Winter der Toten

Zombies im Schneegestöber

// Brett- und Kartenspiele

Eine Zombieapokalypse ist generell kein Zuckerschlecken. Noch unangenehmer wird sie allerdings, wenn sie mitten im Winter stattfindet – eine Erfahrung, auf die die Protagonisten von Winter der Toten vermutlich gerne verzichtet hätten.

Bei diesem spannenden Brettspiel von Heidelberger übernehmen die Teilnehmer jeweils eine kleine Gruppe Überlebender, die als Teil einer größeren Kolonie gemeinsam versuchen, den harten Winter zu überstehen. Vorräte und Benzin müssen gehortet, Barrikaden gebaut und die Gebäude der nahegelegenen Kleinstadt nach brauchbaren Dingen durchforstet werden. Dabei arbeiten die Spieler überwiegend zusammen, um ein gemeinsames großes Ziel zu erreichen, verfolgen aber auch geheime Aufgaben, welche die geistige Haltung oder versteckten Sehnsüchte ihrer Gruppe widerspiegelt. Spieler mit dem geheimen Ziel "Verrat" arbeiten sogar aktiv gegen die Interessen der Kolonie.

Alle Spieler starten zunächst mit zwei zufällig ausgewählten Spielfiguren, zu denen im Laufe des Spiels weitere dazustoßen können. Insgesamt 24 unterschiedliche Charaktere mit einer individuellen Fähigkeit stehen zur Verfügung. Die Krankenschwester erhält zum Beispiel einen Vorteil, wenn sie das Krankenhaus durchsucht, der ehemalige Soldat ist besonders gut darin, Zombies den Gar auszumachen.

Spielablauf

Das Spiel läuft über mehrere Runden, die jeweils aus zwei Phasen bestehen: der Spielerphase und der Koloniephase. In der Spielerphase wird zunächst eine Krisenkarte aufgedeckt, deren Effekt in der Koloniephase eintritt, wenn es nicht gemeinsam gelingt, die Gefahr abzuwenden. Anschließend führen nacheinander alle Spieler die Spielzüge ihrer Figuren aus. Zombies metzeln, Gebäude durchsuchen, die Kolonie sicherer machen – verschiedene Aktionen stehen zur Verfügung, die nur durch die Zahl der zur Verfügung stehenden Aktionswürfel begrenzt sind.

Schicksal

Eine wichtige Funktion, mal positiv mal negativ, nimmt dabei das unwägbare Schicksal ein: Wann immer ein Spieler seinen Zug beginnt, zieht der Mitspieler zu seiner Rechten eine Schicksalskarte. Allerdings hält er sie zunächst geheim, bis ein auf ihr beschriebener Auslöser eintritt. Wenn die Karte nicht während des Zugs ausgelöst wird, kommt sie zurück unter den Schicksalsstapel. Wenn doch, dann wird ihr Inhalt laut vorgelesen und der betroffene Spieler muss eine von zwei möglichen Auswirkungen wählen.

Verletzungen

Ebenfalls wichtig: der Infektionswürfel. Immer dann, wenn ein Überlebender einen Zombie tötet oder auch nur zwischen den verschiedenen Standorten der Kleinstadt wechselt, ohne dafür eine Einheit Benzin auszugeben (also beispielsweise vom Supermarkt in die Bücherei oder von der Tankstelle zurück in die Kolonie), wird dieser 12-seitige Würfel geworfen.

Mit etwas Glück passiert der Figur nichts, vielleicht hat sie sich bei der Aktion aber auch Schaden zugezogen. Eine Wunde ist ärgerlich, aber jeder Charakter hält drei davon aus. Schlimmer sind Erfrierungen, führen sie doch jede Runde zu einer weiteren Wunde, bis sie behandelt werden. Wirklich dramatisch ist jedoch das Ergebnis Infektion. Ein derart Betroffener stirbt nicht nur, er gibt die Infektion möglicherweise an eine weitere Figur am gleichen Standort weiter. Nun ist wieder eine Entscheidung gefragt: Den möglichen Infizierten töten, um ein weiteres Ausbreiten der Infektion zu verhindern, oder einen weiteren Infektionswurf riskieren, mit dem die Figur vielleicht gerettet wird, vielleicht aber selbst zum Überträger auf den nächsten Überlebenden wird?

Kolonie

Auf die Spielerphase folgt die Koloniephase, in der die Weiterentwicklung der Kolonie ausgewertet wird. Hier ist während des ganzen Spielverlaufs die ständige Krise Programm. Die Kolonie benötigt immer wieder neue Nahrung, damit keine Hungersnot ausbricht. Zombiehorden versuchen, die Tore zu erstürmen und die Bewohner zu fressen. Selbst abgelegte Karten werden zum Problem, denn sie landen auf dem Abfallstapel. Wenn der zu groß wird, sinkt die Moral der Überlebenden und damit die Chance, das Spiel gegen die gnadenlosen Untoten zu gewinnen.

Das Spiel ist wirklich schön mit vielen Details und zahlreichen Karten, Figuren und Markern umgesetzt. Die Kombination aus Gruppenziel, individuellen Zielen und möglichem Verrat sorgt dabei genau für das richtige Gleichgewicht zwischen notwendiger Kooperation und unterschwelligem Misstrauen. Ein großer Spaß (nicht nur) für Zombiefans!

Winter der Toten
(Heidelberger, 2015)
60 bis 90 Minuten, 3 bis 5 Spieler, ab 14 Jahren
Webseite: www.heidelberger-spieleverlag.de

Bilder: Heidelberger

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