The Witcher 3

Episches Finale der düsteren Trilogie

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Eine weitere Trilogie wendet sich ihrem Ende zu: Mit Witcher 3 stellt CD Project Red einmal mehr die Vorgänger in den Schatten. In Zeiten risikoscheuer Investoren ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass eine Firma ihre Vorzeigemarke mit jedem neuen Teil verbessert. Doch manchmal gibt es eben doch innovative Ausnahmen, die das Spielerherz höher schlagen lassen …

Wer noch nie etwas von Geralt von Riva, dem Schlächter von Blaviken, dem weißen Wolf oder schlichtweg DEM Witcher gehört hat, der hat nicht nur zwei herausragende Rollenspiele verpasst. Auch eine eigenständige Romanreihe (von Andrzej Sapkowski) sowie eine mittelprächtige polnische Verfilmung drehen sich um den Hexer.

Weißer Wolf in grauem Land

Temerien, ein Land einer ruppigen Fantasy-Welt, in der es zwischen Gut und Böse eine dicke Grauzone gibt: Verrat und Korruption, Rassismus und Hexenverfolgung, Gewalt und Sex. 

Geralt ist ein Hexer, ein durch Alchemie genetisch mutierter Monsterjäger mit der Fähigkeit, Zauber zu wirken. Sein Körper ist mit Narben übersät, denn er überstand Schlachten, die ein Mensch niemals überlebt hätte. Seine auffälligsten Merkmale sind die weißen Haare und ein Wolfskopfamulett. Wer die Lebensgeschichte Geralts im Detail erfahren möchte, sollte sich die Romane zur Brust nehmen, denn das spielinterne Lexikon gibt nur einen kleinen Überblick.

Die Geschichte beginnt

Ein seltsamer Traum plagt Geralt: Zurück in der Hexer-Festung Kaer Morhen durchlebt er eine Vision in der Zeit, in der seine Ziehtochter Ciri noch ein Kind ist und ihre Kampfausbildung absolviert. Doch etwas stimmt nicht. Als Ciri kurz verschwindet, erscheint die Wilde Jagd und verwandelt die Festung in eine Eiswüste. Bevor er erwacht, kann Geralt nur zusehen, wie Ciri den eisigen Geisterrittern in die Hände fällt. Ein böses Omen?

Yennefer von Vengerberg
Yennefer von Vengerberg

Beim Erwachen ahnt Geralt, dass mit Ciri etwas nicht stimmt. Dass seine Suche nach ihr bereits begonnen hat, merkt er kurz darauf, als Yennefer von Vengerberg auftaucht. Die Zauberin bittet ihn, ihr bei der Suche nach der mittlerweile erwachsen gewordenen Ciri zu helfen. Doch nicht nur Geralt will Ciri finden: Mit detektivischem Feingefühl folgt er den hinterlassenen Spuren des Mädchens und wird dabei stets von der Wilden Jagd bedroht. Da Krieg in Temerien herrscht, steht ihm von Anfang an nicht jeder Weg offen.

Unendliche Weite

Bei unserer ersten Reise durch Temerien werden wir von einer gigantischen Gebietskarte erschlagen. Auch der dritte Teil spielt in unterteilten Gebieten, nur ist bereits die Karte des Prologs größer als sämtliche Gebiete des Vorgängers vereint. Um dabei keine wunden Füße bzw. Finger zu bekommen, dürfen wir auf Geralts treuem Pferd Plötze reiten.

Eine so wunderbar weitläufige Landschaft mit ländlicher Idylle hat man in einem Spiel bislang selten gesehen. Natürlich findet man nicht auf jedem Quadratmeter eine neue Sehenswürdigkeit und wir reiten teils Minuten durch windige Wälder, um an unser Ziel zu kommen. Wir finden neue Dörfer, Ruinen und Bauernhöfe oder laufen direkt in die Arme einer gut bewachten Banditenarmee. Wer seinem Pferd zu viel Stress zumutet, landet bisweilen auf seinem Allerwertesten. Eiligen Spielern steht eine Schnellreisefunktion zu bereits entdeckten Orten offen. Wem das Spielinterface zu überladen ist, darf diese auch abschalten und sich stattdessen an die Wortlaute der Dorfbewohner halten. Es ist auf jeden Fall atmosphärischer „am großen Felsen links“ und „kurz hinter dem verlassenen Karren“ abzubiegen, als dem Navigationspfad zum blinkenden Kreis auf der Landkarte zu folgen.

Spannende Quests und lange Ladezeiten

Es empfiehlt sich übrigens, mehrere Spielstände einzurichten. Wer sein Level überschätzt, findet sich schnell in einer Sackgasse mit einem übermächtigen Boss wieder – mit nichts als einem kaputten Schwert in der Hand und ohne Reparaturmöglichkeiten. Was das Frustpotenzial noch nach oben schraubt, sind die extremen Ladezeiten nach jedem vorzeitigen Ableben. Wer nach 40 quälenden Sekunden endlich wieder spielen darf, wird sich nach mehreren missglückten Anläufen derselben Schlacht glücklich schätzen, mit einem früheren Spielstand einen anderen Weg versuchen zu dürfen.

Zum Glück gibt es aber mehr als genügend Quests überraschend hoher Qualität. Mit unserem Hexersinn suchen wir nach Spuren und finden Anhaltspunkte zu einem Verbrechen, verschwundene Personen oder die Fußspuren von gesuchten Monstern. Wir lesen gefundene Dokumente und erhalten wichtige Informationen, die sonst zu einem komplett anderem Ende geführt hätten. Wir schließen Freundschaften, demonstrieren unsere Stärke oder magische Überzeugungskraft, um den Gegner einzuschüchtern. Nicht selten haben Entscheidungen weitreichende Konsequenzen für den späteren Verlauf des Spiels. Wer eine Gruppe Soldaten provoziert, könnte später Schwierigkeiten haben, Zugang zu einer Burg zu bekommen. Dadurch wird das Spiel jedoch nicht unmöglich, denn es gibt immer eine Alternative. Wer einen Spielstand aus den vorangegangenen Witcher-Spielen hat, kann diesen auf dem PC sogar importieren. Da diese Option für die Konsolen nicht zur Verfügung steht, kann hier ein Spielstand simuliert werden. Dadurch treffen wir alte Bekannte der Vorgängerspiele wieder ... oder auch nicht.

Abwechslungsreiche Kämpfe

Das Kampfsystem wurde nicht verändert, jedoch erweitert. Noch immer bekämpfen wir Monster mit einem Silberschwert, das Stahlschwert ist für normale Gegner reserviert. Mit den zahlreichen Zutaten stellen wir Tränke, Bomben und Öle für die Schwerter her. Gute Schmiede können mit den richtigen Diagrammen bessere und mächtigere Ausrüstung erstellen.

Unsere Erfahrungspunkte stecken wir in die Verbesserung der Kampfkünste und in die fünf Zauber, die uns von Anfang an zur Verfügung stehen. Geralts Angriffsmuster sind zwar dynamisch, jedoch nicht immer kontrollierbar. Einmal müssen wir z. B. in einer Schutzblase bleiben, während wir von kleinen Gegnern angegriffen werden. Geralts stürmender Frontalangriff befördert uns aber zu schnell aus der Sphäre und kostet so wichtige Lebensenergie. Das lebensrettende Ausweichmanöver kommt erst stark zeitverzögert zum Einsatz.

Fazit

Bei The Witcher 3 – Wild Hunt lässt sich nur Kritik auf sehr hohem Niveau üben. CD Project Red hat sich trotz eines minimalen grafischen Downgrades an sämtliche Versprechen gehalten und sowohl auf PC als auch Konsolen ein wahres Meisterwerk abgeliefert. Die weit über 100 Stunden Spielzeit (neben vielen Stunden im Ladebildschirm) sind spannend inszeniert und stets motivierend. Darüber hinaus verspricht CD Project 16 kostenlose Zusatzinhalte, die im Wochentakt erscheinen, und einen Seasonpass für mindestens zwei große neue Kapitel. Für neues Witcher-Futter wird also gesorgt.

Weitere Rezensionen zum Witcher-Universum:


The Witcher 3 – Wild Hunt
(CD Project Red, Bandai Namco)
Plattformen: PS4, XBoxOne, PC (Windows)
Webseite: The Witcher

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