3.5 /5

Warhammer 40.000 – Inquisitor Martyr

No one expects the Imperial Inquisition

Kategorie: Games
Tags: Warhammer Science Fiction RPG Multiplayer PS4 XBoxOne Windows
von Marc Haarmann

Das Warhammer 40k-Universum ist in erster Linie für seine Tabletop-Miniatur-Massenschlachten bekannt. Das Imperium der Menschen, die Eldar, die Orks, Tau, Necrons, Tyranniden und natürlich das Chaos bekämpfen sich in der dreckigsten und düstersten aller Zukunftsvisionen: in den Überresten eines sterbenden Universums, das in den Fernen des 41. Jahrtausend angesiedelt ist. In den vergangenen Jahren wurden auf Basis der Warhammer-Lizenz zahlreiche Umsetzungen für den Bildschirm veröffentlicht. Hauptmerkmal der Spiele sind die brachialen Massenschlachten. Selten aber wird die Geschichte einer einzelnen Einheit erzählt.

Inquisitor Martyr versetzt uns in die Lage eines imperialen Inquisitors, der das Auftauchen eines uralten Kreuzers der imperialen Flotte untersuchen soll. Das Schiff mit dem Namen Martyr galt lange Zeit als verschollen. Um so seltsamer ist es, dass wir auf dem Geisterschiff zahlreiche Leichen einer jüngst dezimierten Gruppe Space Marines vorfinden. Etwas, das die Elitesoldaten des Imperiums in so hoher Stückzahl ausschalten kann, ist mindestens genauso stark oder gar noch mächtiger. Unsere Mission ist es, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei betreten wir nicht nur die Martyr, sondern reisen durch zahlreiche Systeme auf der Suche nach Hinweisen und anderen Charakteren, die uns zur Seite stehen.

Im Alleingang gegen das Chaos

Die Auswahl des Inquisitors scheint nur auf den ersten Blick komplex, denn die neun Startcharaktere basieren lediglich auf drei Hauptklassen, aus denen wir jeweils eine von drei Startkonfigurationen wählen können. Wie wir unseren Inquisitor anschließend ausbauen, hängt ganz von unserer bevorzugten Spielweise ab.

Für die eher offensiven Spieler bietet sich der robuste Kreuzritter an. Seine Panzerung erlaubt auch intensive Nahkampfgefechte mit dem Schwert. Da wir jederzeit zwischen zwei Waffensets hin- und herschalten können, ist auch eine durchschlagkräftige Zweitwaffe für den strategischen Rückzug ratsam. Mit der flinken, aber verwundbareren Assassinin können wir mit Distanzwaffen schweren Schaden verursachen. Allgemein bewegt die Assassinin sich schneller, sollte aber in brenzligen Situationen in Deckung gehen. Deckungen sind zerstörbar. So können wir zwar Gegner aus der Reserve locken, aber verlieren selbst oft viel zu schnell unsere rettende Schutzwand. Als dritte spielbare Klasse können wir den Psioniker wählen, eine Art Magier, der in der Lage ist, Warp-Energie zu nutzen.

Mit Missionen zum Aufstieg

Auf Basis unserer Spielweise schalten wir weitere Talentbäume frei, die unserer bevorzugten Kampftaktik mehr Kraft verleihen. Pro aufgestiegenem Level erhalten wir die dafür nötige Erfahrung. Mit den Levelaufstiegen bekommen wir übrigens auch Zugang zu neuen Ausrüstungsgegenständen und Waffenkategorien, die unser Arsenal erweitern.

Die eigentliche Einstufung ergibt sich allerdings durch den Rüstungslevel. Eingesammelte Beutestücke, auf die wir übrigens erst nach dem erfolgreichen Abschließen einer Mission Zugriff erhalten, addieren sich je nach Qualität und Effektivität zu einer Gesamtsumme. Im Auswahlmenü der Missionen können wir einsehen, ob unser derzeitiger Rüstungslevel mit der empfohlenen Rüstungsstufe mithalten kann. Gehen wir aufs Ganze und wählen eine Mission mit höherer Rüstungsstufe, winkt bessere Beute. Es kann aber sein, dass wir dann gnadenlos überrannt werden.

Jede Mission ist in mehreren Schwierigkeitsstufen anwählbar. Ist selbst die niedrigste Schwierigkeitsstufe über unserem Level, können wir über die Galaxie verteilt jederzeit aus einem Pool alternativer Nebenmissionen wählen, um aufzurüsten. Im späteren Verlauf können wir uns sogar unsere eigenen Missionen erstellen, um besondere Beute zu farmen.

Player 2 mit Abstrichen

Wer das Spiel auf der Couch mit einem Freund durchspielen will, kann dies in der Konsolenfassung nun tun. Allerdings gibt es für unsere Gastspieler keinen individuellen, aufrüstbaren Charakter, sondern lediglich einen vorgefertigten, der gleichwertig mit dem Gastgeber ist. Zudem können Mitspieler nicht an der Kampagne teilnehmen, sondern nur an Nebenmissionen.

Noch demotivierender wird es dann für unkoordinierte Kämpfer. Je mehr Gastspieler wir einladen, desto mehr stecken die Gegner ein. Zusammen mit der schnellen Regeneration der Gegner bedeutet das eine sichere Niederlage, wenn wir unsere Kräfte nicht strategisch bündeln. Hier hat Neocore gewaltiges Multiplayerpotenzial einfach links liegen lassen.

Herausfordernde Steuerung

Als isometrisches Rollenspiel mit Fernkampfwaffen würde sich Inquisitor Martyr hervorragend als Twinstick-Shooter anbieten. Tatsächlich ist der zweite Controller aber für das Drehen der Kamera konfiguriert. Die Figur zielt in die Richtung, in die wir gehen, und visiert dabei das nächste Ziel an. Ungünstig wird es dann, wenn ein explosives Fass oder andere unbedeutende Ziele dazwischen stehen. Dann schießt unsere Figur erst einmal auf diese Dinge und lässt andere Gegner in der Zwischenzeit gefährlich näher kommen.

Hier wird besonders deutlich, dass Inquisitor Martyr seine Wurzeln auf dem PC hat, wo wir mit der Maus auf unser Ziel klicken. Die Markierung erfolgt nun aus unserer Richtungseingabe und einem eigenwilligen Autozielsystem. Ziehen wir uns zurück, können wir das Ziel nicht anvisieren. Da Gegner ihre Schilde und Energie sehr schnell regenerieren, kann es sein, dass wir besonders im Herausforderungsmodus schnell den Kürzeren ziehen.

Parallelen zum Tabletopspiel

Warhammer 40k-Fans werden sich besonders auf die Ausstattung der Kämpfer freuen, besitzen sie doch viele Parallelen zum Tabletopspiel. Die Waffenmunition ist unbegrenzt. Bei Projektilwaffen wechseln wir zwischendurch das Magazin, Energiewaffen überhitzen schnell und wenn wir nicht vorzeitig aufhören, zu feuern, dauert es eine ganze Weile, bis wir unser Gewehr wieder benutzen können. Einige Angriffe erfordern eine kurze Aufladephase. Je stärker die jeweilige Attacke, desto länger müssen wir auf die erneute Benutzung warten. Lediglich Spezialangriffe, wie Splittergranaten oder Minen, verbrauchen Munition. Diese lässt sich, ebenso wie die Medipacks, an fair platzierten Terminals regelmäßig aufstocken.

Wer die Ausrüstung blind auswechselt, nur um einen höheren Rüstungslevel zu erhalten, wird früher oder später Schwierigkeiten mit seiner bevorzugten Spielweise haben, da jede Ausrüstung sehr individuelle Boni besitzt und z.B. ein zweihändiges Energieschwert für die leicht gepanzerte Assassinin doch möglicherweise ein Wagnis darstellen könnte. Wer die Herausforderung trotzdem sucht, kann sie aber nutzen.

Werkgetreue Tristesse

Optisch ist Inquisitor Martyr ein zweischneidiges Schwert. Die Level orientieren sich am bekannt düsteren gotischen Baustil und werden nicht ohne Grund als Kathedralen bezeichnet. Auch die Vorgabe der Lore, dass der imperiale Baustil einer festen Ordnung zu folgen hat, kommt hier zum Tragen. Als Spieler ist es aber nach 50 Stunden doch etwas eintönig, dieselben monochromen Levelsets in zufällig zusammengesetzter Anordnung immer wieder und wieder zu durchqueren. Zwar gibt es auch diverse Level auf unterschiedlichen Planetenoberflächen, den Großteil haben wir allerdings in imperialen Einrichtungen verbracht, die mit ihren rechtwinklig angeordneten Gängen nach weit über hundert Missionen ihren Zauber verloren haben. Positiv hervorzuheben, sind die zahlreichen Einheiten des Imperiums und des Chaos, die sich an der Tabletopvorlage orientieren.

Die englischen Sprecher leisten gute Arbeit. Auf Wunsch können unsere Verbündeten durch den Lautsprecher des Controllers kommunizieren. Allerdings sind sie so noch schwerer zu verstehen, als durch das ohnehin schon sehr verzerrte Funkgerät. Zwar können wir auch die Untertitel lesen, doch ist die für den PC optimierte Schrift insbesondere während einer Schlacht nahezu unlesbar. Kleiner Tipp: Wenn ihr den Dialogen nicht folgen konntet, lohnt sich ein Blick ins Logbuch.


3.5 /5

Warhammer 40.000 Inquisitor: Martyr hat genügend Potenzial um ein gutes Action-RPG zu sein. Allerdings verschenkt es wertvolle Punkte durch den halbherzigen Multiplayer und das gewöhnungsbedürftige Zielsystem. Fans des Warhammer 40k-Franchise bekommen mit der Kampagne eine spannende Geschichte und eine Menge Fanservice. Spieler, die mit dem Tabletopspiel eher weniger zu tun haben und nur ein knackiges Action-RPG suchen, könnten durch die triste Kulisse etwas abgeschreckt werden. Etwas, das man Inquisitor Martyr aber zugute halten kann, ist, dass es durch seine eher behäbigen Charaktere mehr Strategien und Taktiken erfordert als ein flinkes Diablo mit seinen Ausweichmanövern und dadurch derzeit eine Referenz im Genre darstellt. Auf der Konsole ist übrigens vor Spielbeginn ein Neocore-Account notwendig, den wir vorab erstellen müssen.

Positiv:
  • werkgetreue Umsetzung des Warhammer 40k-Designs
  • optionale Herausforderungen, die bessere Beute versprechen
  • drei unterschiedliche Einheiten, die individuell spezialisiert werden können
  • enormer Umfang von ca. 50 Stunden pro Charakter
  • Koop-Multiplayer
Negativ:
  • etwas eigenwillige Steuerung
  • Deckungen nahezu wertlos
  • Multiplayer mit starken Einschränkungen für Mitspieler
  • Kampagne nur für Solospieler
  • Funksprüche schwer zu verstehen
Weitere Informationen:
Marc  Haarmann
Über den Autor

Marc Haarmann schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Warhammer 40.000 – Inquisitor Martyr
Das Produkt wurde kostenlos für die Besprechung zur Verfügung gestellt.
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