Forbidden City

Ergreife die Macht des Kaisers!

Kategorie: Brett- und Kartenspiele
Tags: Strategie Brettspiel Fliesenleger China Asien Jumbo
von Ruka Jungblut

Die schlechte Nachricht: Der kindliche Kaiser Wei Zu Yang ist noch zu jung zum Regieren. Die gute: Er bedarf eines weisen und fähigen Erwachsenen, der ihn in den Belangen der Stadt berät und somit quasi selbst die Fäden des Kaiserreichs in Händen hält. Ja, wer mag das wohl sein?

Doch nicht nur wir wollen die Macht des Kaisers an uns reißen, auch andere sind bereits auf die Idee gekommen, strategische Marionetten zu installieren, um möglichst das Sagen zu haben. Die einzige Chance, an die Spitze zu kommen, ist immer einen Berater mehr aus dem Ärmel zu schütteln, der im kaiserlichen Palast nach unserem Gutdünken agiert.

Das Spielprinzip

In der Mitte des Spiels wird eine Startfliese gelegt, innerhalb der ein dreidimensionaler Palast errichtet ist. Nun wird das Spielfeld durch strategisches Auslegen weiterer Fliesen (also Karten) Zug um Zug aufgebaut und abgeschlossen. Bekannt ist diese Legetechnik ja bereits aus dem beliebten Carcassonne, dem Forbidden City auch in vielerlei Hinsicht ähnelt. Auf den Plättchen, die in diesem Spiel eben Fliesen heißen, befinden sich Räume in verschiedenen Farben und außerdem Berater oder Drachen. Fliesen mit verschiedenen Farben müssen durch Mauern getrennt sein und wer die meisten Berater innerhalb eines Raumes sitzen hat, sollte diesen möglichst zügig abschließen, um die für den Sieg notwendigen Punkte bzw. chinesischen Münzen zu erhaschen. Dabei vergrößern ausgelegte Drachen noch den Punkte-Topf. Im Gegensatz zu Carcassonne ist es bei Forbidden City jedoch nicht notwendig, sich mühsam in eine Wiese ... erm ... einen Raum einzuschleichen, da Beraterfliesen einfach an offene Räume angelegt werden können, auch wenn in diesem bereits konkurrierende Berater beheimatet sind. Das Abschließen der Räume ist ebenfalls einfacher gestaltet, da offene Raumteile auch an Mauerstücke bereits gelegter Fliesen andocken können und dadurch geschlossen werden. Ein wenig Spannung bringen Torbögen in die Sache, die auch auf den Fliesen abgebildet sind, und Räume miteinander verbinden können, sodass man die Punkte bzw. Münzen des Nebenraumes beim Abschließen gleich miteinsacken kann. Allerdings hat jeder Spieler ein eigenes, festgelegtes Kontingent an Fliesen, sodass hier der überraschende Glücksfaktor und das bange Warten auf „dieses eine Teil“ etwas geschmälert  bzw. auf den eigenen Pool an Fliesen begrenzt werden.

Sobald ein Raum geschlossen ist, werden die Punkte verteilt. Hat jeder Spieler nur noch zwei Fliesen, so endet das Spiel, und es werden nur noch die verbliebenen Fliesen umgedreht und bewertet. Offene Räume verfallen somit, sodass ein wenig mehr Druck ins Spiel gerät.

Spielmaterial

Das Material ist aus stabiler Pappe und in chinesischem Stil gehalten. Gestaltet wurden die Fliesen und auch der Karton von Paul Windle und passen stimmig zum gewählten Szenario. Berater und Drachen sind relativ einfach gehalten und in den jeweiligen Farben des Spielers umgesetzt. Der dreidimensionale Palast in der Mitte ist ein nettes Dekor-Element, mit dem wir aber beim Aufbau ein paar Probleme hatten, da die Pappe doch den Druck eines gewillten Spielers nicht so recht aushält. Aber was soll's, schief ist englisch und englisch ist modern. Baut man den Palast jedoch nicht jedes Mal auseinander, sondern verfrachtet ihn nahezu aufgebaut in der Schachtel, sollte er eine Weile halten. Umgeschüttete Getränke sollten kein großes Problem darstellen, wenn man die Fliesen schnell genug trockenlegt und die Schachtel ist – wie gewohnt von Jumbo – mehr als ausreichend groß für das vorhandene Material. Ein paar Sortierhilfen wären zwar schön gewesen, müssen aber nicht sein, da die Fliesen sowieso vor jeder Partie gemischt werden müssen.

Unser chinesischer Palast ist etwas englisch geraten.

Fun-Fact

Autor des Spiels ist übrigens Reiner Knizia, was in zweierlei Hinsicht spannend ist: Zum einen stand er mit dem Spiel Carcassonne – Die Burg auf der Empfehlungsliste des Deutschen Spielpreises und zum anderen hatte er wohl auch seine Finger beim spannenden Abenteuer-Game Lost Cities im Spiel. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Fazit

Forbidden City ist ein kurzweiliger Zeitvertreib und bringt doch einige strategische Möglichkeiten mit sich. Je nachdem, wie geschickt man mit Torbögen und Mauern umgeht, kann man schnell ein ordentliches Sümmchen an chinesischen Münzen ergattern. Allerdings bleibt das Spiel in seinem Facettenreichtum auch begrenzt. Die unterschiedlichen Szenarien, die es bei Carcassonne bspw. zu bespielen gilt, gibt es in Forbidden City (noch?) nicht. Beschränkt auf Räume und Nachbarräume verliert das Spiel zumindest zu zweit relativ schnell an Reiz, da sich außer der Reihenfolge der gezogenen Fliesen nicht viel ändert. Für jüngere Spieler, die sich ein strategisches Know-How erspielen möchten ist Forbidden City aber ein guter Start mit hübsch gestalteten Materialien.

Und wie bereits von Jumbo gewohnt, kann man sich im Produktvideo einen schönen und stimmigen ersten Eindruck vom Spiel holen.


Schnelles Machtgeplänkel

Forbidden City bietet ein überschaubares Strategie-Abenteuer rund um die Macht des kaiserlichen Reiches. Mit hübsch gestalteten Fliesen und einem dreidimensionalen Kaiserpalast lädt es zum Losspielen und Kennenlernen von Karten-basierten Legespielen ein. Eine hübsche und asiatisch angesiedelte Alternative zu Carcassonne.

Weitere Informationen:
Ruka Jungblut
Über den Autor

Fantasybegeisterte Katzenfanatikerin mit Hang zur Drachensehnsucht.

Artikel: Forbidden City
Das Produkt wurde kostenlos für die Besprechung zur Verfügung gestellt.
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