Die Zwerge

Das Spiel für die Ohren

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Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Die mittlerweile fünfteilige Romanserie der Zwerge und ihres Feldzugs gegen die Heere des Toten Landes bietet eine hervorragende Vorlage für eine Rollenspielumsetzung. Tatsächlich ist die Videospielumsetzung von Die Zwerge aber ein Echtzeitstrategiespiel geworden.

Die Erzählung hällt uns nicht lange mit Erklärungen auf. Das Einführungslevel stürzt den Spieler von der ersten Minute an in eine verzweifelte Schlacht gegen die Heerscharen des Toten Landes. Die Orks, Oger und Albae belagern das Steinernde Tor, das den Zugang zum Verborgenen Land versperrt. Nur Zwerge können dieses Tor öffnen, doch wenn ein Zwerg außerhalb der Tore fällt, wird er zu einem Untoten und damit eine Spielfigur des Bösen. Nur wenige Zwerge können dem Ansturm noch standhalten. Mit vereinten Kräften stoßen wir die grüne Brut zurück und vernichten ihre Belagerungswaffen. Doch unser Teilsieg verzögert den Feldzug der dunklen Armeen lediglich.

Teuflische Nachbarn

Wer übermotiviert ins Gemetzel stürmt, wird schnell merken, dass das Spiel so nicht funktioniert. Mit unserer Spezialattacke springen wir in die Menge und schleudern etliche Orks in den Abgrund. Aber wir treffen längst nicht alle von ihnen. Schnell sind wir dann doch umzingelt und unsere Spezialattacke braucht noch Zeit, bis sie wieder einsetzbar ist. Unser Standartangriff verursacht in so einer Lage kaum Schaden. Kurze Zeit später sind wir tot, weil jeder andere Zwerg sein eigenes Süppchen kocht und niemand hilft.

Neuer Versuch: Wir setzen unsere Sprungattacke ein und ziehen uns wieder zurück, um nicht umzingelt zu werden. Das klappt ganz gut. Danach übernehmen wir die Kontrole über mehrere Zwerge. Jeder Zwerg hat andere Spezialattacken. Im Tutorial steuern wir voll ausgebildeten Helden. Unsere Attacken sind stark, der König kann unsere Einheiten heilen, während ein anderer Zwerg den Weg zu den Katapulten freilegt. Solange wir keine Spezialattacken benutzen können, kämpft unser Zwerg mit schwachen Standartattacken. Die Taktik liegt nicht in der penetranten Nutzung unserer Kräfte, sondern in einer effektiven Positionierung unserer Spielfiguren und dem stetigen Wechsel zwischen ihnen. Verglichen mit späteren Kämpfen ist das Tutorial ein Kinderspiel. Wer die Einstiegshürde überwunden hat, ist auch bereit für das Hauptspiel.

Vom Zwerg, der auszog, um das Kämpfen zu lernen

Natürlich war die große Schlacht nur der Einstieg. Der eigentliche Held unseres Spiels weiß von all dem nichts und außer dem Zwerg im Spiegel hat er auch noch nie einen anderen gesehen. Tungdil Bolofar wurde einst als Findelkind von Magus Lot-Ionan gefunden und aufgezogen. In seinem Stollen brachte sich Tungdil das Schmiedehandwerk selbst bei und lernte nebenbei so viel über das verborgene Land, wie er in sich aufsaugen konnte.

Aus diesem Grund schickt Lot-Ionan Tungdil auf eine Botenreise zum 300 Meilen entfernten Schwarzen Joch, um einen Sack Utensilien abzuliefern. Für unseren motivierten Zwerg gibt es keine bessere Aufgabe und so macht er sich auf eine lange Reise, die sein Leben verändern wird. Der Botengang wird schnell zu einer gefährlichen Abenteuerreise. Doch ohne je eine Kampfausbildung genossen zu haben, fangen wir als blutiger Anfänger an und lassen uns bereits im ersten Gefecht das Schwert aus der Hand schlagen. Zum Glück kämpft Tungdil nicht lange alleine: Im Laufe der Geschichte schließen sich ihm Gefährten an und natürlich sind viele von ihnen ebenfalls Zwerge.

Zwischen Bucherzählung und eigenen Entscheidungen

Schon jetzt wird klar, dass sich Die Zwerge erzählerisch eng an das Buch halten soll. Ein Erzähler kommentiert das Geschehen und all das, was sich auf der Weltkarte abspielt, als würde er aus einem Buch vorlesen. Die Sprecher sind hervorragend gewählt. Wir bewegen unsere Figur als Holzstatue über die Weltkarte. Machen wir einen Zug, bewegen sich aber auch Feinde über die Weltkarte. Wir können die feindlichen Patrouillen angreifen oder ihnen über einen der zahlreichen Umwege ausweichen. Zwischendurch können wir immer wieder Entscheidungen treffen, die das Geschehen leicht beeinflussen.

Auch wenn wir im Laufe der Geschichte bis zu 15 Gefährten in unsere Gruppe aufnehmen können, übernehmen wir im Kampf lediglich die Kontrolle über vier von ihnen. Steigen wir einen von zehn Leveln auf, können wir uns alle zwei Stufen eine neue Fähigkeit aussuchen. Zusätzlich können wir jedem Zwerg einen Gegenstand anlegen. Warum die Zwerge allerdings nur einen Gegenstand gleichzeitig auswählen dürfen, ist ein Mysterium. Sowohl Amulette als auch Tränke nutzen den selben Slot. Erfahrungspunkte erlangen wir nicht nur durchs Kämpfen, sondern auch durch Dialoge. Dadurch ergattern wir sogar Nebenquests.

Reduziertes Gameplay zugunsten der Inszenierung

Das Schlachtgetümmel artet oftmals in unübersichtliches Chaos aus. Zum Glück können wir das Geschehen häufig pausieren, denn wir müssen faule Zwerge an die Front schicken und lebensmüde KI-Zwerge aus den Gegnermassen manövrieren. Haben wir die Kontrolle, aktivieren wir wahlweise eine von drei Spezialattacken oder nutzen einen Verbrauchsgegenstand. Während die Zwerge von der KI gesteuert werden, benutzen sie ausschließlich die schwachen Standartangriffe. Doch dies hat auch seinen Vorteil: Viele Angriffe unserer Zwerge verursachen ebenso Schaden bei unseren Verbündeten. So schleudert man gerne mal seine eigenen Leute in den Abgrund. Stirbt ein Gefährte im Kampf, bedeutet dies einen Neustart der Mission. Auf der anderen Seite sind Abgründe eine hervorragende Gelegenheit, um sich größerer Gegnermassen schneller zu entledigen.

Obwohl man sich die meiste Zeit auf der Weltkarte befindet, sind die wenigen Gebiete, die wir betreten können, wunderschön gestaltet. Vor allem die Zwergenminen vermitteln eine phantastische Atmosphäre und erinnern an Moria aus Herr der Ringe. Die Figuren hingegen sind zwar gut animiert, wirken jedoch aus der Nähe betrachtet, als wären sie aus Knete entstanden. Vor allem die Haare sehen aus, als wären hier Actionfiguren zum Leben erwacht. Diese Kritik ist allerdings auf hohem Niveau und fällt nicht groß ins Gewicht.

Leider gibt es auf XboxOne trotz Patch noch vereinzelte Ruckler. Die Steuerung per Gamepad geht leicht von der Hand. Die PC-Steuerung ist allerdings dank Mausunterstützung intuitiver. Leider kann man die Kamera nicht frei über das Schlachtfeld bewegen, sondern lediglich um die aktive Figur herumrotieren und stufenlos näher an das Geschehen heranzoomen.

Fazit

Die Zwerge ist ein unterhaltsames Spiel, das seinem literarischen Vorbild sowohl optisch als auch erzählerisch gerecht wird. Zwar wird nur die Hauptgeschichte des ersten Bandes behandelt, doch dies ist für sich genommen genug, um für circa zehn Stunden bestens unterhalten zu werden. Die Sprecher leisten überdurchschnittlich gute Arbeit. Die begehbaren Umgebungen sind wunderschön gestaltet.

Doch das Herzstück des Spiels hat einige Ecken und Kanten, an die man sich erst gewöhnen muss. Die eingeschränkte Aufrüstbarkeit, unübersichtliche Kämpfe und kleine technische Macken schmälern den Spielspaß zeitweise. Wer die Atmosphäre der Hobbit-Filme mochte, wird auch als Neueinsteiger der Zwergensaga seine helle Freude haben. Für Fans der Bücher ist es eine gelungene Literaturumsetzung, die den Geist der Bücher sehr gut umsetzt.

Die Zwerge
(King Art Games/THQ Nordic)
Plattformen: PS4, XboxOne, PC
Webseite: Die Zwerge

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