Xcom 2

Was mich nicht umbringt, macht mich stärker

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Die X-Com Serie ist schon seit 1994 ein Garant für knallharte Rundentaktik und gnadenlose Gegner, die selbst in der Unterzahl brandgefährlich sein können. Nach der Neuauflage Xcom: Enemy Unknown von 2012 glaubten wir, unseren außerirdischen Agressor besiegt zu haben. Doch wie das bei Sequels nunmal so ist, ist genau das Gegenteil der Fall.

Wir schreiben das Jahr 2035. Zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem die Spezialeinheit Xcom den Aliens gehörig in den Hintern treten konnte und die Erde vor der Invasion rettete. Zwanzig Jahre, in denen all jene Heldentaten unter der Tyrannei der dennoch siegreichen Aliens spurlos verpufften. Wie kann das sein?

Jetzt erst recht!

Dieselbe Frage stellt sich auch der Commander. Dieser hat in den letzten Jahrzehnten dank eines Kontrollchips im Hinterkopf unwissentlich seinen Wehrdienst bei den
Aliens geleistet. In der ersten Mission befreien wir uns mit Hilfe einer Eingreiftruppe quasi selbst aus einem Labor. Da dies das Tutorial ist, wird uns streng vorgegeben, welche Züge wir nehmen.
Erst danach übernehmen wir als Commander passenderweise die volle Kontrolle über die Xcom. Diese hat sich in den 20 Jahren zu einer Guerillafraktion entwickelt. Die Aliens herrschen über die Menschheit und nennen sich selbst "Advent". Wer sich nicht unterwirft, wird indoktriniert oder getötet. Tatsächlich bekämpfen wir bei den Aliens unter anderem ehemalige Menschen, die durch Alien-DNA modifiziert wurden. Doch ihr Masterplan, der unter dem Namen "Avatarprojekt" läuft, beinhaltet etwas weitaus Bedrohlicheres und kann unter Umständen die Auslöschung der gesamten Menschheit bedeuten. Ein gnadenloser Countdown beginnt.

Unsere Einsatzzentrale ist ein gekapertes Alienraumschiff, mit dem wir über die taktische Weltkarte fliegen. Unser Primärziel ist die Zerstörung geheimer Alieneinrichtungen. Um diese zu finden, müssen wir jedoch erst die örtliche Widerstandszelle kontaktieren, um Nachforschungen anzustellen. In der Zwischenzeit nehmen wir optionale Nebenmissionen an, um Informationen oder Forschungsmaterial zu beschaffen. Die Erforschung neuer Ausrüstung kostet wertvolle Zeit und Ressourcen, ist aber insbesondere im späteren Spielverlauf unverzichtbar. Auch die Genesung verletzter Soldaten nimmt viel Zeit in Anspruch.

Als wäre das nicht genug, werden wir regelmäßig mit drei "düsteren Ereignissen" konfrontiert. Sie alle bringen den Aliens einen erheblichen Vorteil, wie z.B. Giftmunition oder verbesserte Ausrüstung. Wir können jedoch nur ein Ereignis davon in Angriff nehmen, um es zu verhindern. Scheitern wir, kann dies den Spielverlauf nachhaltig erschweren. Es empfielt sich, vorzugsweise das Ereignis zu wählen, welches das "Avatarprojekt" voranbringt. Bei Erfolg geht der Balken wieder etwas zurück. Bei Misserfolg füllt er sich. Sind alle zwölf Balken voll, ist die Menschheit Geschichte und wir wieder im Startbildschirm.

Advent, Advent, ein Alien brennt ...

Damit es nicht so weit kommt, schicken wir unser Einsatzteam aus bis zu sechs Soldaten ins Feld. Als Rekrut steht lediglich die Grundausrüstung zur Verfügung. Hat man durch geglückte Einsatzziele und Kills Erfahrung erlangt, steigt man im Rang auf. Der Computer legt selbst fest, welche der zu Beginn vier Klassen wir belegen. Es gibt den Ranger der auch Nahkampfangriffe beherrscht, den Grenadier für die harten Brocken, den Scharfschützen für die Rückendeckung und den Spezialisten, der neben der Hackingfähigkeit auch eine nützliche Drohne namens Gremlin mit sich führt. Später können wir mit dem Psioniker auch eine fünfte Klasse ausbilden. Obwohl die Klasse vorgegeben wird, können wir die weitere Spezialisierung und die Ausrüstung selbst bestimmen.

Zu Beginn jeder Mission sind wir unentdeckt. Auf diese Weise können wir den Gegner vor dem Gefecht geschickt flankieren. Jeder Soldat bekommt zwei Aktionen pro Runde. Innerhalb der blauen Zone benutzt er lediglich eine Aktion und kann eine zweite Aktion folgen lassen. Innerhalb der gelben Zone verbraucht er beide Aktionen und sollte zusehen, dass er am Ende nicht im Kreuzfeuer steht. Die roten Felder markieren das Sichtfeld der Aliens. Mit der Option "Feuerschutz" können wir, auch wenn die Aliens an der Reihe sind, noch gute Treffer landen. Oftmals sogar mit einer höheren Trefferchance als beim aktiven Zielen. Beim aktiven Zielen wird hingegen die Trefferwahrscheinlichkeit angegeben. Ist diese hoch, bedeutet dies jedoch nicht automatisch, dass der Schuss ein totsicherer Treffer wird. Das wird besonders haarig, wenn der Gegner plötzlich vor einem steht und der nächste Zug über Leben und Tod entscheidet. Nicht selten wurde ein Schuss überraschend in den Sand gesetzt, obwohl der Lauf bereits im linken Nasenloch des Aliens steckte.

Wir ham doch keine Zeit!

Solche ungeplanten Nahkampfsituationen gehören im späteren Spielverlauf übrigens zum Alltag, etwa wenn sich ein harmloser Passant als gigantischer Alien-Koloss entpuppt und im Zuge seiner Enttarnung unseren perplexen Soldaten in die ewigen Jagdgründe befördert. Solche Trial and Error-Situationen kommen nun öfter vor als noch im Vorgänger und sind für Einsteiger stellenweise unfair. Wer sein Team hegt und pflegt, wird seinen Spielstand ohnehin mehrmals neuladen müssen. Auf den Konsolen sind die Ladezeiten jedoch extrem lang. Auf der PS4 wurden im Schnitt bis zu 75 Sekunden gemessen.

Das knappe Zeitlimit sorgt für schweißtreibendes Kopfzerbrechen. Manchmal haben wir nur sehr wenige Züge, um unser Ziel zu erreichen. Gehe ich in Deckung oder riskiere ich ein Squadmitglied, um das Missionsziel zu erfüllen? Ist der Countdown vorbei, ist die Mission gescheitert und das gesammte Team verloren. Trotzdem bedeutet das nicht das Ende des Spiels. Wer sich traut, den Ironman-Modus zu spielen, kann nicht einmal selber speichern. Es gibt keinen zweiten Versuch, nur neue Rekruten und harte Konsequenzen.

Xcom 2 bietet einen hohen Wiederspielwert. Nicht nur die Schauplätze und Ereignisse sind in jeder neuen Kampagne verschieden, sondern auch die Levelarchitektur
sowie die platzierten Gegner.

Fazit

Xcom 2 wird seinem knallharten Ruf gerecht. Die Lage ist stets aussichtslos. Wir müssen unsere Ressourcen effektiv einsetzen und stets das kleinere Übel wählen. Dieser Überlebenskampf ist auch gleichzeitig der Motivationsantrieb des Spiels. Wir treffen wichtige Entscheidungen, die sich Stunden später als tödlicher Fehler herausstellen können, wir beten, dass der nächste Zug das Blatt doch noch wendet, und wir machen drei Kreuze, wenn wir am Ende einer Mission alle Mitglieder nach Hause bringen konnten.

Für Neueinsteiger kann das Trial and Error-Prinzip jedoch in Kombination mit den ausufernden Ladezeiten auf der PS4 zur Tortur werden und den Spielspaß nachhaltig schmälern. Zudem zwingt das Zeitlimt uns zu oft zu selbstmörderischen Zügen, was ausgeklügelte Strategien über den Haufen wirft. Wer dies akzeptiert, bekommt eine rundum gelungene Konsolenumsetzung des ursprünglich nur für PC geplanten Strategieklassikers für weniger als 30 Euro.

Xcom 2
(Firaxis/2K-Games, 2016)
Plattformen: PS4, XBox One, PC
Webseite: Xcom2

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