Might & Magic Heroes VII

Märchenstunde in der Tafelrunde

Kategorie: Games
Tags: Might & Magic Ubisoft Windows Fantasy
von Marc Haarmann

Anlässlich des 20. Geburtstags der Heroes-Reihe von Might and Magic wollte Entwickler Limbic Entertainment für den neuen siebten Teil die besten Tugenden der Vorgänger vereinen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitete er eng mit der Community zusammen. Wenn man es aber allen recht machen will, steht am Ende meist das fleischlose Gerippe eines innovationsarmen Konsenzproduktes. Aber Limbic wollte es ja auch nicht allen recht machen, sondern den Fans der Reihe. Und Fans wissen im Allgemeinen, was gut ist. Might and Magic Heroes VII ist ein harter Brocken in einer wunderhübschen Schale, an dem auch hartgesottene Strategen den einen oder anderen Zahn verlieren werden.

Das Reich Ashan hat harte Zeiten erlebt. Zehn Jahre lang wurde es durch Kriege zerrüttet, nachdem die einstige Imperatorin ermordet wurde. Herzog Iwan muss alle Register ziehen, um seinem Cousin Seamus davon abzuhalten, die Herrschaft an sich zu reißen. Doch um dies zu bewerkstelligen, ist er auf die Unterstützung seiner Berater angewiesen. Jeder dieser Berater stammt aus einer von sechs verschiedenen Fraktionen und erzählt eine inspirierende Heldengeschichte, die Iwan bei seinem finalen Feldzug helfen soll.

Der harte Start

Die sechs Fraktionskampagnen sind sofort anwählbar und können in beliebiger Reihenfolge gestartet werden. Jede Kampagne hat im Durchschnitt vier große Karten. Dabei variiert der Schwierigkeitsgrad enorm. Da es kein Tutorial gibt, werden Neulinge der Serie allein gelassen – da hilft nur Trial and Error. Schnell hat man ohne die nötigen Vorkenntnisse seinen Helden in die pure Nutzlosigkeit geskillt oder zu viel Zeit verstreichen lassen.

Für Anfänger ist es daher am besten, mit der Fraktionskampagne der Zuflucht zu beginnen, denn eine gemächliche Geschwindigkeit stimmt auf das Abenteuer ein. Zusätzlich ist der Schwierigkeitsgrad justierbar. Damit können wir uns vorteilhafte und dem Gegner nachteilige Startbedingungen verschaffen. Wer hingegen zum Beispiel mit den Untoten beginnt, hat zwar bereits einen vollständig aufgelevelten Helden zur Verfügung, dafür steht dieser einer unerbittlich angreifenden Übermacht gegenüber, die bereits in den ersten Runden gnadenlos die Verteidigungslinien durchbricht.

Nach jeder Runde wird ein vorläufiger Spielstand gespeichert, um kleine Fehler rückgängig zu machen. Aber auch geübte Helden kommen nicht umhin, die Karte manchmal neu zu starten, weil man seine Prioritäten falsch gesetzt hat. Mit 120 Heldenskills, über 100 Zaubern und 114 Truppentypen haben wir mehr Auswahl, als uns lieb ist. Wir müssen uns entscheiden, was wir steigern, denn die Zeit läuft und wir haben nicht genügend Punkte, um alles zu erlernen. Wenn unsere Aktionspunkte aufgebraucht sind, ist der Gegner am Zug.

Strategie und Taktik

Die Geschichten sind unglaublich dicht erzählt, machen neugierig auf mehr und schneiden sogar manchmal kontroverse Themen unserer Gesellschaft an. Dabei steht das Verhältnis zwischen Erzählung und Erkundung im perfekten Gleichgewicht. Es gibt außerdem Nebenquests mit allerlei nützlichen Belohnungen.

Um selber für Nachschub zu sorgen, haben wir manchmal Zugriff auf eigene Stadtfestungen, in denen wir neue Einheiten ausbilden und sieben verschiedene Rohstoffe abbauen können. Im neuen handgezeichneten Stadtbildschirm verwalten wir unsere wirtschaftlichen Erträge. In vielen Missionen steht uns aber keine Stadt zur Verfügung, sodass wir neutrale Einheiten anheuern müssen, die jedoch Sold verlangen. Daher sollte man Schätze nicht einfach links liegen lassen. Außerdem können wir Rohstoffe tauschen und einmal pro Woche besonders starke neue Spezialeinheiten wie einen Golem besorgen.

Die neuen Schlachtkarten sind um einige neue Elemente erweitert worden. Dort befinden sich Mauern, Schluchten oder andere Hürden. Während diese für Nahkämpfer ein ernstes Hindernis darstellen, stören sich Fernkämpfer nicht im Geringsten daran. Sie schießen einfach darüber hinweg und treffen jedes Mal. Für eine Nahkampf-Armee heißt es dann, dass wir in die unmittelbare Offensive gehen sollten, wenn wir nicht dezimiert werden wollen.

Im Kampf

Pro Runde können wir, sofern sich ein Held in der Gruppe befindet, einen Heldenangriff starten. In einigen Fällen sind diese so mächtig, dass unsere Einheiten lediglich das Zünglein an der Waage darstellen. Haben wir hingegen keinen Helden oder hat dieser nur defensive Fähigkeiten zur Auswahl, können viele Einheiten verloren gehen, auch wenn die Gefahreneinstufung als gering klassifiziert wird. Generell ist es also ratsam, sich den Fähigkeitenbaum der jeweiligen Helden genau anzusehen und nach Schreinen mit neuen Zaubern Ausschau zu halten.

Wer die Auseinandersetzung scheut oder einfach Zeit sparen will, kann die Schlachten vom Computer auswürfeln lassen. Jedoch nutzt dieser selten die Spezialfähigkeiten des Helden. Zum Glück können wir dann einfach noch einmal selbst Hand anlegen, wenn zu viele Einheiten verloren gehen. Auch eine verlorene Schlacht kann erneut angegangen werden, sofern eine Chance auf den Sieg besteht.

Haben wir eine gegnerische Stadt eingenommen, können wir ihre Rohstofflieferanten übernehmen, was immense Vorteile bringt. Außerdem können wir weitere Helden anheuern, die ihre eigenen Bewegungspunkte haben und beispielsweise Rohstoffe sammeln, während wir voranschreiten.

Fazit

Wer sich die Diskversion kauft, um Zeit zu sparen, wird enttäuscht werden. Nach der Installation wird direkt noch einmal ein Patch installiert, der der Größe des gesamten Spiels entspricht. Damit wurden zumindest zahlreiche Bugs beseitigt.

Inhaltlich und spielerisch hat Limbic Entertainment seinen Fans nicht zu viel versprochen. Veteranen kommen voll auf ihre Kosten, die gut erzählte Story motiviert zum Weiterspielen. Der klassische Soundtrack untermalt das Spiel atmosphärisch und man wird etliche Stunden gut unterhalten. Doch wo Veteranen sofort loslegen können, fühlen sich Einsteiger schnell überfordert. Ein für Profis überspringbares Tutorial wäre hilfreich gewesen. Vielleicht legt Limbic noch nach, in jedem Fall werden in Zukunft noch neue Fraktionen hinzukommen. Aber der Umfang des Hauptspiels ist mehr als genug für Hunderte taktische Runden-Stunden.

Might & Magic Heroes VII
(Limbic Entertainment/Ubisoft)
Plattform PC


Marc  Haarmann
Über den Autor

Marc Haarmann schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Might & Magic Heroes VII
Das Produkt wurde kostenlos für die Besprechung zur Verfügung gestellt.
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