Black Seas

Tabletop in der Segelschiffära

Kategorie: Brett- und Kartenspiele
Tags: Segelschiffära Black Seas Tabletop Age of Sail
von Christian Schmal

Seit 2019 ist Black Seas unter vollen Segeln auf Kurs über die Tabletop-Tische. Warlord Games hat mit dem Spiel ein klassisches Wargame-Setting für eine breitere Spielerschaft erschlossen, denn die meisten Segelschiffära-Miniaturenspiele auf dem Markt richten sich an Spieler, die sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigen. Black Seas hingegen ist handlich genug aufgebaut, um es auch anderen Spielern gut zugänglich zu machen.

Das Spiel ist im Age of Sail, der sogenannten Segelschiffära, angesiedelt. Das heißt im Fall der Grundbox die Zeit von 1770 bis 1830, als Segelschiffe den interkontinentalen Handel und die Kriegsführung dominierten. Es war die Zeit der Napoleonischen Kriege, in der namhafte Persönlichkeiten wie Admiral Horatio Nelson Geschichte schrieben, und sie ist der Schauplatz der berühmten Hornblower-Romane von C. S. Forster, der gleichnamigen Miniserie oder von Filmen wie Master & Commander.

Black Seas ist nur in englischer Sprache verfügbar. Das ist zuweilen eine kleine Hürde, da nautische Begriffe selbst in der Muttersprache nicht bei jedem zum gängigen Wortschatz gehören. Weitestgehend sind die Regeln aber mit einfachen Englischkenntnissen zu verstehen, so dass die Sprache kein allzu großes Hindernis darstellen dürfte.

Die Regeln des Spiels gliedern sich in Kernregeln, Erweiterte Regeln und Fortgeschrittene Regeln. Solche Einteilungen sind häufig problematisch, da sie die Regeln zerfasern und die Reihenfolge, in der sie logisch zu finden sein sollten, durchbrochen wird. Bei diesem Spiel ist die Einteilung allerdings sehr sinnvoll, da besonders die Fortgeschrittenen Regeln optional einzeln dem Spiel hinzugefügt werden können, um den Vorlieben der Spieler für den Regelstil und die Komplexität von Regeln Genüge zu tun.

Jeder Spieler befehligt eine Flotte verschiedener Segelschiffe. Die Anzahl und der Schiffstyp können vom Szenario vorgegeben oder anhand eines Punktesystems selbst zusammengestellt werden. Diese Flotten können aus nur drei oder vier Schiffen bestehen oder aber aus vielen mehr. Das Spiel lässt dahingehend eine Skalierung gut zu.

Selbstverständlich hat der Wind bei einem Spiel mit Segelschiffen eine große Bedeutung. Dies wird bereits bei der Aktivierungsfolge der Schiffe berücksichtigt, denn sie bestimmt die Reihenfolge. Das Schiff, das der aktuellen Windrichtung am nächsten steht (also zum Beispiel das Schiff, das am westlichsten steht, wenn der Wind aus Westen weht) wird zuerst aktiviert, dann die folgenden entsprechend der Windrichtung. Bei der Aktivierung können bei einem Schiff Segel gehisst oder eingeholt werden, um damit die Geschwindigkeit zu regulieren (in einem von der relativen Ausrichtung zum Wind vorgegebenen Rahmen). Anschließend muss sich das Schiff in seiner bauartbestimmten vollen Geschwindigkeit geradeaus vorwärtsbewegen. Daraufhin darf es sich drehen (in einem recht spitzen Winkel, hierzu wird ein entsprechendes Tool genutzt). Je nach Segeln folgt eine weitere Bewegung geradeaus und eine weitere optionale Drehung und so weiter. Die am häufigsten genutzte mittlere Geschwindigkeit sind die Battle Sails, unter denen ein Schiff zweimal aktiviert wird.

Nach jedem Aktivierungsschritt darf das Schiff Kanonen abfeuern. Pro Spielrunde in jede der vier Richtungen jedoch nur einmal. Nach der letzten Aktivierung kann auch ein Enterversuch durch einen Manöver-Würfelwurf unternommen werden, wenn das Schiff seine Aktivierung nah genug an einem feindlichen Schiff beendet.

Zur Kampfermittlung werden zehnseitige Würfel genutzt, die je nach Schussbedingungen mit Modifikatoren versehen werden. Eine Eins ergibt immer einen kritischen Erfolg, der besondere Ergebnisse wie zum Beispiel den vorübergehenden Ausfall des Steuerruders über den normalen Schaden hinaus herbeiführen kann.

Das Spiel bietet viele Details passend zur Thematik: Kartätschen (Schrotladungen für Kanonen) oder auch Kettenschüsse können geladen werden, ein Feuern auf die Masten und Segel anstelle des Rumpfs ist möglich, die Mannschaft kann aus Veteranen bestehen und damit Manöver wie das Entern oder das Löschen von Feuer erleichtern und vieles mehr. Diese Kleinigkeiten machen das Spiel lebendig und führen zu spannenden Unterschieden zwischen den Flotten und innerhalb einzelner Situationen. Sie sind aber so aufgebaut, dass sie das Spiel nicht übertrieben komplizieren.

Die Regeln von Black Seas sind verständlich und spielenswert. An einigen Stellen sind sie nicht exakt ausformuliert, aber das sollte für unterhaltsame Freundschaftsspiele kein Hindernis sein, und das ist auch die Spielweise, die das Spiel gut bedient.

Derzeit sind Flotten für Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Vereinigten Staaten von Amerika und neutrale Handelsschiffe erhältlich. Das Regelbuch gibt es einzeln oder in der Grundbox Master & Commander, die mit dem benötigten Material für die ersten Spiele ausgestattet ist.

Für die Zukunft sind neben bekannten Großkampfschiffen auch Veröffentlichungen zu Piraten und Seemonstern in Planung. Die Segelschiffära wartet noch mit neuen Abenteuern auf.

Black Seas-Partien können also, mit der richtigen Herangehensweise, sehr spannend und unterhaltsam sein, und sind auch optisch ein Leckerbissen.

Die Miniaturen

Black Seas-Modelle sind im Maßstab 1:700. Die häufigsten Schiffstypen gibt es von Warlord Games als Plastikbausätze, die seltenen aus Resin mit Masten aus Metall. In diesem Maßstab sind mir keine anderen Plastikbausätze bekannt. Sie sind für Hobby-Einsteiger gut zusammenbaubar. Qualitativ bewegen sie sich im oberen Bereich mit hervorragenden Details und guter Gussqualität. Dabei sind einige Elemente etwas überzeichnet, um den Modellen mehr Leben einzuhauchen, zum Beispiel sind die Planken für diesen Maßstab eigentlich zu breit. Das ist Geschmackssache, aber ich finde, dass sie davon enorm profitieren. Die Segel sind aus festem Papier und für die Takelage wird Garn mitgeliefert. Die Takelage anzubringen ist mit etwas Fingerspitzengefühl und Geduld verbunden, wird aber optisch vom Modell belohnt.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zauberwelten Frühjahr 2020

 


CS
Über den Autor

Christian Schmal schreibt für Zauberwelten-Online.de.

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