Tochter der Schwarzen Stadt

Von der Krähe zur Prinzessin – und wieder zurück?

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Tochter der Schwarzen Stadt - News

Man nehme eine Prinzessin und füge ihre Doppelgängerin hinzu. Diese beiden vermische man mit einer guten Portion Familiendrama und politischen Schachzügen zwischen Bündnispartnern und -gegnern. Eine Prise Krieg und Hochzeit werden nach Geschmack untergehoben. Dazu gebe man eine Mischung aus verschiedenen magischen Essenzen. Unter stetigem Rühren füge man nach und nach Intrigen hinzu, einige kleiner, andere größer, aber immer komplexer. Vor dem Verzehr werden noch ein paar Todesfälle darüber gestreut.

Was hier als Rezept daher kommt, ist eine Fantasy-Geschichte um die junge Alena Undaro: Ausgezogen, um aus ihrer Heimatstadt Filgan und vor ihrer Familie sowie deren Pläne für ihre Zukunft zu fliehen, verstrickt sie sich schnell in einem komplexen Geflecht aus Lügen, Intrigen und Verschwörungen. Ganz unschuldig war sie an der Entscheidung, sich in Terebin als uneheliche Tochter des Herzogs auszugeben, allerdings auch nicht. Die Folgen sind ein Gefängnisaufenthalt und ein drohendes Todesurteil. Alenas Lage scheint ausweglos – bis ihr der Strategos des Herzogs einen Handel anbietet, bei dem sie nicht nur ihr Leben behalten, sondern auch noch einen Haufen Silber verdienen kann. 

Noch am Leben zu sein, bereut Alena natürlich nicht, schon bald werden ihr aber die Fallstricke ihrer neuen Situation bewusst: Sie soll die Rolle der wahren Prinzessin einnehmen und diese dadurch vor Anschlägen auf ihr Leben beschützen. Doch muss sie dafür auch noch lernen, sich wie eine Prinzessin zu verhalten … das findet Alena fast noch anstrengender als alles andere. Und dann sind da auch noch ihre nahezu unzähligen Verwandten, die in den ungünstigsten Momenten auftauchen und sie wieder mit nach Hause holen wollen. Je näher der Tag ihres Einsatzes als Prinzessin Caisa Peratis bei Hofe kommt, desto größer wird die Spannung bei Alena – immerhin kennt sie noch immer nicht alle Details aus den Plänen des Strategos. Und irgendwie ist sie sich nicht so sicher, ob alles ein gutes Ende nimmt. Schließlich sind auch noch die Schatten mit von der Partie: Magiebegabte Assassinen, die gegen Bezahlung töten.

Alles ist super – bis auf das Ende …

Obwohl die Welt, in die Torsten Fink seine Leser führt, sehr komplex ist, findet man sich in den für die Geschichte wichtigen Teilen schnell zurecht. Immerhin entdecken wir sowohl die Weiße Stadt, Terebin, als auch das Kloster des Ewigen Mondes auf den Eisenzähnen mit Alena zusammen. Leser, die bereits die Schattenprinz-Trilogie kennen, fühlen sich wahrscheinlich schon nach den ersten Seiten wie zu Hause. Auch die zusätzlichen Perspektiven, beispielsweise die Sicht des Strategos Thenar oder die von Jamade von den Schatten, bringen nützliche Einblicke in das Leben bei Hofe und in die Familiengeschichten von Alena und Caisa. Die Spannung leidet aber keineswegs unter den Informationen, die der Leser den Charakteren voraushat: Obwohl man viel weiß, ist zu keiner Zeit wirklich klar, was als nächstes und vor allem als übernächstes passieren wird. Es gibt mit nahezu jeder Szene neue Einblicke, die die Sicht auf die bisherige und kommende Handlung wieder verändern.

Am Ende ist das aber leider auch ein Manko: Bei dieser Vielzahl an Handlungsebenen und -strängen können in einem einzelnen Band nicht alle aufgelöst werden. Das, in Kombination mit dem unglücklich gewählten Endpunkt, lässt den Leser doch etwas unbefriedigt zurück. Im Vergleich zu der spannenden Achterbahnfahrt, die das Buch mit seinen ineinander verschachtelten Verschwörungen und Intrigen bis zu diesem Punkt gewesen ist, wirkt der Schluss verhältnismäßig seicht. Und ohne den Epilog hätte sich vielleicht auch ein zweiter Band angeboten, in dem die Heldin wirklich heldenhaft agieren darf.

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Tochter der Schwarzen Stadt
Torsten Fink
(blanvalet, 2015)
512 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-442-26980-8
Webseite: Tochter der Schwarzen Stadt

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