Das neunte Haus: Roman

Verbindungen, Magie und düstere Vergangenheiten

Kategorie: Literatur
Tags: Verbindungen Yale Magie Leigh Bardugo Knaur Krimi Urban Fantasy Gothic Noir
von Ruka Jungblut (Text)

Acht Häuser üben ihre magischen Fähigkeiten auf dem Gelände der Yale-Universität aus. Je nach Disziplin beschäftigen sie sich mit Vorhersagen aus Eingeweiden Unschuldiger, Blutmagie, Manipulation und natürlich Kontrollübernahme anderer Menschen. Hohes Konfliktpotenzial könnte man sagen. Als dann ein Mord geschieht, könnte es quasi jeder gewesen sein. Das neunte Haus, das die Einhaltung der Regeln kontrolliert, soll den Fall untersuchen.

Alex Stern ist neu in Yale. Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass sie dort gelandet ist, denn ihre Vergangenheit ist genauso düster wie die Magie, die in Yale betrieben wird. Drogen, Kriminalität und das Leben von der Hand in den Mund hat eine raue Persönlichkeit aus ihr gebildet. Doch da sie in der Lage ist, ohne die Einnahme von Hilfsmitteln Geister zu sehen, wurde ihr kurzerhand ein Stipendiat angeboten. In der renommierten Universität sieht sie sich plötzlich mit Manieren, Gepflogenheiten und Etikette konfrontiert. Bis sie anfängt, zu graben. Denn in den Kellern der acht bzw. neun Verbindungshäuser gibt es allerhand Leichen zu entdecken. Ihr Mentor Darlington versucht, sie auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten, die unter die Obhut des neunten Hauses fallen: Nämlich der Kontrolle der Regeleinhaltungen durch die anderen. Bis er plötzlich in einem seltsamen Portal verschwindet und Alex die Verantwortung allein übernehmen muss.

Und dann geschah der Mord

Nachdem auf dem Campus am wöchentlich stattfindenden Ritualabend eine Mädchenleiche entdeckt wird, soll Alex zunächst ermitteln. Doch allzu schnell wird sie vom Dekan persönlich von dem Fall abgezogen. Die misstrauische Alex folgt jedoch ihrem Bauchgefühl und kämpft sich allein durch die Verworrenheit des Falls. Dabei entdeckt sie immer mehr rätselhafte Zusammenhänge, die schlussendlich irgendwie miteinander verwoben scheinen. Ihre raue Natur, die durch das Leben als Drogendealerin geprägt ist, scheint sie zunächst zu behindern. Doch mit der Zeit stellt Alex fest, dass sie genau mit diesen erlernten Werkzeugen weiterkommt als mit den höflichen Versuchen der reichen Student*innen. Ihre Gabe, Geister zu sehen, soll dabei noch eine helfende Rolle spielen, auch wenn die Erfahrung sie eigentlich gelehrt hat, dass man von Geistern lieber die Finger lassen sollte.

Von Verbindungen und Magie

Verbindungen und Magie werden immer wieder gerne zusammengebracht. Uralte Mysterien, rätselhafte Fähigkeiten und skrupellose Methoden stehen dabei an der Tagesordnung. Auch in Das neunte Haus werden diese bekannten Strukturen aufgegriffen. Statt aus hunderten von maskierten Verbindungsleuten zu bestehen, die mit Geld nur so um sich werfen, sehen sich einige der Häuser jedoch mit ganz alltäglichen Problemen konfrontiert: Ohne Geld und einen eigenen Nexus, der notwendig ist zum Wirken von echter Magie, kann auch eine Verbindung nicht viel mehr machen, als irgendwo auf dem Campus eine nette Party zu feiern. Es gilt, sich nicht nur Ansehen, sondern auch Macht und Geld zurück zu erkämpfen, gleich mit welchen Mitteln. Und natürlich, ohne dabei erwischt zu werden.

Verworren wie die Rätsel ist auch der Anfang des Buches

Am Anfang ist es mir sehr schwergefallen, mich in die Strukturen der Handlung einzuleben. Die acht Häuser sind zwar in einem Anhang erläutert, aber trotzdem wusste ich mich nicht so recht zurechtzufinden. Auch die Wechsel zwischen den Erzählzeiten haben es mir zu Beginn nicht leicht gemacht. Zwar konnte ich so mit Alex gut mitfühlen, die sich in ihrer neuen Welt auch mit der Orientierung schwergetan hat, musste aber auch ständig zurückblättern, um zu verstehen, was gerade wo geschieht und ob ich mich in der Gegenwart, der nahen oder der länger zurückliegenden Vergangenheit befinde. Zwischen den Kapiteln gab es immer wieder Auszüge aus den Hausregeln des Hauses Lethe und aus den Tagebüchern der jeweiligen Mitglieder, aber die Zusammenhänge zu den Geschehnissen waren mir nicht immer klar. Erst zur Mitte des Buches hin konnte ich langsam in die Handlung eintauchen und anfangen, mitzurätseln, statt nur nach den Ankerpunkten der Geschichte zu suchen oder das Bedürfnis zu unterdrücken, Tante Google um Hilfe zu bitten. Dann nahm die Geschichte jedoch schnell an Fahrt auf und machte den langwierigen Einstieg wieder wett. Neben actionreichen Kampfszenen wurden immer mehr Mysterien aufgedeckt und gleichzeitig die Entwicklung der jeweiligen Charaktere erzählt. Es sei allerdings gesagt, dass der Fokus nicht unbedingt auf der Haupthandlung der Geschichte liegt, da immer wieder auf die Geschichte der Charaktere selbst und zuvor geschehene Ereignisse umgelenkt wird.

Schurke oder Held – Das ist hier die Frage

Wie von Leigh Bardugo gewöhnt, sind die Charaktere nicht entweder böse oder gut, sondern nehmen eine Mischform an. Wer zu Beginn böse war, muss es nicht bis zum Ende bleiben und umgekehrt. Ebenfalls ist gerade die Hauptperson Alex in ihrem Verhalten wie in ihren Ansichten heterogen gehalten. Als Leser*in fällt es leicht, ihr auch mal unethische Schnitzer zu verzeihen, sobald man die Ursachen der "Ausraster" kennenlernt. Dennoch möchte man ab und an den Zeigefinger zur tadelnden Ermahnung heben.

Die Nebenfiguren sind ebenfalls oft in einer Grauzone gehalten, was ihre ethischen Intentionen angeht und man kann sich bis zum auflösenden Schluss eigentlich nie ganz sicher sein, wer welcher Gesinnung zuzuordnen ist. Es ist also nicht verkehrt – wie Alex – immer ein misstrauisches Auge auf liebgewonnene Personen zu werfen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man sich gerade in der fiktiven Realität oder der Geisterwelt befindet.

Fazit

Man braucht ein bisschen Durchhaltevermögen, bis man sich in der Geschichte zurechtfindet. Aber dann ist Das neunte Haus ein spannendes und unvorhersehbares Abenteuer quer durch Magie, Mobbing, Politik und Intrigen, wie wir sie in einer guten (und ein bisschen klischeehaften) Verbindung zu schätzen wissen. Hat man das Hindernis des Anfangs überwunden, darf man sich aber auch auf intensive Charaktergeschichten, Spannung und eine ordentliche Portion AHA-Effekt freuen, die bis zum Ende des Buches anhalten. Letzteres lässt auch durch einen kleinen Cliffhanger darauf hoffen, dass weitere Bände erscheinen werden. Das würde die Mühe des Sich-Einfindens auf jeden Fall wieder wettmachen.


Positiv:
  • Gewohnt heterogene Charaktere
  • Kein Schwarz-Weiß-Denken
  • Unvorhersehbarkeit
Negativ:
  • Langatmige Einführung bis die eigentliche Handlung in Fahrt kommt
  • Schwierige Orientierung in den Strukturen der Häuser
  • Zunächst scheinbar zusammenhanglose Auszüge aus Regel- und Tagebüchern
Weitere Informationen:
Ruka Jungblut
Über den Autor (Text)

Fantasybegeisterte Katzenfanatikerin mit Hang zur Drachensehnsucht.

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