3.5 /5

Maneater

Wenn du ein Problem hast, friss es einfach auf!

Kategorie: Games
Tags: Maneater Shark, Hai Tripwire Interactive Blindside Interactive Deep Silver Doku Soap DMAX
von Marc Haarmann (Text)

Wusstet ihr, dass es Haie bereits vor den Dinosauriern gab? Die ältesten Haifunde werden auf ein Zeitalter 400 Milionen Jahre vor unserer Zeit geschätzt. Warum das so wichtig für den Test von Maneater ist? Nun, im Grunde ist es völlig belanglos, doch da sich Maneater als Persiflage auf die Dokusoaps des "Männersenders" DMAX präsentiert werfe ich, wie auch das Spiel, einfach mal wissenswerte aber zusammenhanglose Fakten dazwischen.

Wie würde man eine Geschichte à la Moby Dick in der Gegenwart inszenieren? Ein Mann, besessen von einem Meeresraubtier, das ihm eines seiner Gliedmaßen geraubt hat, schwört blutige Rache.

Hai there!

In diesem Fall ist Moby Dick kein Wal, sondern ein Bullenhaiweibchen und wie wir das kleine Haibaby nennen, bleibt völlig uns überlassen. Der ambitionierte Haijäger Scaly Pete ist der Star der Show Maneater und macht auf seinem Schiff, der Kajun Queen, gleich zu Beginn einen großen Fang. Wenn es nach ihm ginge, müssten alle Haie ausgerottet werden. Schon sein Vater und seines Vaters Vater waren Haijäger und Petes Sohn ... naja, der will lieber studieren. Weichei! Und was die Gefährlichkeit von Haien betrifft: Zumindest was in Port Clovis herumschwimmt, ist tatsächlich mordsgefährlich.
Nach einer blutigen Einführung in das Gameplay, in der wir einen ausgewachsenen Bullenhai durch die Bucht von Port Clovis steuern und jede Menge Touristen verspeisen, springt unsere scharfzahnige Meeresräuberin ausgerechnet vor die Flinte des Doku-Soapstars Scaly Pete. Unsere eigentliche Protagonistin schlummert derweil im Bauch des weiblichen Bullenhais ... bis Pete dem Muttertier den Bauch aufschlitzt und das Haibaby herausreißt. Mit der typischen Nüchternheit eines Großwildjägers beklagt sich Pete über die enttäuschende Größe seines Fangs. Und weil Pete ja kein Unmensch ist, wirft er das Baby wieder zurück ins Wasser ... naja, nachdem er es mit einem Messer (für später) markiert hat ... und weil unser Haibaby ihm daraufhin den Arm abgebissen hat. Eine Blutfehde hat begonnen.

Survival of the Fittest

Aber als Haibaby haben wir nicht wirklich eine Chance, Rache für unsere Mutter zu nehmen; und ein abgebissener Arm, und sei er noch so muskulös, ernährt unseren Hai nicht lange.
Also fressen wir alles, was uns zwischen die Zähne kommt. Ja, alles! Kleine Fische, große Fische, ganz große Fische, Alligatoren, Schildkröten, Treibgut und ganz, ganz, ganz viele Menschen. Dabei gibt uns jede Mahlzeit Erfahrungspunkte sowie Nährstoffe in vier verschiedenen Kategorien. Zu Beginn können wir diese lediglich für unser Sonar einsetzen. Später, wenn wir genügend Missionen erledigt haben, erscheinen höherlevelige Gegner, die es auf uns abgesehen haben. Zum Glück bleiben wir nicht für immer ein Haibaby. In insgesamt fünf Entwicklungsstufen steigen wir über 30 Level auf und verwandeln uns in immer größere und kräftigere Mutationen. Können uns die blitzschnellen Barakudas zu Beginn noch gefährlich werden, verspeisen wir hinterher ganze Gruppen von Meeresraubtieren innerhalb von Sekunden.
Maneater spielt in einer offenen Welt, die wir erkunden können. Die einzelnen Regionen sind amerikanischen Küstenregionen des Golfs von Mexiko nachempfunden. Der Anfang macht ein alligatorverseuchtes Sumpfgebiet, das den Bajous von New Orleans ähnelt. Später besuchen wir ein abwasserverseuchtes Industriegebiet, ein Luxusresort à la Miami Beach und viel später den Golf selbst. Dass wir dabei ständig zwischen Salz- und Süßwasser wechseln, schadet unserem Räuber nicht. Damit wir uns nicht später an Kleintieren dumm und dämlich fressen, sind natürlich später auch die Tiere höherlevelig. Um in den späteren Gebieten zu überleben, brauchen wir aber nicht nur ein höheres Level, sondern auch Upgrades. Und hier wird es absurd.

Augmented Cybershark

Und das meinen wir auf eine besonders spaßige Art und Weise. Das Besiegen der ranghöchsten Raubtiere jeder Region, den sogenannten Spitzenprädatoren, beschehrt uns ein neues Upgrade, dass wir in eines von mehreren Rüstungsslots investieren können. So können wir unserem Hai ein komplettes "Rüstungsset" aus Knochen anlegen oder mit Elektroattacken angreifen.
Aber auch die menschlichen Haijäger sind auf der Jagd nach uns. Haben wir eine bestimmte Anzahl an Touristen verspeist, bekommen wir ganz wie in GTA ein Fahndungslevel. Von nun an greifen uns Haijäger an, bis sie unsere Spur verlieren. Dazu benutzen sie am Anfang noch Harpunen, später schießen sie mit Sturmgewehren auf uns und versuchen, uns mit Dynamit zu sprengen. Auch hier steigen wir in einem Niedertrachtslevel auf. Bei jedem neuen Levelaufstieg sitzt uns ein besonderer Haijäger im Nacken. So besonders sind diese allerdings nicht, denn sie lassen sich genauso schnell besiegen wie alle anderen Jäger auch. Als Belohnung erhalten wir weitere neue Upgrades für unser Seemonster. Und als wäre das nicht genug, erhalten wir für das Abschließen von Sammelaufgaben ebenfalls Upgrades. Dazu zählen Landmarken, Truhen und Nummernschilder. Allerdings sind nur die Truhen wirklich nützlich, da sie Nährstoffe beinhalten. Die Landmarken schenken uns aber allerlei unnütze und urkomische Annekdoten über Port Clovis. Überhaupt ist Port Clovis ein Museum für popkulturelle Seitenhiebe. Für die Levelaufstiege und das Umrüsten müssen wir uns in eine Grotte zurückziehen. Dieses Vorgehen wiederholt sich ohne nennenswerte Variation bis zum Ende des Spiels. Die Missionen gleichen sich dabei stark: Töte soundso viele Fische dieser Art hier, dann das gleiche nochmal am anderen Ende der Region. Töte diesen Prädator, töte so viele Menschen und schließlich: Töte den Spitzenprädator. Repetition ist das Leitmotiv des Spiels und beschreibt damit hervorragend die eine, immer unveränderte Mission unserer Protagonistin: Fresse ALLES!
Die Hauptstory über Scaly Pete und seinen Sohn plätschert dabei meeresoberflächlich vor sich hin, bis sie dann am Ende in einem völlig übertriebenen Showdown endet: Natur vs. Mensch eskaliert. Begleitet wird das Ganze von einem Erzähler, der die Dokusoap kommentiert. Die Anmerkungen sind witzig, aber leider wiederholen sich die Kommentare in der offenen Welt bereits nach kurzer Zeit.

Spiel frisst viel Leistung :o)

Technisch ist Maneater leider eher mittelmäßig. Der bewusste Cartoonlook steht der übertrieben testosterongeschwängerten DMAX-Atmosphäre gegenüber. Leider wiederholen sich die Umgebungselemente sehr oft und die Spieleperformance geht auf Konsolen zweitweise stark in die Knie, was bei den hektischen Schlachten unter Wasser für akute Orientierungslosigkeit sorgt. Dazu schaltet die Unterwasserkamera dicht unter der Wasseroberfläche stets auf die Überwasserkamera, da das Spiel denkt, wir jagen nun Menschen. Erst per Knopfdruck tauchen wir wieder ab. Gerade in den seichten und trüben Gewässern hat diese Funktion zur einen oder anderen Niederlage geführt, da es nicht möglich war tiefer zu tauchen.


3.5 /5

Bei soviel Kritik stellt sich die Frage: Ist Maneater überhaupt ein gutes Spiel? Zugegeben, technisch ist Maneater eher enttäuschend. Allerdings ist die Haisimulation niemals als AAA-Titel konzipiert worden. Eher ist Maneater in die Trash-Ecke eines Sharknado-Films einzuordnen. Trotz oder gerade wegen des Trashfaktors macht das Spielen einen Heidenspaß. Die übertriebene Grausamkeit unseres Bullenhaiweibchens und die subtile Kritik am Konflikt Mensch vs. Natur zeigt mit einem Augenzwinkern, dass die Natur uns mit einem Happs auslöschen könnte, wenn sie nur wollte. Sicherlich kann man sich nur schwer 15 Stunden am Stück mit dem Spiel beschäftigen, aber für eine entspannte Session zwischendurch ist Maneater durchaus unterhaltsam und auch nicht zu lang. Wer nach Emotionsgewittern wie The Last of Us Part 2 oder Ori and the will of the Wisps mal wieder entpannen will, wird sich mit Maneater durchaus erholen können.

Positiv:

- primitiv, aber suchterzeugend


- lustige Herausforderungen


- abwechslungsreiche Schauplätze


- spektakuläre Upgrades

Negativ:

- eintöniges Missionsdesign


- Grafik ruckelt auf Konsolen


- Erzähler wiederholt sich zu schnell


- unübersichtliche Kämpfe (u. A. durch Oberflächenkamera)


- Bosskämpfe ohne taktischen Anspruch

Weitere Informationen:
Marc  Haarmann
Über den Autor (Text)

Marc Haarmann schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Maneater
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