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Der Feind im Inneren

// Literatur
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Die Handlung von olo beginnt Ende des 21. Jahrhunderts und stellt sozusagen ihr eigenes Fin du Siécle dar. Ort des Geschehens ist Berlin: Die Gesellschaft – gesegnet oder (je nach Blickwinkel) dem Untergang geweiht durch fortgeschrittene Technik und eine gesteigerte Lebenserwartung – ist darauf ausgerichtet, dass jeder funktioniert. Wer dies nicht tut, wird aussortiert.

Der Hauptcharakter Patrick Gilbers ist perfekt angepasst und verfolgt wie alle mit der Gesellschaft konform gehenden Bürger seine Karriere, in seinem Fall als Lobbyist eines renommierten Pharmakonzerns. Als er einer verführerischen, aber geheimnisvollen Fremden helfen möchte, wird er mit etwas konfrontiert, dass sein bisheriges Leben komplett zerstört. Mit Hilfe einer Polizistin versucht er zu ergründen, was geschehen ist – und wie er gerettet werden kann, ohne dabei komplett den Verstand zu verlieren.

Was als dystopische Erzählung beginnt, wandelt sich recht fix zu einer klassischen Horrorgeschichte mit obskuren, aber kurzen Erotikanteilen, die entsprechend klassisch endet.

Schlummernder Wahnsinn

Die Geschichte entfaltet sich durch etliche Zeitsprünge, die allerdings immer mit einer genauen Zeitangabe eingeleitet werden, so dass die Rezeption nicht erschwert wird und man stets weiß, in welcher Zeitebene man sich befindet. Mitunter bemüht sich der Autor, eine farbenfrohe und metaphernreiche Sprache zu verwenden, schießt dabei allerdings einige Male übers Ziel hinaus – beispielsweise wenn Vorderräder eines Autos einen menschlichen Körper zur Seite spucken. Der gesamte Text liest sich ansonsten flüssig, baut auf prägnante Bilder und wirkt zu keiner Zeit überfordernd.

Was diesen Kurzroman zu etwas Besonderem macht, ist die Tatsache, dass der Autor, ein gewisser „Robert Gilbers“, diesen 2099 geschrieben haben wird und im Verlauf der Geschichte als Bruder des Protagonisten selbst kurz in Erscheinung tritt. Die Recherchen ergaben, dass „Robert Gilbers“ bisher nur diesen einen Kurzroman veröffentlichte bzw. veröffentlicht haben wird.

Im Gesamtbild haben wir es hier mit einer kurzweiligen Novelle zu tun, welche insbesondere Horrorfans und Anhängern dystopischer Erzählungen wie 1984 von Orwell oder Fahrenheit 451 von Bradbury ans Herz gelegt werden kann. Durch ihre relative Kürze und der einfachen, aber effektiven Sprache ist olo ein idealer Nachmittagsschmöker für das Freibad, den Park oder die Fahrt ins Ungewisse.

olo
Robert Gilbers
(Eridanus Verlag, 2016)
74 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-946-34806-1
Webseite: olo beim Eridanus Verlag

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