisse entgegen, so wie es auch sein Vater von Adam erwartet hätte, doch gleichzeitig erscheinen ihre Erfolgsaussichten fast ausweglos – sie sind zu siebt, gegen sie steht der Rest der Welt. Hinzu kommt, dass der Gott des Flüsterns Adam nicht nur angeboten hat, seine Familie zu schützen, sondern auch in der Lage zu sein scheint, ihn zu heilen. Die Angst vor dem Tod und die Sorge um seine Liebsten lassen Adam mehr als einmal an den Mosak zweifeln, wodurch der Charakter in ein packendes Spannungsfeld gestellt wird. Der Konflikt zwischen dem „größeren Wohl“ und persönlichen Interessen ist zwar ein bekanntes Thema, das man gleichermaßen in antiken Dramen wie in modernen Fantasy-Romanen finden kann, wird in Seven to Eternity jedoch sehr menschlich und lebendig erzählt, sodass man als Leser manchmal selbst vor die schwierige Fragen gestellt wird, welche Entscheidung die richtige wäre.

 

Fazit

Alles in allem ist erste Band von Seven to Eternity eine spannende und bildgewaltige Geschichte, die viel Action und phantastische Figuren zu bieten hat. Allerdings hat man den 128-Seiten-Comic auch innerhalb eines Nachmittags durchgelesen. Der Einstieg in die Welt von Zhal und die detailreichen Figuren sowie ihre Verbindungen untereinander etablieren ein ungewöhnliches Setting, worin eine klassische Fantasy-Geschichte geschickt mit einer ungewöhnlich surrealen und eindrücklichen Welt verknüpft wird. Das offene Ende des ersten Bandes und die schiere Fülle von Problemen, mit denen sich Adam konfrontiert sieht, sind ein spannender Auftakt für eine lange Reise. Band 2 ist bereits seit Oktober auf Englisch erhältlich.


Weitere Informationen:
Tara Flink
Über den Autor

Tara Flink schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Seven to Eternity 1
Das Produkt wurde kostenlos für die Besprechung zur Verfügung gestellt.
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