Styx: Shards of Darkness

Der Hitman mit dem grünen Teint

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Seinen ersten Auftritt in Of Orks and Men haben die meisten wohl nicht mehr auf dem Schirm. Jedoch machte Styx kurz danach in seinem Schleichdebut Styx: Master of Shadows als Starttitel der damals neuen Konsolen eine ziemlich gute Figur. Das Schleichabenteuer bestrafte uns mit einer gnadenlosen Gegner-KI, die so gut wie keine Fehler erlaubte. Unsere Strategie blieb uns überlassen und nebenbei gab es noch eine ganze Menge Nebenaufgaben zu erledigen. Aber können die Entwickler von Cyanide Studios den Überraschungshit ein weiteres Mal wiederholen?

Zumindest wagt Cyanide keine großen Experimente. Mit dem Stealthgenre haben die Entwickler eine gute Nische für den grünen Dieb gefunden. Warum sollte man das auch ändern? Die Dunkelheit ist Styx’ Element. Wir schleichen, meucheln und stehlen uns von Mission zu Mission. Neu ist lediglich die Umgebung. Wer einfach nur die Story spielen möchte, kann die Herausforderungen auch links liegen lassen. Durch gesammelte Erfahrungspunkte werden unsere Fähigkeiten lediglich vielfältiger, jedoch stehen sie uns von Beginn an zur Verfügung. Ein unvorsichtiges Losstürmen endet allerdings im unweigerlichen Tod, denn Styx ist ein eher lausiger Kämpfer.

Stiller Beobachter

Zudem gibt es unzählige Gründe für ein leises Vorgehen. Styx erhält für das Erfüllen bestimmte Bonusziele zusätzliche Erfahrungspunkte, die er zwischen jeder Mission für den Ausbau seiner Fähigkeiten ausgeben darf. Wie auch im Vorgänger kann Styx zum Beispiel Feinde besser wahrnehmen, Leichen mit Säure verschwinden lassen, neue Tränke brauen oder Doppelgänger von sich erschaffen. Für die besondere Herausforderung gibt es pro Mission vier Medaillen zu verdienen. Dazu zählt, unentdeckt zu bleiben, eine möglichst geringe Opferzahl, die Spielzeit und das Einsammeln versteckter Items.

Wer nicht ohne Meucheln auskommt, sollte die Leichen gut verbergen und darauf achten, sein bestes Versteck nicht für einen Leichnam zu verschwenden. Um nicht gesehen zu werden, sollten wir die Helligkeitsanzeige im Auge behalten. Ist es dunkel genug, sehen uns Gegner nicht einmal, wenn wir direkt unter dem Tisch vor ihnen kauern. Andererseits entdecken uns Gegner auch auf erhöhten Vorsprüngen, wenn sie im Licht stehen.

Letztlich befindet sich aber auch die aufmerksamste KI in einem endlosen Zirkel: Eine Runde durch den Raum, dann ein Schlückchen Suppe aus der Schüssel und anschließend eine weitere Runde durch den Raum. Als stiller Beobachter der Szene wissen wir genau, wann die Wache wieder einen Schluck Suppe nehmen wird, und so ist es uns ein Leichtes, diese während des Rundgangs zu vergiften. Diese Routine wird nur unterbrochen, wenn wir uns bemerkbar machen. Dann verlassen die Wachen ihren gewohnten Pfad, kehren aber anschließend wieder zurück, wenn sie nichts finden. Hinzu kommt, dass viele Wachen festgenagelt an einem Punkt stehen, bis wir uns ihnen nähern. Erst wenn wir nah genug sind, beginnen sie, miteinander zu sprechen, um anschließend in ihre immer gleiche Routine zu verfallen. Der Eindruck einer unabhängigen KI verfällt somit und wird berechenbar.

Doppelte Herausforderung für Pazifisten

Als geübter Pazifist haben wir es wesentlich schwerer. Da die Wachen nicht betäubt werden können, bleibt uns neben den tödlichen Attacken nur das gänzliche Vermeiden der zahlreich plazierten Gegner. Hier kommt Styx’ Goldharzmagie zum Tragen. Während die Goldharzsicht keine Energie verbraucht und je nach Upgrade Gegnerpositionen und Items leuchtend hervorhebt, verbrauchen Schleichfähigkeiten wie Unsichtbarkeit oder Doppelgänger beträchtliche Mengen an Goldharz. Dieses kann durch Tränke wieder aufgefüllt werden. Allerdings sind diese nicht immer leicht zu finden. Um selbst Goldharztränke zu brauen, müssen wir einen Alchemietisch aufsuchen und die passenden Rohstoffe besorgen. Auch diese sind versteckt und meist gut bewacht.

Das Leveldesign entpuppt sich dabei wieder als das große Highlight des Spiels. Die Level sind größer und verwinkelter als noch im Vorgänger. Auch hier gibt es  mehrere Routen zum Ziel. Wählen wir den Weg über die Dächer, schleichen wir uns lieber durch die Kellergewölbe, oder suchen wir einfach alles ab? Neben den Hauptzielen gibt es auch Nebenmissionen, die wir optional erfüllen können. Als Belohnung erhalten wir zusätzliche Erfahrungspunkte und Informationen. Auch abseits der direkten Strecke stehen Wachen, die wertvolle Informationen austauschen, wenn wir sie nicht zu früh überraschen. Hin und wieder gilt es, kleine Rätsel zu lösen. Dabei sind diese nicht auf langweilige Zahlenkombinationen reduziert, sondern mit kleinen Geschichten verwoben, deren Puzzleteile sich nicht immer in unmittelbarer Nähe befinden. Wer alles finden will, benötigt für ein durchschnittliches Level circa eine Stunde. Wer den Zeitrekord brechen will, kann all dies aber auch ignorieren.

Doppelkill

Wer nicht so gerne allein zockt, darf das gesamte Spiel mit einem Freund im Koop-Modus spielen und neue Taktiken ausprobieren, die im Singleplayer nicht möglich wären. Tatsächlich erhält das Spiel dadurch eine ganz neue Dynamik und erlaubt taktische Ablenkungsmanöver. Diese sind zwar auch mit dem Doppelgänger möglich, allerdings können wir Styx in diesem Zeitraum nicht steuern. Darüber hinaus kann Styx’ Doppelgänger selbst nicht töten, sondern nur ablenken.

Grafisch spielt Styx: Shards of Darkness mit der Unreal 4 Engine in der mittleren Liga. Die Level sind atmosphärisch und detailliert. Wer genau hinsieht, wird allerdings entdecken, dass sich viele Elemente wiederholen.

Ein großer Pluspunkt ist der Charakter von Styx. Die Monologe, die witzige, zynische Art formen einen starken Charakter für den grünen Goblin. Mehr als einmal durchbricht er die vierte Wand und redet mit dem Spieler. Wenn wir sterben, erleben wir eine kurze Szene, in der sich Styx über unseren Spielstil aufregt. Da dies allerdings vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden ziemlich oft passiert, kann dies auf Dauer stören. Zum Glück kann dies in den Optionen deaktiviert werden.

Fazit

Styx: Shards of Darkness gibt seinen Fans neues Futter. Eine neue Geschichte mit altem Gameplay, die keine Experimente wagt und stattdessen alte Stärken ausbaut. Auch wenn Styx mit all seinen Fähigkeiten beinahe zu stark ist, wecken die zusätzlichen Herausforderungen genug Ehrgeiz, um nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Die Erzählung ist dabei nur ein roter Faden, um die Level zu verbinden. Das Spielprinzip selbst ist es, das uns motiviert und worin das Spiel brilliert. Ob das gleiche Konzept auch noch für einen dritten Teil reicht, ist allerdings fraglich.

Styx: Shards of Darkness
(Cyanide Studios /Focus Home Interactive)
Plattformen:PS4, Xbox One, PC
Webseite: Styx: Shards of Darkness

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