The Surge

Es muss ja nicht immer Fantasy sein

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Mit Lords of the Fallen lieferte Deck13 im Jahr 2014 ein solides Rollenspiel für die hartgesottenen Spieler. Doch die Fußstapfen, die das Studio zu füllen suchte, waren stets größer als die eigenen. Das Spiel setzte im Kontrast zur berühmten Dark Souls-Serie zu wenig eigene Akzente. Allerdings wird nun mit The Surge genau dieses Manko ausgebügelt. Deck13 tritt mit einer düsteren Science-Fiction-Dystopie aus dem Schatten des japanischen Vorbildes heraus.

Warren sitzt im Zug und bereitet sich auf sein Vorstellungsgespräch vor. Der Weltkonzern CREO wirbt mit optimistischen Propagandavideos für eine Wiederherstellung der Umwelt. In Project Resolve werden Raketen ins All geschossen, die Chemikalien freisetzen sollen, um den Schaden an der Umwelt umzukehren. Gerade jetzt läuft ein Video über Warrens Kopf. Nach all den Jahren, in denen die Ökologie auf der Erde konsequent zerstört wurde, hören sich die Ziele CREOs ambitioniert und hoffnungsvoll an. All dies wird uns von einem Bilderbuch-Hipster schmackhaft gemacht, der uns den besten Arbeitsplatz der Welt verspricht.

Der Zug fährt ein. Es läuft besser als erwartet. Anstatt ein Vorstellungsgespräch absolvieren zu müssen, sind wir sofort engagiert und dürfen zwischen zwei Exosuits wählen. Die flinke, aber schwache Ausrüstung oder die schwere, aber behäbige Rüstung? Doch als man uns den Exosuit an den Körper schraubt, geht etwas gewaltig schief. Als wir aufwachen, liegen wir in der Mitte eines Raketenfriedhofs und werden von Drohnen attackiert.

Dark Altmetall

Was ist passiert? Die Geschichte hält uns ziemlich lange im Unklaren darüber und lässt uns lieber die Gegend auskundschaften. In den Servicestationen, in denen wir uns upgraden, nehmen wir Kontakt zu anderen Überlebenden auf. Der Rest unserer Arbeitskollegen trachtet uns nach dem Leben. Nun, zumindest tun dies die Exosuits, in denen sie stecken. Der Zwischenfall im Operationssaal hat uns offenbar davor bewahrt, ein ähnlich hirntotes Dasein zu fristen.

Unser Exosuit funktioniert anfangs allerdings nicht wirklich, wie er sollte. Wenn wir nicht aufpassen, hauen uns zu Beginn sogar kleine Drohnen aus den Latschen. Die zerstörten Gegner hinterlassen Altmetall, das wir in neue Kernleistung investieren. Sterben wir, ist das ganze Metall futsch und wenn wir zu lange trödeln, verschwindet es auch so irgendwann. Ein Timer sagt uns, wie viel Zeit uns noch bleibt, und mit jedem besiegten Gegner bekommen wir noch ein paar zusätzliche Sekunden geschenkt.

Zum Glück können wir gesammeltes Metall auf der Servicestation lagern. Damit verlieren wir nicht sämtliches Material. Allerdings wird dann auch der Multiplikator zurückgesetzt und alle normalen Gegner sind wieder da. Je mehr Feinde wir besiegen, ohne zu speichern, desto mehr Metall sammeln wir auf. Die aufgewertete Kernleistung erlaubt es uns, mehr Implantate zu benutzen (maximal acht gleichzeitig) und schwerere Rüstungsteile zu installieren. Durch die Implantate können wir zum Beispiel mehr Heilungsinjektionen verwenden oder die HP-Anzeige des Gegners sehen. Für die Rüstungsteile und Waffen müssen wir uns allerdings ein wenig mehr anstrengen.

Lieber Arm ab als arm dran

The Surge bietet ein innovatives Kampfsystem. Mit den rechten Schultertasten teilen wir entweder vertikale oder horizontale Hiebe aus. Die Gegner verfügen über unterschiedliche Trefferzonen. Ist eine Trefferzone beschädigt und leuchtet gelb, können wir dem Gegner schnell diesen Körperteil abtrennen, erhalten aber nur eine geringe Menge an Metall. Ob wir lieber vertikal oder horizontal zuschlagen, hängt von der Lage des jeweiligen Körperteils ab. Nur mit erhöhtem Aufwand kommen wir an die wirklichen Sahnestücke der Exosuits. Blau gekennzeichnete Körperteile sind unversehrt und stecken mehr Schaden ein. Da die Rüstung durch eine Art Kill-Switch zerstört wird, können wir lediglich die Blaupausen für ihre Technologie "ernten". Ein kurzes Zeitfenster ermöglicht es uns, das Teil abzutrennen, bevor es mit dem Rest der Rüstung verbrennt. Lediglich die Waffen können wir direkt benutzen.

Das Aufrüsten und Sammeln neuer Baupläne motiviert zu riskanteren Manövern und macht Laune. Waffen gibt es im Spiel viele, einhändige oder zweihändige sowie Krallen. In den meisten Fällen haben sich leichte Waffen mit hoher Flexibilität bewährt, da selbst schwere Gegner meist sehr schnelle Attacken austeilen können, während wir mit dem schweren Zweihandhammer unsere begrenzte Kondition mit einem Schlag verbrauchen. Wer die vier Bosse und einige Gegner auf bestimmte Art und Weise besiegt, erhält starke einzigartige Waffen als Belohnung. Bereits kurz nach Beginn bekommen wir unsere eigene Drohne. Die macht allerdings kaum Schaden und dient eher zum Hervorlocken einzelner Gegner.

Industriekultur in der Postapokalypse

Auch das Level-Design kann sich sehen lassen. Die Umgebungen sind zwar vergleichsweise trist und wechseln sich nur selten ab, die düstere Stimmung der technischen Komplexe oder der Außenareale ist aber sehr passend und erinnert teilweise an das erste Dead Space. Besonderes Lob verdient der Levelaufbau. Servicestationen gibt es in The Surge nicht viele. Allerdings können wir Abkürzungen freischalten, indem wir verschlossene Türen von der anderen Seite öffnen oder Aufzüge reparieren. Gerade im späteren Spiel sind wir froh über jeden Meter, den wir dauerhaft erobert haben.

Wenn wir mit einigen tausend Einheiten Altmetall endlich die bekannte Melodie der Servicestation hören, sind wir heilfroh. Das ist aber auch der einzige positive Aspekt dieses Liedes, das wir im Laufe des Spiels mehrere hundert Male über uns ergehen lassen müssen. Zumindest die PC-Fassung erlaubt es uns nach einem Patch, diesen Song gegen einen anderen auszuwechseln.

Fazit

The Surge erhebt sich aus dem gewohnten Hardcore-Rollenspiel-Einerlei und bietet ein neues unverbrauchtes Szenario mit fordernden Gegnern, die unterschiedliche Taktiken verlangen. Das Crafting-System bringt einige gute neue Elemente ins Genre, die sich auch erfrischend auf die Kämpfe auswirken. Warren selbst bleibt allerdings eine blasse Figur, mit der wir uns nicht identifizieren können, aber auch nicht müssen. Die Mission heißt Erkunden, Kämpfen, Sammeln und Überleben. Jeder Sieg ist ein Triumph.

Stellenweise überrascht das Spiel mit unerwarteten Situationen. Die interessante Hintergrundgeschichte ist allerdings fast zu schade, um sie so stiefmütterlich zu behandeln. Abseits der direkten Route gibt es zwar viele Abzweigungen und ein paar kleine Nebenaufgaben, optionale Bosse und Areale sind aber Fehlanzeige. Somit motiviert das New Game+, das nach Antritt übrigens den Spielstand überschreibt, allerhöchstens für einen identischen Walkthrough mit härteren Gegnern. Deck13 sollte aber in jedem Fall diesen Pfad beibehalten, denn Hardcore-Rollenspiele mit Science-Fiction Elementen gibt es im Augenblick nicht sehr viele.

The Surge
(Deck13/DeepSilver)
Plattformen: PS4,XboxOne, PC
Webseite: The Surge

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