Venus siegt

Intergalaktische Kriegspolitik der Zusammenführung

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Venus siegt - News

Wie verhält man sich, wenn der eigene Vater zum politischen Gegenspieler mutiert? Was passiert mit den Menschen während einer politischen Revolution und der Diktatur, die darauf folgen kann? Diese Aspekte untersucht Dietmar Dath in seinem Sci-Fi-Epos Venus siegt.

Nikolas Helander ist behütet aufgewachsen. Sein Heimatplant Venus ist von Maschinen abhängig, die die Oberfläche so umformen, dass sie für Menschen bewohnbar wird. Die Abhängigkeit brachte die Menschen zum Nachdenken und eine Frau an die Macht, die sich für ein Bündnis zwischen Menschen, Robotern und Künstlichen Intelligenzen stark machte: Maren Laukkanen. Ihre Idee lässt sich am besten mit einem Zitat zusammenfassen: „Was ihr Roboter nennt und was ihr Künstliche Intelligenzen nennt, sind zwei Extreme, zwischen denen niemand anders vermitteln kann als die Menschen.“ Ihre Nachfolgerin, Leona Christensen, sollte diese Idee ins Extreme und Venus damit in den Krieg führen.

Die Chroniken eines grausamen Krieges

Niklas Helander ist ein Elitekind, sein Vater ist ein enger Vertrauter der Diktatorin Christensen. Niklas Welt, die Venus, ist gefüllt mit Wesen, die weder Mensch noch Maschine sind. Das hat die große Integration von Laukkanen möglich gemacht. Alle (semi)intelligenten Wesen sollen gleichberechtigt leben. Freie Liebe und keine Zwänge sind vor dem Krieg an der Tagesordnung. Während unsere Zivilisation sich gerade so an Homo- und Transsexualität gewöhnt, gibt es auf Venus Wesen, die sich in keine Kategorie einordnen lassen. Die sogenannten Neukörper sind halb Mensch und halb Maschine, außerdem spielen sie mit ihrer DNA. Dies ermöglicht den Neukörpern beispielsweise zu fliegen oder unter Wasser zu leben.

Helander berichtet aus erster Hand, wie sich die Welt, auf der er lebt, durch bestimmte Ereignisse verändert hat. Der Roman beschreibt aber auch die persönliche Entwicklung von Niklas, seine Beziehungen zu seiner Mutter, seinem Vater, seinem Vorgesetzten und seinen Liebschaften. Diese könnten nicht verschiedener sein. Wir können hier Parallelen zu unserem Zeitgeschehen finden, wie der 11. September oder die Attentate in Paris kommt der Angriff auf die Neukörper plötzlich und ohne Vorwarnung. Wann beginnt ein Krieg? Woran erkennt das Volk, dass die Zeit des Friedens beendet ist?

Durchhalten lohnt sich

Politik ist schwere Kost und so ist es nicht leicht, in diesen Roman hineinzufinden. Viele Namen, politische Verwicklungen und vor allem technische Termini machen es den Lesern schwer, der Handlung zu folgen. Schafft man es jedoch, über diese ersten Kapitel hinaus, eröffnet sich eine spannende Handlung voller Liebe, Intrigen, fantasievoller Science-Fiction-Welten und politischer Machtkämpfe in intergalaktischem Ausmaß. Auf über 537 Seiten erschafft Dath ein Universum, das keineswegs unrealistisch ist. Die Vorstellung, dass so das Leben in ein paar hundert Jahren aussehen könnte, ist nicht abwegig.

Zu bedauern bleibt jedoch, dass weder Menschen noch Roboter oder Künstliche Intelligenzen es schaffen, aus der Geschichte zu lernen. Und so fühlt sich auch dieser Krieg nur wie eine Kopie der großen Kriege des vergangenen Jahrtausends an. Intoleranz, die Angst vor Neuem und Fremden, sind Themen, die nie an Aktualität verlieren. Und so sei jedem Politikinteressierten dieses Buch ans Herz gelegt, da es irgendwie auch ganz gut ins Jahr 2017 passt. Dietmar Dath ist mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller, diese Ausgabe von Venus siegt wurde überarbeitet und um 150 Seiten ergänzt. Ein Buch zum zweimal Lesen und Nachdenken.

Venus siegt
Dietmar Dath
(FISCHER Tor, 2016)
538 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-596-29658-3
Webseite: Venus siegt bei Fischer Tor

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