Dominion - Menagerie

Ein Zoo voller Tiere

Kategorie: Brett- und Kartenspiele
Tags: Kartenspiel Drafting Fantasy Dominion Deckbau Tiere
von Sebastian Pabst (Text)

Dominion ist ein Klassiker unter den Brettspielen. Seit 2009 wird das Kultspiel von Donald X. Vaccarino jedes Jahr durch eine neue Erweiterung ergänzt. Nun, im Jahr 2020, liegt mittlerweile die 13. Erweiterung auf dem Spieltisch. Dieses Mal offenbart sich den Spieler*innen die "Welt der Tiere".

Dominion – Menagerie ist die 13. Erweiterung des bekannten Deckbauspiels Dominion und inkludiert 400 Karten, 30 neue Königreichkarten und 20 neue Ereignisse. Es werden zusätzlich die Karten "Wege" und "Pferde" sowie eine Exilmatte neu eingeführt.

Dominion setzte damals den Grundpfeiler für ein neues Spielegenre, das Genre der sogenannten “Deckbau-Spiele“. Bei diesen Spielen starten alle Spieler*innen mit einem Startdeck, welches aus wenigen schwachen Karten besteht. Es ist die Aufgabe der Teilnehmer*innen mit jedem Zug die eigenen Decks zu verbessern, indem man neue, stärkere Karten erwirbt und dem eigenen Deck hinzufügt. Das Genre hat gut Fuß gefasst und ist heute fest etabliert. So sind bereits in den Folgejahren viele weitere Spiele mit diesem Mechanismus, wie beispielsweise Thunderstone, Mage Knight und Star Realms, erschienen.

Was bietet die “Welt der Tiere“?

Dominion – Menagerie zeigt eine bunte Mischung an Tieren. Die neuen Wege-Karten bilden zum Beispiel einen Schmetterling, ein Chamäleon, einen Affen, einen Otter, einen Wurm oder eine Robbe ab. Nahezu jede der Königreichkarte ziert zudem eines oder mehrere Tiere. So gibt es Katzen, Hunde, Schafe, Kühe, Falken, Schlangen, Kamele und Pferde. 

Eine Besonderheit bildet neben diesen Karten die "nicht im Vorrat erhältlichen" zusätzlichen Pferdekarten. Diese kann man einmal nutzen, um zwei Karten und eine zusätzliche Aktion zu generieren. Anschließend muss man sie zurück in den Vorrat legen. Dies gibt einem einen kurzzeitigen Temposchub, gleich einem kurzen schnellen Ritt, auf den sodann die Ruhephase folgt. Es gilt zu entscheiden, wann und ob man ihn in diesem Zug benötigt. Alternativ kann man die Pferde für die Effekte anderen Aktions- und Ereigniskarten in andere Karten umwandeln, indem man sie beispielsweise gegen eine "Falknerin" eintauscht.

Weiterhin sind die Exilmatten ein Novum. Diese sind ein größeres Tableau aus Pappe, auf dem ein Segelschiff aus der Rückansicht portraitiert wird, das in die Weite Ferne aufbricht. Karten werden in dieser Erweiterung "verbannt" und auf die Exilmatte gelegt. Wofür ist diese Erneuerung gut?

Nimmt man im Spielverlauf eine Kopie einer Karte, die sich bereits auf der eigenen Exilmatte befindet, erhält man alle Kopien dieser Karte von der Exilmatte und darf sie dem eigenen Deck hinzufügen. Die Mechanik des "Verbannens" hat große Ähnlichkeit mit der Mechanik des "Entsorgens", das bereits im Grundspiel eingeführt wurde. Sie unterscheidet sich dabei, dass Karten im Exil, im Gegensatz zu entsorgten Karten, weiterhin Bestand des eigenen Decks sind. Daher generieren sie am Spielende auch die auf ihnen aufgedruckten Siegpunkte. So ist es effizienter, die bekannten Siegpunktkarten wie Anwesen, Herzogtum und Provinzen ins Exil zu schicken, statt sie zu entsorgen, um deren Punkte nicht zu verlieren.

Die letzte Innovation dieser Erweiterung sind die Wegekarten. Die 20 Wege aus dieser Erweiterung geben eine neue Möglichkeit, Aktionskarten zu spielen. So besteht immer die Möglichkeit, statt den aufgedruckten Text einer Aktionskarte auszuführen, den Effekt der Weg-Karte zu nutzen und diesen alternativen Weg zu bestreiten. Dadurch bekommen Aktionskarten, welche hauptsächlich am Anfang des Spiels sinnvoll sind, auch in den späteren Phasen des Spiels eine Möglichkeit ausgespielt zu werden. Dies sorgt für Sicherheit und erweitertes Planungspotenzial. 

Thema umgesetzt?

Dominion ist und bleibt ein Spiel, bei dem der Spielmechanismus den Hauptreiz des Spiels ausmacht und nicht die rein thematische Umsetzung. Dennoch gelingt es Vaccarino immer wieder, den Spielkarten-Effekten einen passenden Titel und das zugehörige Bild zu geben. So kann die Kopfgeldjägerin Karten ins Exil schicken, erhält aber nur einmal pro Karte mit "gleichem Namen", wie bei einem tatsächlichen Kopfgeld, Geld als Bezahlung dafür. Wieso sollte auch ein Kopfgeld zweimal für die "gleiche" Person und somit "gleiche" Karte ausgezahlt werden? Ein anderes Beispiel für eine passende Umsetzung ist der Kamelzug, welcher einem Gold einbringt, jedoch erst einige Zeit, nachdem der Auftrag das eigene Königreich aus dem fernen Orient erreicht.

 

 Braucht Dominion nach mehr als einem Jahrzehnt eine „Menagerie“?  

In Dominion - Menagerie erhalten Spieler*innen zahlreiche neue Kombinationen mit den vorherigen (gesammelten) Spielen der Dominion-Reihe. Wer bereits einige Partien Dominion hinter sich hat, der weiß, dass viele der Karten sich ähneln und nur kleine Unterschiede zueinander haben. So kostet beispielsweise eine Aktionskarte eine Geldeinheit mehr als die andere Karte, erlaubt dafür aber eine zusätzliche Karte zu ziehen, zu spielen oder zu kaufen. Ob dieser kleine Bonus eine Geldeinheit mehr wert ist, muss jede*r für sich selbst entscheiden und ist meist von den alternativen Kaufoptionen im Vorrat und dem Spielstil der Mitspieler*innen abhängig.

Es macht immer wieder aufs Neue Freude zu erleben, wie aus dem schlechten Startdeck (7 Kupferkarten und 3 Anwesenkarten) eine "wohlgeölte Maschine" (Engine) gebaut wird, die es konstant schafft, siegpunktträchtige Provinzen zu erwerben. Auch bietet der Vorrat an Karten innerhalb einer Spielpartie meist mehrere valide Strategien, die zum Sieg führen können. Es ist die Aufgabe jeder Einzelnen und jedes Einzelnen sich eine Strategie zu überlegen, die schneller als die der anderen Spieler*innen zum Sieg führt. Möchte man eine Engine, die gegen Ende des Spiels jede Runde sicher eine Provinz oder ein Herzogtum erwirtschaftet, oder lieber ein explosives Deck, welches anhand einer großen Kombination eine hohe Menge an Siegpunkten generieren kann. Man muss sich immer wieder während der Partie überlegen, wie lange man die Engine "aufbaut", also Geld- und Aktionskarten aus dem Vorrat erwirbt, und ab wann man diese beginnt "abzubauen", beziehungsweise nur noch Siegpunktekarten kauft. Denn am Spielende geben weder die Geldkarten noch die Aktionskarten Siegpunkte. Es zählen nur die Siegpunktkarten.  


An wen richtet sich diese Erweiterung?

Wer noch keine Spiele aus dem Dominion-Franchise gespielt hat, der sollte sich zuerst das Dominion-Basisspiel zulegen oder direkt das Erwerben der Dominion-Einsteiger-Bigbox, in welchem nicht nur das Basisspiel, sondern auch drei Erweiterungen und drei Promokarten inkludiert sind, in Betracht ziehen. Wer Spaß an den Mechanismen dieses Spiels hat, dem rate ich sich zuerst eine der ersten Erweiterungen (Dominion - Die Intrige, Dominion - Seaside) zu besorgen. In den früheren Erweiterungen werden Mechaniken dieser Erweiterung, wie dauerhafte Karten oder Ereignisse, eingeführt und man kann sie dort im vollen Umfang kennenlernen.

Wer aber bereits ein Grundgerüst an Königreichkarten besitzt, sich wieder frisches Material wünscht und Freude an Karten mit Tiermotiven hat, der kann mit dieser neuesten Erweiterung sein Dominion-Königreich um eine Welt voller Tiere ausbauen.   

 

SP
Über den Autor (Text)

Sebastian Pabst schreibt für Zauberwelten-Online.de.

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