Black Magick – Das Erwachen

Magie ist nicht schwarz oder weiß

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Rowan Black ist Polizistin. In Jeans, Boots und Lederjacke geht die toughe Protagonistin des Comics Black Magick auf Verbrecherjagd. Aber ein Geheimnis umgibt die junge Frau: Sie ist eine Hexe.

Zwischen Magie und Wirklichkeit

Ein einsamer Wald. In einem Kreis stehen dreizehn Männer und Frauen. Kerzen erleuchten einen Baumstumpf, auf dem eine mit einem Pentagramm bestickte Decke liegt. Gefäße, Statuetten, ein Dolch mit geschlängelter Klinge – am meisten stechen jedoch die bunten Kerzen in dem ansonsten in Schwarz-Weiß-Tönen gehaltenen Comic heraus: ein Ritual zur Tag- und Nachtgleiche. Als wiederholt ein Handy klingelt, fragt die Wortführerin: „Okay, wer zum Teufel hat sein Handy nicht abgeschaltet?“ Eine schwarzhaarige Frau ignoriert sie, nimmt den Anruf entgegen – und muss los.

In Jeans und Lederjacke erreicht Detective Rowan Black auf ihrem Motorrad den Tatort: In einem Schnellimbiss hat ein Mann vier Geiseln genommen. Er verlangt nach Black, möchte mit niemandem sonst sprechen. So nimmt die Verwicklung zwischen Magie, Verbrechen und Verfolgung in Das Erwachen, dem ersten Band der Comic-Reihe Black Magick, ihren Anfang.

Schwarz, Weiß und Grau

Black ist grüblerisch und eine Einzelgängerin mit einer harten Schale – zumindest in ihrem Job. Trotzdem durchschaut ihr Partner, Morgan Chaffrey, die Fassade und bemerkt ihre Angst und ihre Unsicherheit. Als ein Mann in einem magischen Feuer in Flammen aufgeht, spielt sie zwar die Unnahbare, kann ihre Panik und die Tränen aber nicht verbergen. Ein ganz anderer Mensch ist Black in ihrem Hexen-Umfeld: Sie gibt sich nicht stark, sondern spricht offen über ihre Angst vor den ungewöhnlichen Vorkommnissen. Ihre Vertrauensperson ist die Hexe Alex Grey, die Anführerin des Zirkels. Nicht nur namentlich steht Grey dabei zwischen Black und dem mysteriösen Geiselnehmer Rowan White. Ein spannendes Spiel mit den Namen der Figuren und den wahren Namen beginnt.


Malleus Maleficarum: Der Hexenhammer

Vermeintlicher Gegenspieler der Hexen ist die Untergrundorganisation Aira. Ihr Symbol ist ein Hammer. In Verbindung mit der Hexenverfolgung kommt sofort Malleus Maleficarum, der Hexenhammer, in den Sinn. Dieses Buch, von dem Dominikaner Heinrich Kramer verfasst, diente seit seiner vermutlichen Erstveröffentlichung 1486 immer wieder zur Legitimation der Hexenverfolgung. In ihm beschreibt Kramer schwarze Magie, die sogenannte Nekromantie, Schadenszauber, Maleficarum und Dämonenpakte. Dem, so schreibt Kramer, können nur Verfolgung und Hexenprozesse Einhalt gebieten. Der Feuertod, so glaubte man bereits lange vor dem Hexenhammer, ist die einzige Möglichkeit, übernatürliche Wesen endgültig auszulöschen. Blacks Panik vor dem Feuer ist somit durchaus berechtigt.

Zwischen Klischee und Kitsch

Die Welt des Comics lebt von seinen Gegensätzen: natürlich und übernatürlich, Kirche und Hexen, Schwarz und Weiß. Und auch die Rückzugsorte der einzelnen Parteien bilden krasse Gegensätze. Auf der einen Seite stehen die Hexen Black und Grey, die beide klassische viktorianische Anwesen besitzen, die innen und außen nach kitschigen Klischee-Hexen à la Charmed oder Sabrina, total verhext schreien. Auf der anderen Seite steht die typische geheime Basis von Aira. Unter einer Kirche versteckt sich ein Stützpunkt, der mit Hightech-Überwachungsanlagen ausgerüstet ist, die Tony Stark oder Bruce Wayne Konkurrenz machen könnten.

Nicht nur Schwarz und Weiß

Auf den ersten Blick wirkt Black Magick steril: schwarz-weiße Zeichnungen, schmucklose Bildränder und schwarze Hintergründe. Im Gesamtbild wirken die sich oft überlappenden Bilder jedoch wie ein altes Fotoalbum oder eine polizeiliche Indizien-Wand. Und auch das Schwarz-Weiß ist immer wieder durchbrochen. Alles Magische in der tristen, farblosen Welt von Black Magick ist bunt, von einzelnen, blassen Farben bis zu Regenbogen-Farbexplosionen – seien es matt schimmernde Kerzen oder die bunten Augen der Protagonistin beim Wirken von Magie. 

Optisch machen die Zeichnungen einiges her: Die Figuren sind fast fotorealistisch, kräftige schwarze Umrandungen lassen jedoch alles sehr comichaft wirken. Besonders die Gesichter erinnern dabei an Pop-Art-Designs von Roy Lichtenstein. Hintergründe sind nur dann detailliert gestaltet, wenn sie relevant für Szenen sind, ansonsten gleichen sie eher einem groben Bühnenbild.

Fazit

Das Erwachen ist spannend – mit einem klassischen Cliffhanger am Ende. Kein Wunder, sind doch sowohl der Autor, Greg Rucka, als auch die Zeichnerin, Nicola Scott, alte Hasen im Geschäft, die beide den ein oder anderen Bestseller auf dem Buckel haben. Oft sind jedoch leider sowohl die Figuren als auch die Handlung klischeehaft und vorhersehbar. Trotzdem bietet der Comic schicke Optik, kurzweilige Unterhaltung und einen schrulligen, aber liebenswerten Hauptcharakter. Das Erwachen ist ein durchaus lesenswerter Auftakt zur Black-Magick-Serie. Im März 2017 erscheint der erste Band erstmals in der deutschen Ausgabe im Splitter-Verlag.

Black Magick, Buch 1: Das Erwachen
Greg Rucka, Nicola Scott (Bernd Kronsbein, Gerlinde Althoff)
(Splitter Verlag, 2017)
135 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-95839-478-0
Webseite: Black Magick

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