SPIEL'15 – Teil 3

LARP ist tot?

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Das Thema LARP ist recht schnell abgehandelt. Rein nach der Anzahl der Verkaufsstände scheint LARP ein aussterbendes Gebiet zu sein und auch die Anzahl der Gewandeten bewegte sich auf Minimalniveau. Die persönliche Zählung gewandeter Larper am Samstag ergab 22 gesichtete Exemplare, wobei wir vermutlich noch ein paar Cosplayern dazwischen hatten; eine dem gewöhnlichen LARPer verwandte Art, die immer häufiger in die Biotope der Larper vordringt. Selbst Verkäufer von LARP-Artikeln tendieren mittlerweile zu T-Shirts statt Gewandung. Der Grund liegt aber vielleicht woanders: Für LARP-Händler lohnt sich beispielsweise die RPC mehr, da sie besser auf das Zielpublikum zugeschnitten ist.

Auf der diesjährigen RPC waren nicht nur mehr Händler, sondern auch deutlich mehr gewandete Larper und Cosplayer unterwegs. Das Spiel auf der SPIEL mit dem Kostüm, der Gewandung, der Maske, die Interaktion zwischen Händler und Spieler (gleich Kunde) war im LARP-Bereich kennzeichnend früherer Spielemessen. Das Wochenende wurde dazu genutzt, sich mit anderen Larpern zu treffen und LARP auch für Außenstehende erkennbar zu machen. Das ist mittlerweile leider Geschichte.

So vermisst man ein bisschen die Gelegenheiten, die durchaus noch seltenen, vielleicht einzigartigen, Waren mal selbst in die Hand nehmen zu können oder in einer der Ecken einen Lederschneider und Rüstungsmacher zu entdecken, dessen kunstvolle Arbeit man immer schon einmal von Nahem sehen wollte.

Ganz ohne LARP geht es aber doch nicht

Ein großer Larphändler, Mytholon, und mehrere kleine waren dann aber doch da und haben dem erfahrenen und unerfahrenen Kunden eine Auswahl ihres Sortiments angeboten. Auch Methändler konnten wir entdecken, dazu eine Taverne und die Gilde der Fantasy-Rollenspieler, die genreübergreifend die Brücke zwischen Tisch und Liverollenspiel schlägt (und und beim Gewandungen-Zählen geholfen hat: Danke Torben!) und auf die kommenden Conventions hinweist.

Dafür gibt es an anderen Ständen aber Menschen mit tollen Gewandungen zu sehen – und das geplant! So waren wir begeistert, den kleinen Marufaktura Stand zu entdecken, an dem uns die Künstlerin  ihre handgefertigten und vom Steampunk inspirierten Schmuckstücke zeigen konnte.  Magda Subotowicz war extra mit ihrem Sortiment aus Danzig gekommen und wenn die Kamera nicht versagt hätte (was wir erst später bemerkten), hätten wir auch schöne Bilder von ihrer Gewandung und ihrem Schmuck zeigen können. So verweisen wir einfach auf ihre Facebook-Seite.

Mehr Power!

Wir beschlossen, uns auf das zu konzentrieren, was beim LARP Verwendung findet, auch wenn es nicht ursprünglich dafür gemacht wurde. Da fanden wir nämlich das eine oder andere interessante auf der Messe.

Für moderne oder Cyberpunk-Kämpfe sind Dartblaster wie z. B. Nerf-Guns schon lange bekannt und gut geeignet. Die Firmen Bankcroft und Blasterparts gehören nicht nur zu den bekanntesten unter den spezialisierten Spielzeugläden in Deutschland, sondern sind auch „berüchtigt“ für ihre Ideen, wie man diese Spielzeugwaffen „modded“, das heißt: verbessert. Der schöne kleine Verkaufsstand bietet die Möglichkeit, sich gleich vom Hersteller seine Waffe mit stärkerer Feder ausstatten zu lassen. Man sollte nur nicht übertreiben: Die Nutzung einer Feder vom Schiffsbau führte zu einem Loch in der Hallendecke und der Nerfpfeil dürfte so langsam den Mond erreicht haben.

Trickschlösser

Für LARPs gut nutzbar finden wir Trickschlösser oder Trickkisten, um den Spielern ein bisschen was fürs Hirn zu bieten. Bei der abgebildeten Tricktruhe ist z. B. alles für die Öffnung notwendige an oder in der Truhe enthalten – einer der beiden Redakteure würde allerdings bis heute noch verzweifelt am Stand stehen und sich am Mechanismus versuchen, wenn wir nicht irgendwann gegangen wären. Besagte Redakteurin leugnet das natürlich vehement, immerhin habe ich die Kiste ja aufgekriegt, allerdings nur fünf Millimeter.

Ich habe tatsächlich schon andere solcher Kisten öffnen können – durch ausprobieren und nachdenken – nachdem ich die Idee verworfen hatte, sie einfach an die Wand zu werfen. Es ist sehr spannend und regt den Spieltrieb enorm an.

Finden konnte man diese Puzzlespielen an verschiedenen Ständen auf der Messe. Corinnas persönliche Empfehlung sind neben den Trickboxen, in denen man schön wichtige Gegenstände verstecken kann, Dinge, die effektiv Schlösser simulieren, sogenannte Trickschlösser. Es gibt sie aus Metall oder Holz, manche sehen täuschend echt nach Schloss aus, aber auch Schiebe- und Drehspiele verschiedenster Art sind spannend.

Es gibt sie in verschiedensten Schwierigkeitsgraden und sie ermöglichen den Spielern, gemeinsam an dem Projekt Geduldspiel zu arbeiten; im Zweifelsfall unter erschwerten Bedingungen, wie Zeitdruck an der Türe des Botschafterzimmers oder an der Kiste zum Schlüssel für das Buch des Bösen – was auch immer. Oft kann man Spiele für verschiedene Genres finden: Es gibt Safe Puzzles, die sich für Science Fiction oder Modern Times bzw. Zombie-LARP eignen, aber auch altertümliche Modelle lassen sich finden. Selbst abstrakte Formen ob Hanayama Metallpuzzle, Labyrinth oder Cryptex Puzzle Box existieren – so lässt sich für jeden Anlass etwas finden.

Spiel mal was aufm Larp ...

Natürlich haben wir uns auch auf die Suche nach intime-tauglicher Spielware begeben – und sind fündig geworden. Auch hier war Holz das Material der Stunde. Neben Schach und Trick Track (Backgammon), das man auf jedem Mittelaltermarkt spielen kann, und Mühle, das schon die Römer kannten, gibt es noch weitere Spiele, die man guten Gewissens auf einem Con aufbauen könnte. Kubb hat sich inzwischen für draußen etabliert, Holz-Roulett ist schon in dem einen oder anderen herzöglichen Hinterzimmer gesichtet worden und Cathedral ist ein wundervolles „Mittelalterspiel“ aus Holz, was ich schon auf mehren Messen gesichtet habe.

Wir empfehlen, sich einmal Gerhards Holzbrettspiele anzusehen. Das Familienunternehmen aus Ransbach-Baumbach präsentierte auf der Messe eine kleine Auswahl seiner gut durchdachten und schönen Holzspiele. Gut gefallen hat uns Quint-X, ein kurzes Taktikspiel für zwei Personen, bei dem die eigene Taktik die Spielweise des Gegners beeinflusst. Das Prinzip ist einfach: Es gibt fünf Bereiche, die wie die fünf auf einem Würfel angelegt sind, und in jedem der Bereiche fünf Mulden. Wenn ein Spieler eine Murmel in eine Mulde legt, bestimmt er damit den Sektor, in den der andere seine Murmel legen muss. Wenn alle Mulden dieses Sektors belegt sind, darf man eine der gegnerischen Murmeln entfernen und seine eigene hinlegen. Gewonnen hat, wer die eigenen Murmeln als erster los ist. Ein einfaches Prinzip, das doch Denkarbeit erfordert.

Interessant ist für Larper auch Stein-im-Brett, ein Spiel für zwei bis sechs Spieler, bei dem ein muldenversehenes Spielbrett im Verlauf des Spiels komplett mit farbigen Steinen belegt wird. Dabei sind die Steine immer genau einem Spieler zugeordnet (im Zweierspiel jedem Spieler drei Farben, im Sechserspiel nur eine Farbe). Ein Stein muss gezogen und gelegt werden. Gewertet wird nach jeder Runde – aber nur die Steine zählen, die nicht neben einem gleichfarbigen liegen. Da alle Steine blind von den einzelnen Spielern aus einem gemeinsamen Beutel gezogen werden, können sich lebhafte Diskussionen entwickeln.

Vorsicht vor dem Butler!

Krimi total lautet seit zehn Jahren das Motto einer Dresdner Firma. Angeboten werden mittlerweile über ein dutzend Settings für abendliche Dinnerpartys. Wer also mit Freunden einen schönen Abend verbringen möchte, kann sich eines der schönen Abenteuer kaufen. Jeder der Mitspieler bekommt einen Umschlag mit seiner Rolle. Und natürlich der Mörder darunter, der alles versucht, nicht von seinen Mitspielern enttarnt zu werden. Die Settings sind sehr unterschiedlich, von Mittelalter über das Märchenland oder die 20er Jahre bis hin zur modernen „Yacht der Macht“, mit dem Tod eines Bananenstaat-Diktators, ist alles dabei. Geschrieben sind die Stücke mit Ironie und viel Spaß. Es gibt auch Tipps, wie man den Abend noch schöner gestalten kann, u. a. mit passenden Rezepten. Und für LARPer und andere mit Verkleidungsfimmel ist es natürlich ein Muss, die Lokalität und sich selbst entsprechend zu gestalten. Am besten hat uns das Setting in der Märchenwelt gefallen, bei dem die sieben Zwerge sterben. Die Firma „Krimi total“ bietet nebenher auch Events und sucht für diese hin und wieder Spielleiter in abgelegenen Regionen wie zum Beispiel Süddeutschland.

Von Carsten Thurau und Corinna Vanvlodorp.

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