Die Äußeren Wege

Rasmus und die Gilde der Propheten

// Literatur
Die Äußeren Wege - News

In der Republik von Ann herrschen die Propheten. Während die Wahrträumer von fernen Landen, nahen Katastrophen und der Zukunft träumen, bringen die Wahrschreiber die Visionen zu Papier. Die Wahrprediger verkünden diese Wahrheiten ohne Widerrede. Doch trotz dieser mächtigen Fähigkeiten steht die Republik am Rande des Krieges. Intrige und Verrat ziehen sich durch die Gilde und in der Hauptstadt kündigen sich blutige Kämpfe an.

Von alledem haben Rasmus und sein Freund Flemming keine Ahnung und auch gar kein Interesse an diesen politischen Wirrungen. Während der eine noch versucht, in die Bardenschule aufgenommen zu werden, hat sein Freund die Prüfung schon hinter sich. Beide leben eher schlecht als recht von gelegentlichen Auftritten und Aushilfsarbeiten, um das Geld wieder in Tavernen zu verlieren. Als sie sich unwissentlich mit einer Söldnertruppe anlegen, geraten sie in einen Kreislauf von Intrige und Gewalt. Nachdem Rasmus obendrein seine Fähigkeiten als Wahrschreiber entdeckt, landet er in der Gilde der Propheten und droht dort zum Spielball der Mächte zu werden.
 

Die Geschichte

Die Handlung wird aus der Sicht vieler verschiedener Protagonisten erzählt, weshalb oft zwischen den Perspektiven und Schauplätzen gewechselt wird. Dabei dreht sich die Geschichte selbst nicht um die Charaktere, sondern findet um sie herum statt. Immer wieder werden sie von den Ereignissen überrollt und versuchen irgendwie nicht unterzugehen.

Dabei fesselt die Handlung den Leser vom ersten Moment an. Die Geschichte bleibt stets spannend und längst nicht alle Hintergründe klären sich auf, sondern bereiten auch auf die Folgebände vor. Einige Handlungsstränge erwecken gar den Anschein, als würde ein Unbekannter seine Fäden spinnen, ohne selbst jedoch aufzutauchen – wodurch der Leser ebenso im Dunklen tappt wie die Figuren der Geschichte. Diese Nähe macht es einfach, gemeinsam mit den Protagonisten zu bangen und zu hoffen.
 

Die Charaktere

Die Protagonisten sind keine klassischen Helden; Hingabe und Edelmut sucht man in der dreckigen Stadt Annstein vergebens. Stattdessen begleitet man die Hauptfiguren dabei, wie sie ein paar Taler für die nächste Mahlzeit zusammenzukratzen oder ein erotische Abenteuer suchen. Sie sind rücksichtslos, egoistisch, manchmal naiv und wirken gerade deshalb lebendig und authentisch. Es wird auch viel geflucht, was sich aber manchmal leider etwas neuzeitlich liest.

Dennoch versteht es Gereon Sand, seine Charaktere lebensnah darzustellen. Sie bleiben ihren Macken und Fehlern treu und werden gerade dadurch sympathisch. Der Leser springt vom Kopf eines Träumers zur gerissenen Diebin zum verbitterten Stadtgardisten – und selbst die Perspektive eines nekrophilen, psychopatischen Mörders wird nicht ausgelassen. Die Charaktere und ihre Entwicklungen gehören definitiv zu den großen Qualitäten des Romans.
 

Die Welt

Die Mittlande sind eine Welt, die sich technologisch auf einem etwa mittelalterlichen Stand befindet. Man kämpft mit Hellebarden, Dolchen und Schwertern und Kranke lagern in Siechenhäusern, bis sie von selbst gesund werden. Es gibt öffentliche Hinrichtungen, Verstümmelungen als Strafe und rattenverseuchte Kerker. Bis auf die Propheten und ihre Fähigkeiten scheinen keine übernatürlichen Wesen oder Mächte vorhanden zu sein.

Die Welt besticht durch eine sehr detailverliebte Ausarbeitung. Man trinkt nicht einfach Bier, sondern bekommt Brachbier oder Holzhäuser. Man fürchtet Parmyds Hölle und sucht Jairas erlösende Winde. Und die Südgrenze der Republik von Ann liegt an der Wisper – um nur einiges zu nennen. Leider gibt es im Buch keine Karte und auch ein Leitfaden für den Reisenden nach Annstein ist nicht zu finden, wäre aber am Anfang praktisch gewesen. Trotzdem wirkt die Welt lebendig; sie verändert sich durch die Charaktere, aber sie braucht sie nicht. Sie hat eine ganz eigene Geschichte und Tradition und zieht den Leser dadurch in ihren Bann.
 

Fazit

Obwohl manche Elemente des Buches etwas zu modern für die Welt der Mittlande wirken, schafft es der Roman durchweg spannend und authentisch zu bleiben. Kein Kapitel ist langweilig und keine Figur blass. Dadurch hebt sich Die Äußeren Wege deutlich von der Masse der "Gut-gegen-Böse"-Fantasy-Literatur ab und ist ein gelungenes Debüt und durchaus einen Blick wert. Auch beweist Gereon Sand, dass es heutzutage nicht mehr unbedingt einen Verlag braucht, um einen qualitativ hochwertigen Roman herauszubringen.
 

Fortsetzung folgt

Die Äußeren Wege ist nur der erste Teil einer großen Geschichte, die insgesamt vier Bände umfassen wird. Auf seiner Homepage verspricht Gereon Sand, die nächsten Bände zu veröffentlichen, sobald sich die Vorgänger 100 mal verkauft haben. Auch sind dort ebenfalls ein paar Leseproben zu finden, um sich selbst von der Handlung rund um die Stadt Annstein zu überzeugen.

Die Äusseren Wege
Gereon Sand
(CreateSpace Independent Publishing Platform, 2015)
480 Seiten, Softcover
Webseite: Gereon Sand

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