Interview: Theresa Carle-Sanders

Falsche Schildkröten und echtes Rosenwasser

// Literatur, Filme

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert begann Bestsellerautorin Diana Gabaldon die Highland-Saga um Romanheldin Claire Beauchamp, die zurück ins Schottland des 18. Jahrhunderts versetzt wird. Die Bücher zeichnen sich durch ihre atmosphärischen Beschreibungen eines vergangenen Zeitalters aus, wobei auch das damalige Essen nicht zu kurz kommt. Für Köchin und Autorin Theresa Carle-Sanders waren die kulinarischen Abenteuer Inspiration genug, um eigene Rezepte zu entwerfen, die nicht nur für Claire und Jamie, sondern auch für heutige Leser ein wahrer Gaumenschmaus sind. Mit Annette sprach sie über die historischen Einflüsse auf ihre Gerichte und was die größte Schwierigkeit waren, ein echtes Outlander-Essen zu zaubern. 

Hallo Theresa, schön, dass du dir etwas Zeit für uns genommen hast. Stell dich doch unseren Lesern vor: Was sollte man unbedingt über die Frau hinter dem Outlander-Kochbuch wissen?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Vancouver, Kanada, als jüngstes von drei Kindern. Meine Familie war schon immer besessen von Büchern, Essen, Wein und Bier. Als Teenager verschlang ich förmlich Kochmagazine und meine ersten Notizbücher mit selbsterdachten Rezepten sind inzwischen über dreißig Jahre alt.

Nachdem ich 2001 einen sehr stressigen Job gekündigt habe, der einfach nicht der richtige für mich war, entdeckte ich die Outlander-Reihe. Am ersten Tag meiner Arbeitslosigkeit wanderte ich zwischen den Regalen eines Buchladens umher und nachdem ich den Klapptext zu Claires Highland-Abenteuern gelesen habe, tauchte ich kopfüber in die Geschichte ein und entfloh vorübergehend meiner eigenen überwältigenden Lebenssituation. Seitdem habe ich die Bücher unzählige Male gelesen und bin ein unglaublicher Fan der TV-Serie.

2008 kehrte ich zur Schule zurück und bin jetzt eine ausgebildete Köchin und Koch-Autorin. Heute lebe ich mit meinem Mann Howard und unserem Hund Koda auf der kleinen Insel Pender Island in der kanadischen Provinz British Columbia.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Rezepte passend zur Highland-Saga zu entwickeln? Was ist deine größte Inspirationsquelle?

Die Grundidee zum Outlander-Kochbuch kam mir 2010 bei einem nachmittäglichen Waldspaziergang mit Koda. Plötzlich hatte ich eine Szene bei Madame Jeanne im Voyager im Kopf, und ich fragte mich, wie die Tauben-Trüffel-Röllchen, die Jamie und Claire serviert bekamen, wohl geschmeckt haben. Als ich wieder Zuhause war, war das Rezept in Gedanken bereits halbfertig und ich kam außerdem auf die Idee, Diana Gabaldon zu mailen. Ich fragte sie nach einem Interview zum Essen in ihren Outlander-Romanen und ob ich mein eigenes Rezept auf meinem Foodblog posten dürfte. Es gab ein sehr positives Feedback auf dieses erste Posting, und Diana gab mir die Erlaubnis, noch im selben Jahr Outlander Kitchen ins Leben zu rufen.

Theresa mit Diana Gabaldon
Theresa mit Diana Gabaldon

Natürlich sind Dianas Geschichten meine größte Inspiration. Egal ob es die detaillierte Beschreibung eines Gerichts oder die kurze Erwähnung eines Eintopfs über dem Herd ist, mein Blick klebt förmlich an dem beschriebenen Essen auf der Buchseite. Aber auch die vielen, abwechslungsreichen Charaktere waren eine reiche Inspirationsquelle und führten zu den unter Fans beliebten Rezepten wie Mr. Willoughbys korallenrote Kugel und Stephen Bonnets salzige Schokoladen-Brezel-Bällchen.

Ich habe oft traditionelle Musik aus den Highlands gehört, um in die richtige Stimmung zu kommen, während ich in der Küche an Rezepten für das Outlander-Kochbuch tüftelte. Auch den Soundtrack der TV-Serie mochte ich dafür sehr.

Allerdings haben sich die geschmacklichen Vorlieben im Lauf der Zeit stark geändert, wie ich feststellen musste. Meine Gerichte sind zwar vom 18. Jahrhundert inspiriert, haben sich aber den modernen Zutaten und Kochtechniken angepasst, damit sie uns auch heute noch gut schmecken.

Die Highland-Saga spielt teilweise im 18. Jahrhundert. Wie wichtig waren für dich die richtig alten, traditionellen Rezepte Schottlands?

Ich hatte stets mein Exemplar von Mrs. McLintock’s Receipts for Cookery and Pastry-Work – das erste Kochbuch, das 1736 in Schottland veröffentlicht wurde – auf dem Schreibtisch, während ich an den Rezepten für Outlander Kitchen geschrieben habe. Allerdings habe ich es aufgrund der Unterschiede zwischen damals und heute eher zur Inspiration genutzt und weniger als Anleitung. Aber das Rezept für Cock-a-Leekie-Suppe wurde – mit kleinen Veränderungen – daraus entnommen.

Was waren die größten Schwierigkeiten, auf die du beim Entwickeln der Rezepte gestoßen bist?

Ich wollte die Rezepte so historisch akkurat wie möglich gestalten, was mich vor so manche Herausforderung stellte. Deshalb gibt es ein paar Gerichte, die sich enorm von ihren Varianten aus dem 18. Jahrhundert unterscheiden.

Am längsten brauchte ich für das Rezept der Suppe aus beschwipster falscher Schildkröte, ein heißersehntes Gericht aus einer äußerst beliebten Szene im Voyager. Für viele von uns ist eine Schildkröte heutzutage eine eher schwer zu bekommene Zutat, außerdem brauchte das originale Rezept aus dem 19. Jahrhundert dazu noch Eisbein, einen Schafskopf und einige Schafsinnereien.

Nach langem Herumprobieren und einigen Rückschlägen kam ich letztlich auf die Idee, in meinem Rezept Ochsenschwanz und vietnamesische Fischsoße zu verwenden, dazu noch eine Kombination aus den Zutaten der historischen Schildkröten-Suppen aus New Orleans und Philadelphia. Genau genommen ist es nun eine Art Falsche-Schildkröte-Pho geworden, für die es eine ganze Flasche Sherry braucht.

Du bist ausgebildete Köchin, aber wie sieht es bei der Outlander-Küche mit Kochanfängern aus? Wie viel Erfahrung braucht es für ein Highland-Essen?

Die meisten Rezepte im Buch sind für Menschen jedweder Kocherfahrung geschrieben. Einige sehr einfache und schnelle Rezepte, wie Mrs. FitzGibbons Übernacht-Porridge, In Maismehl frittierte Forelle und Ians gebutterter Lauch, sind speziell für Anfänger gemacht, damit sie sich eingewöhnen, bevor sie mit ausgefalleneren Gerichten fortfahren. Außerdem gibt es am Anfang des Kochbuchs eine Erklärung samt Bildern, welche Kochtechniken ich benutze und welche Arten des Schneidens vorkommen.

Manche Rezepte, wie Tauben-Trüffel-Röllchen und Lord Johns gestürzter Pflaumenkuchen, haben eine längere Liste an Zutaten und verlangen mehrere Arbeitsschritte. Aber selbst diese Gerichte sind für Anfänger machbar. Wichtig ist, das Rezept immer zuerst komplett zu lesen und sich die Zutaten bereit zu legen, bevor man zur Tat schreitet.

Theresa mit Graham McTavish (Dougal in der Serie <i>Outlander</i>)
Theresa mit Graham McTavish (Dougal in der Serie Outlander)

Mit schottischer Küche verbindet man viel Hafer und Fleisch, heute wird aber eine glutenfreie oder vegetarische Ernährungsweise immer beliebter. Wie sehr hast du bei deinen Rezepten auf austauschbare Zutaten geachtet? Wie groß ist die Auswahl bei einer eingeschränkten Ernährungsweise? 

Es gibt eine große Auswahl an vegetarischen Rezepten im Outlander-Kochbuch, ebenso für andere Ernährungsgewohnheiten. Am Ende eines jeden Rezepts finden sich zudem Hinweise, wie man Zutaten austauschen kann.

Als Abschluss noch eine ganz persönliche Frage an dich: Was ist dein absolutes Lieblingsgericht?

Es ist wirklich schwer für mich, mich für nur ein Lieblingsgericht zu entscheiden, denn das wechselt von Tag zu Tag und Jahreszeit zu Jahreszeit. Dennoch, als Liebhaberin von einfachen und simplen Gerichten landen Lammkoteletts in Buttermilch mit Rosenwasser-Minze-Soße eigentlich immer ganz weit ob auf meiner Liste. Es ist mein ganz eigenes Rezept, und alle Zutaten können in Lallybroch angepflanzt, geerntet und verarbeitet werden – inklusive des Rosenwassers, welches Jenny aus den Blütenblättern von Ellens Rosenbusch herstellen könnte.

Vielen Dank, Theresa, für das spannende Gespräch!

Ich habe zu danken. Es war mir ein Vergnügen!

Outlander – Das offizielle Kochbuch zur Highland-Saga erscheint im August auf Deutsch im Zauberfeder Verlag und ist bereits jetzt vorbestellbar.

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