XCOM: Das Brettspiel

Ihr seid die letzte Hoffnung der Menschheit!

// Brett- und Kartenspiele

Paris ist gefallen. Der Schutthaufen, der einst New York war, rutscht langsam in den Atlantik ab. Aliens greifen Nanjing und Changzhou an und Panik breitet sich in den Straßen Shanghais aus. Abwehrsatelliten erfassen UFOs im Orbit über Mexiko, Russland und Brasilien. Das lokale Militär hat sich als ineffektiv erwiesen. Angst und Furcht haben zu sich ausbreitenden Aufständen geführt. Die Menschheit steht am Rande des Zusammenbruchs …

Die Vorlage für das Brettspiel bildet die Computerstrategiespiel-Reihe. Die beiden Spieledesigner von X-COM sind die Brüder Julian und Nick Gollop, welche 1994 mit dem Titel X-COM: UFO Defense die Reihe begonnen haben. Seither sind insgesamt acht Titel erschienen. 2015 wurde dann die kooperative Echzeit-Brettspiel-Edition mit einer App von Fantasy Flight Games und dem Heidelberger Spieleverlag veröffentlicht.

Die Spieler leiten eine Organisation namens X-Com (für „Extraterrestrial Combat Force“) und ihr Ziel ist die Rettung der Menschheit vor einer Invasion von Aliens. Bei der Gestaltung der Alien-Gegner wurde in allen Schubladen der Vergangenheit gekramt und viele UFO-Legenden wie auch der Cthulhu-Mythos zu Rate gezogen.

Während die regulären Militärs der Welt gegen die Aliens versagen, kann X-Com Erfolge vorweisen. Doch dies ist nur möglich, da die Führungsoffiziere (die Spieler) effizient und rasch die wenigen Ressourcen der Organisation einsetzen.

Die Rollen

Der Commander koordiniert die weltweit stationierten Abfangjäger und muss das leidige Thema der Budget-Verwaltung übernehmen. Das Budget ist jedoch ein wichtiger Punkt für alle Abteilungen von X-Com. Ohne Geld gibt es keine Forschung neuer Militärtechnik, notwendiges Kriegsgerät und ausgebildete X-Com-Soldaten für die Sondereinsätze. Kein kleiner Anteil des Budgets kommt von den Regierungen der Welt. Sollte die Panik der Bevölkerung zu groß werden, muss X-Com mit weniger finanziellen Mitteln der Regierungen kalkulieren. Ein Teufelkreis.

Der Central Officer ist das Auge von X-Com, dieser verwaltet die App und leitet wichtige Informationen an die jeweiligen Stationen weiter. Auch steuert er die Satelliten, welche wichtige Informationen über die Aliens sammeln. Die Satelliten können aber auch militärisch gegen die UFOs eingesetzt werden.

Der Forschungsleiter ist verantwortlich für die Autopsien der Aliens und leitet die Erforschung neuer Technologien. Für bessere Erfolge wäre es hilfreich, viel Geld in die Forschung zu investieren. Die Umsetzung der theoretischen Erkenntnisse würde den Kampf gegen die Aliens zu einem Kinderspiel machen. Doch die finanziellen Mittel sind gering und werden dringend an anderer Stelle für die aktuellen Kämpfe benötigt.

Der letzte Offizier ist Befehlshaber der X-Com-Soldaten und schickt diese zu Sondereinsätzen überall in der Welt. Da die Aliens wissen, wie wichtig X-Com für die Verteidigung der Erde ist, muss das Hauptquartier stetig mit einem Angriff rechnen. Der Einsatzleiter hat daher nicht leicht zu entscheiden, wie viele Soldaten zur Verteidigung im Hauptquartier bleiben und wie viele aktiv in die Einsätze geschickt werden.

Der Spielablauf

Jede Runde beginnt mit einer Echtzeitphase. Wenn die App gestartet wurde, liefert diese die notwendigen Informationen über die Aktivitäten der Aliens. UFOs erscheinen über den Kontinenten, Krisenkarten werden gezogen und Aliens greifen das Hauptquartier an. Die App gibt den Spielern vor, wie viel Zeit sie für ihre Entscheidungen und Züge haben. Wer schneller als die Uhr ist, kann der Gruppe für die Zukunft wertvolle Sekunden schenken. Doch wenn die Zeit abgelaufen ist und auch alle Zeitreserven verbraucht sind, muss der Zug beendet und die nächste Entscheidung ist rasch zu getroffen werden. Es ist die Hölle – selbst wenn die Spielern die Regeln verstanden haben und grundsätzlich wissen was zu tun ist.

Nachdem alle Entscheidungen getroffen und Ressourcen verteilt wurden, endet die Echtzeitphase. Dann folgt eine Auswertung für jeden Bereich. Es wird anhand eines Würfelsystems (Glück und Risikomanagement) ausgewertet, wie viele UFOs von den Satelliten und Abfangjägern abgeschossen wurden, welche Forschungen geglückt sind, welche Sondereinsätze erfolgreich waren und ob die Ereignisse zu weiteren Paniken bei der Bevölkerung geführt haben. Dann wird das meist geringe Budget genutzt, um die Verluste von Abfangjägern und gefallenden Soldaten so gut es geht auszugleichen. Schmerzhaft, aber notwendig.

Das Ende

Das Ziel des kooperativen Brettspiels ist es, möglichst rasch die Sondereinsätze zu erfüllen, um dann einen entscheidenden Schlag gegen die Aliens zu führen und die Menschheit und die Erde zu retten. Doch der Einsatzleiter kann nicht blindlinks seine Soldaten in die Einsätze schicken. Fällt das Hauptquartier, ist es vorbei. Wenn es zu viele UFOs im Orbit gibt, fällt die Kommunikation zusammen. Landen zu viele UFOs auf den Kontinenten, steigt die Panik und die Verteidigung bricht zusammen. Es kann nur gemeinsam geschafft werden!

Das Fazit

Grundsätzlich ist das Spiel cool. Bevor jedoch gleich vier Spieler ratlos vor dem Spielbrett sitzen, sollte sich ein Regelleser und Vorspieler finden und sich in X-Com einarbeiten. Und das ist auch ein Pluspunkt, denn X-Com kann auch alleine gespielt werden. Was mir fehlt ist ein ausführliches Regelwerk. Die App beinhaltet zwar Regelerklärungen, doch bleiben Fragen offen und sie fühlt sich in der Navigation nicht gut genug an.

Der Stress in der Echzeitphase ist nicht für jeder Mann und Frau geeignet, doch es macht X-Com zu etwas Besonderem. Und dadurch ist Gewinnen auch nicht mehr so wichtig. Der Weg ist das Ziel.

XCOM: Das Brettspiel
(Heidelberger Spieleverlag, 2015)
Autor: Eric M. Lang
60 bis 120 Minuten, 1 bis 4 Spieler, ab 14 Jahren
Webseite: www.heidelbaer.de

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