Der Hobbit: Schlacht der fünf Heere

Ein Film uns zu knechten

Kategorie: Filme
Tags: Mittelerde Halblinge Fantasy Film J.R.R. Tolkien
von Jendrik Bulk

Wenn man ein fettes Schwein hat, muss man es ausschlachten – egal was es kostet. Und Peter Jackson scheut keine Mittel. Nach den mehr als enttäuschenden Filmen und einer Flutwelle vollkommen absurder Merchandise-Artikel, folgt nun noch der letzte Griff in unsere Geldbörsen.

Wo fängt man am besten an? Bei einer Rezension zu einer DVD stehen zwei Dinge an: Die Meinung (und dies ist die persönliche des Rezensenten!) zum Film, aber auch zu der DVD. Da ein positiver Einstieg immer das Beste ist, beginnen wir mit den guten Seiten des Silberlings. Das wäre dann die bedruckte Seite. Nein wirklich, diese ist hübsch gestaltet im gewohnten Serifen-Schriftzug und sogar der Titel stimmt. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist, dass der Film in voller Länger auf der anderen Seite enthalten ist. Die DVD Hülle zeigt uns das Filmplakat und sieht ebenfalls hübsch aus.

Die DVD

Innerhalb der Box erwartet uns aber lediglich Werbung zu anderen Produkten des Labels. Keine hübschen Beigaben oder gar ein Booklet. Nicht mal ein Aufkleber. Der Film selbst ist in normaler DVD Qualität und bietet 5.1 Sound in Deutsch und Englisch. Ebenfalls sind diverse verschiedensprachige Untertitel enthalten.

Das Bonusmaterial ist unter aller Kanone und verdient das Prädikat "Bonus" nicht die Bohne. Neben dem offiziellen Filmtrailer enthält es lediglich einen etwa 8-minütigen Bericht zu den Dreharbeiten (nein, kein Making of). Dieser ist keineswegs neu und konnte schon Wochen vor dem Kinostart auf YouTube angeschaut werden.

Nun ist das natürlich die günstigste DVD-Variante und vielleicht erwartet man auch zu viel von so einer Standardversion. Wer mehr Material haben will, soll eben gefälligst tiefer in die Tasche greifen! Das war es auch schon, was es zu dieser DVD als Medium zu sagen gibt. Für alle Interessierten folgt jetzt der Abriss zum eigentlichen Film.

Worum geht es eigentlich?

Der letzte Teil der Trilogie beschäftigt sich zum Großteil, wie der Name schon sagt, mit dem Zusammentreffen der fünf Heere. Gemeint sind die Zwerge, die Menschen von Seestadt, die Elben aus Düsterwald, die Orks und zum Schluss die Schlacht entscheidenden Adler. Es ist damit der kampflastigste Film der Reihe. Ebenfalls wird die Nebenhandlung weitergeführt. Hier erfahren wir, wie Sauron (der Nekromant) wieder zur Macht kommt und das Triumvirat bestehend aus Galadriel, Elrond und Saruman durch Gandalf über die erschütternden Umstände informiert wird. In diesen Teilen des Films sehen wir Gandalfs magische Kräfte endlich einmal richtig in Action.

Die verschwendete Trilogie

Eigentlich muss man, um diesen Film nach allen Maßstäben besprechen zu können, alle drei Filme betrachten. Zu allererst die aufdringlichste Frage: Warum aus einem dünnen Jugendbuch einen Dreiteiler machen? Sagt da nicht schon der gesunde Menschenverstand, dass es eine dumme Idee ist? Der Herr der Ringe erschien in quasi gleicher Filmlänge und das ist ein sechs-bandiger Epos! Und trotzdem fanden sich auch dort Längen. Jedoch stimmte dort das Gesamtbild. Es drängt sich also der Gedanke auf, das Peter Jackson einfach nur die Kuh weiter melken will. Und das ist nicht nur schade – es ist eine riesengroße Frechheit.

Viele von uns Fans konnten die Verfilmung des Hobbits kaum erwarten. Es ist ja auch eine niedliche kleine Geschichte; also warum es nicht dabei belassen? Stattdessen stopft man auch noch Anteile von Silmarillion und Book of the lost tales in den Film. Das alleine wäre noch nicht so schlimm gewesen, doch der Bogen wurde mit einer hirnverbrannten Liebesgeschichte und einem von Rache getriebenen Piraten-Ork überspannt. Mal im Ernst, was soll dieser Captian-Hook-Verschnitt? Der Teufel liegt bei der Trilogie dann noch im Detail: Zauberer auf einem Kaninchenschlitten, Paragliding-Legolas an riesigen Flughunden(?), Eifersuchts-Legolas. Allgemein der unsinnige Wunsch, Legolas auftauchen zu lassen, dazu ein klamaukiger fetter Zwerg, der einen auf Jar Jar Binks macht, und nicht zuletzt die furchtbar dramatische Sterbeszene zwischen Elb und Zwerg. Die Liste könnte endlos fortgeführt werden.

Die Vorgänger

Dabei hat alles so vielversprechend angefangen. Der erste Teil bewegte sich noch recht nah an der Buchvorlage und die Szenen wie das Treffen der Zwerge bei Bilbo oder die Begegnung mit den Trollen und dem Goblinkönig waren wundervoll umgesetzt. Doch dann nahm der Wahnsinn seinen Lauf und Jackson schreibt sich um Kopf und Kragen. 

Gleich zu Beginn von Teil zwei wird die vielversprechende Figur Beorn völlig zunichte gemacht. Er wird eine schräg aussehende Witzfigur, nichts von dem weisen und sehr unterhaltsamen Mann aus der Buchvorlage bleibt erhalten. Immerhin taucht er überhaupt auf und muss sich nicht mit Tom Bombadil hinter dem Set am Büffet-Tisch rumdrücken. Tröpfelt Teil zwei sonst nur so dahin, werden wir zum Ende mit einem ca. 30-minütigen Drachen-Spektakel gequält. Anscheinend wollte Peter Jackson hier zeigen, dass seine CGI-Abteilung lang & schmutzig drauf hat – und das hat sie durchaus! Aber dennoch fragt man sich, was das Ganze überhaupt soll. Die Jagd ist nicht nur lang, sie ist auch langweilig und voller vollkommen sinnloser und fehlplatzierter Action. Der Zwang, stumpfe Hollywood-Action in den Film zu stopfen, war ein ganz tiefer Griff ins Klo und hat nichts mit dem Geist der Mittelerde-Geschichten gemein.

Der dritte Teil setzt dem eben beschriebenen die Krone auf. Hoffte man, derartige Fehltritte seien eine Ausnahme gewesen, wird man spätestens zum Ende eines Besseren belehrt. Das Finale des Films zieht sich wie ein drei Tage altes Kaugummi schmerzvoll durch unsere Gehirnwindungen. Gekonnt täuscht gekonnt mit einer sehr Roman-nahen Vorlage an und beginnt die Schlacht der fünf Heere quasi wortgetreu. Doch der einzig schöne Moment des Films ist dahin, als die Orks mit Hilfe ihrer Tremors („Angriff der Raketenwürmer“) zur Party hinzustoßen. Nicht weiter tragisch, aber fragwürdig: Wohin verschwinden die Tunnelgräber nach verrichteter Arbeit? Warum walzen sie nicht einmal durch die gegnerischen Linien? Vermutlich steht das nicht in ihrem Arbeitsvertrag. Was dann folgt, sind nur noch schlecht geschnittene Choreographien, der beschriebene Herzschmerz der Andersartigen und eine – Achtung Spoiler! – viel zu lange Sterbeszene von Herrn Eichenschild.

Mindestens genauso schlimm wie der Umgang mit uns Fans, ist der Umgang mit den größtenteils grandiosen Schauspielern. Man steckt sie in hervorragende Kostüme und sorgt für ein fantastisches Bild in Form von Landschaften, Bauten und Städten. Aber dann greifen plötzlich wieder Sparmaßnahmen. Hat man im Herrn der Ringe noch auf Metallrüstungen und -waffen gebaut, greifen die Ausstatter nun zur altbewährter Xena/Herkules-Technik. Scheint wohl so ein „Neuseeland-Ding“ zu sein. Sämtliche Darsteller laufen also mit Schaumstoff-Latexwaffen umher. Das sind die Dinger, mit denen sich Liverollenspieler gegenseitig vertrimmen – nur in hässlich. Klar ist Ian McKellen ein alter (und leider sehr kranker) Mensch, aber muss man ihm einen zwei Meter langen Wabbelstab in die Hand drücken? War kein Geld für ein leichtes Kunststoffmodell da? Wirklich jeder Waffe sieht man ihren Schaumstoffcharakter an. Larper haben bessere Waffen. Im Hintergrund kann man bei den Komparsen hier und da auch ein gestricktes (ja, aus Wolle!) Kettenhemd beobachten. Ein Graus!

Es bleibt nichts mehr von dem mittlerweile über 14 Jahre alten Zauber der ersten Trilogie übrig. Peter Jackson scheint nicht mehr das Ziel zu haben, Tolkien und seinen Fans gerecht zu werden. Von der Liebe zu dem Werk ist nichts mehr zu spüren, es geht nur noch ums Geschäft. Jedoch hätte die Tolkien/Jackson-Geldmaschine auch gerattert, wenn der krausköpfige Mann bei seinem alt bewährten geblieben wäre. Schade.

Der Hobbit: Schlacht der fünf Heere
ab 12 Jahren
(Warner Home Video, 2015)
Webseite: Der Hobbit


JB
Über den Autor

Jendrik Bulk schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Der Hobbit: Schlacht der fünf Heere
Das Produkt wurde kostenlos für die Besprechung zur Verfügung gestellt.
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