Westeros

Die Chronik der Welt von Eis und Feuer

// Literatur

Maester Yandel ist im zehnten Jahr der Herrschaft des letzten Targaryen-Königs als Findelkind geboren worden und wurde hernach durch die Maester der Zitadelle aufgezogen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen längst verstorbener Maester auch den bescheidenen Menschen zugängig zu machen. Dies ist die Chronik, die er König Tommen Baratheon, dem Ersten Seines Namens vorgelegt hat.

Die geschichtlichen Aufzeichnungen, die er zusammengetragen hat, enthalten gesichertes Wissen, Spekulationen und überlieferte Sagen. Sie erstrecken sich vom Zeitalter der Ersten Menschen über die Ankunft von Aegon dem Eroberer bis zu Robert Baratheons Rebellion gegen den wahnsinnigen König Aerys II. Targaryen.

Maester Yandel berichtet aus dem Zeitalter der Dämmerung, von dem Aufstieg und Fall Valyrias, der Ankunft der Andalen und vor allem über die Herrschaft der Drachen. Er gibt detaillierte Informationen über die einzelnen Könige aus dem Hause Targaryen, über ihre Herrschaft, ihre Familienverhältnisse, gute und böse Taten sowie natürlich ihre Drachen.

Die glorreiche Herrschaft

Der König ist tot, lang lebe der König! Denn nach dem Niedergang der Targaryens gab und gibt es selbstverständlich weitere Herrscher, über die Maester Yandel nun sogar aus erster Hand informieren kann. Dass tut er diesmal, indem er die ganze jetzige Welt vorstellt: Er beginnt mit den sieben Königslanden sowie den Flusslanden und dem Grünen Tal. Dann widmet er sich den weiter entfernteren Teilen der Welt wie den Eiseninseln, den Westlanden und der Weite sowie den Sturmlanden und Dorne. Schließlich sind auch die Länder jenseits des Königsreichs der Abenddämmerung und jenseits der Freien Städte an der Reihe, bis in den Fernen Osten.

In allen Gebieten stellt er die herrschenden Familien vor, berichtet über deren Geschichte, über Heldentaten und Intrigen, erzählt von den dort lebenden Völkern, ihren Eigenheiten und Bräuchen und informiert über bedeutende Orte und Landstriche. Immer wieder lockert er die Aufzählung von Fakten mit Anekdoten auf, fasst komplexe Familienverhältnisse in übersichtlichere Schaubilder zusammen und illustriert vor allem alles Geschriebene mit vielen Zeichnungen – mal schwarzweiß, mal bunt, mal kleiner, mal die ganze Seite füllend … aber stilistisch immer unterschiedlich.

Aufgewachsen unter der Herrschaft des Guten Königs Robert, wie Maester Yandel ihn bezeichnet, kann sich der Chronist einer gewissen Fürsprache dem Geschlecht der Baratheons gegenüber nicht entziehen. Deshalb schließt er auch mit einem Nachwort, das den Guten König Tommen bittet, lange und gerecht zu herrschen und das Land aus der Finsternis heraus und zurück ins Licht zu führen. Aus diesem Grund sind die wiedergeborenen Drachen im Osten für ihn zu diesem Zeitpunkt lediglich verstörende Gerüchte …

Westeros auf rund 300 Seiten

Das mag zunächst noch nicht nach ausreichend viel Platz klingen, um die ganze Welt von Eis und Feuer zu beschreiben, die mit der Serie Game of Thrones verfilmt wurde – geschweige denn ihre Geschichte. Dieser Eindruck wird aber schon allein durch das große Format der Chronik zunichte gemacht: Die Hardcover-Ausgabe misst etwas mehr als Din A4 und kommt mit rund 2 Kilo nicht als leichte Lektüre für unterwegs daher. Es gibt demnach eindeutig sehr viel Raum für Informationen.

Diese bieten sich teilweise eher zum Nachschlagen an, wer wann gegen wen warum Krieg geführt hat, oder um ähnliche Fragen zu beantworten. Aber viele Stellen laden nach einem ‚faktischen‘ Einstieg durchaus zum Schmökern ein. Es gibt gar nicht so wenig zu entdecken, das weder in den Büchern noch in der Serie zur Sprache kommt – oder zumindest nicht in dieser Detailtiefe. Dazu stellen die vielen Illustrationen (es gibt tatsächlich kaum eine Seite ohne) eine schöne Ergänzung dar.

Wenn da nicht die Übersetzung wäre …

… dann gäbe es wirklich kaum etwas zu meckern. Wer das englische Original der Bücher und Serie kennt, wird sich an einigen Stellen an den Kopf fassen und den Impuls verspüren, den Rotstift anzusetzen. Das liegt allerdings keineswegs an der Menge an Fehlern: Vielmehr ist die Entscheidung schuld, zum Beispiel aus ‚Casterly Rock‘ etwas namens ‚Casterlystein‘ zu machen und ‚King’s Landing‘ in ‚Königsmund‘ umzubenennen. Über einige Personennamen sollte auch besser der Mantel des Schweigens geworfen werden. Das schmerzt leider doch etwas. Aber sonst? Wer mit so etwas kein Problem hat, der wird mit dieser Chronik wahrscheinlich viele interessante, informative und stellenweise auch unterhaltsame Stunden verbringen können.

Westeros
George R. R. Martin, Elio M. Garcia Jr., Linda Antonsson (Übers. Andreas Helweg)
(Penhaligon, 2015)
Hardcover, 336 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3136-2
Webseite: Westeros

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