Der Herr der Ringe (Neuausgabe)

Der Klassiker von J.R.R. Tolkien

// Literatur
Der Herr der Ringe (Neuausgabe) - News

Tolkiens 125ster Geburtstag ist Anlass für den Klett-Cotta Verlag, den Herrn der Ringe in einer neuen Aufmachung zu drucken. Die deutschsprachige, einbändige Ausgabe kommt in einem Leinenschuber daher. Dieser ist matt-schwarz mit goldenen Ornamenten und weißer Schrift. Der Band selbst ist ebenfalls matt-schwarz mit goldener Schrift. Beide Zeichenbänder, zwei schmale Stoffbänder, welche als Lesezeichen dienen können, sind silbern. Wie bei der früheren Ausgabe ist auch die doppelseitige, schwarz-rote Karte in A3 eingelegt.

Das Besondere dieser Jubiläumsausgabe sind jedoch die fünfzig farbigen Illustrationen von Alan Lee, der Fans kein Unbekannter sein dürfte: Für seine Entwürfe zur Verfilmung von Herr der Ringe wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet.

Neuausgabe bedeutet nicht neue Übersetzung

Die Jubiläumsausgabe, neu durchgesehen von Lisa Kuppler, greift zurück auf die erste Übersetzung von Magarete Carroux von 1969 / 1970. Die Gedichtübertragungen stammen von Ebba-Margareta von Freymann, die man auch für spätere Übersetzung wählte. Das Aussprachekapitel hat Helmut W. Pesch übersetzt.

Für diese Ausgabe wählte der Stuttgarter Verlag die Carroux-Übersetzung und machte damit einen Schritt zurück, indem er sich nicht für die Neuübersetzung des Tolkien-Experten und Silmarillon-Übersetzers Wolfgang Krege von 1999 entschied.  Denn Kreges Übersetzung sorgte damals für viele Diskussionen. Sie klingt für heutige Ohren vertrauter, aber Carroux hat ihren Text näher am Originaltext gehalten und auch nach Tolkiens Wunsch Namen ins Deutsche übersetzt. Während die Nähe zum Originaltext von einigen geschätzt wird, monieren andere jedoch, dass der Text weniger flüssig wäre. Wen die Unterschiede zwischen beiden Übersetzungen interessieren, sei auf dieses vergleichende Dokument der Deutschen Tolkiengesellschaft verwiesen. 

Da die Unterschiede beim Lesen spürbar sind und die Jubiläumsausgabe die Carroux-Version gewählt hat, möchte ich an dieser Stelle kurz auf die erste Zeile der beiden Übersetzungen eingehen. So bekommt jeder selbst einen Eindruck.

Krege-Übersetzung, S. 37, 12. Auflage , 2002:

„Als Herr Bilbo Beutlin von Beutelsend ankündigte, dass er seinen bevorstehenden einundelfzigsten Geburtstag mit einem rauschenden Fest zu feiern gedenke, begann in Hobbingen ein erregtes Getuschel.“


Carroux-Übersetzung, S. 37, 1. Auflage der Jubiläumsausgabe, 2016:

„Als Herr Bilbo Beutlin von Beutelsend ankündigte, dass er demnächst zur Feier seines einundelfzigsten Geburtstages ein besonders prächtiges Fest geben wolle, war des Geredes und der Aufregung in Hobbingen kein Ende.“


Die Tolkiengesellschaft merkt hier an, dass ein „aufgeregtes Getuschel“ richtiger wäre, da „erregt“ eine negative Einstellung impliziere. Dies nur am Rande.

Wichtiger für die Jubiläumsausgabe ist der Unterschied der Sprache. Carroux arbeitet in der oben zitierten ersten Zeile mit dem Konjunktiv (geben wolle) und Genitiv (des Geredes und der Aufregung). Dies mag für die heutige Leserschaft der Jubiläumsausgabe befremdlich sein, dennoch empfehle ich, Carroux‘ Version einmal auszuprobieren. Man wird mit einer satten Sprache und einer märchenhaften Stimmung belohnt, verglichen mit der Krege-Version. Liest man den Herrn der Ringe zum ersten Mal (auf Deutsch), so empfiehlt es sich, beide Versionen zuerst zu vergleichen. Wundervoll lesbar sind nämlich beide.

Abschließend sei gesagt, dass diese Carroux-Ausgabe der neuen Rechtschreibung folgt, wie ebenfalls die Neuveröffentlichung von 2012, als Klett-Cotta die Carroux- und Krege-Übersetzungen neu auflegte.

Fazit

Die Jubiläumsausgabe ist ein prachtvoller Band, der jede Bücherwand aufwertet. Die Wahl der Carroux-Übersetzung kombiniert mit den Illustrationen von Alan Lee versetzt beim Lesen in eine wunderbare Stimmung.

Man wird den Jubiläumsband aber wahrscheinlich nur zuhause lesen können. Es wird ein Tisch benötigt oder zumindest eine stabile Unterlage, denn die Herr-der-Ringe-Trilogie kommt hier als Einzelband. Diesen kann man nicht einfach im Zug auf dem Schoß aufschlagen, denn mit 1,859 kg hat die Jubiläumsausgabe ein stolzes Gewicht – und Karte und Schutzumschlag sind da noch nicht eingerechnet.

Insgesamt lohnt die Anschaffung, ob als Schmuckstück, als Aufforderung, die zeitlose Lektüre noch einmal zu lesen, oder um die Carroux-Übersetzung in prächtigem Gewand zu genießen.

Noch bis zum 31.3.2017 ist die Ausgabe für 68 € in Deutschland und Österreich erhältlich, danach steigt der Preis auf 88 € an.
 
Der Herr der Ringe
J.R.R.Tolkien
(Klett-Cotta Hobbit Presse, 2016)
1295 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-608-96035-8
Webseite: www.klett-cotta.de

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