Die Streitenden Königreiche (DSA)

Von Schweinebauern und Deichspaten

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Typischerweise besticht DSA seit Langem durch seine ausführlichen wie detailverliebten Beschreibungen der Regionen. Die Streitenden Königreiche schickt sich nun an, die Messlatte noch höher zu stecken. Da manche Spieler jedoch immer mehr finden, dass Aventurien keinen Platz mehr für eigene Abenteuer lässt, ist die Beschreibungsdichte immer ein kritischer Faktor. Aber schauen wir erstmal rein ins Buch.

Von außen macht das Buch wieder einmal eine Menge her. Grüne Drachenschuppen zeigen die Zugehörigkeit zu den Regionalbeschreibungen. Zwei ritterlichen Kämpfer duellieren sich auf knorrigen Ästen. Inzwischen kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass derzeit das schönste DSA aller Zeiten existiert. Das setzt sich auch im Inneren des Buches fort. Waren manche wenige Bilder in den ersten DSA 5-Büchern noch etwas unpassend inszeniert, gilt das nicht für Die Streitenden Königreiche. Alle Bilder sind schön, stimmungsvoll und geben das Spielgefühl der Region wunderbar wieder.

Nostrische Sümpfe und Andergaster Wälder

In der Vorgängerversion waren Die Streitenden Königreiche ein Unterkapitel der Thorwalbeschreibung. Dieses Mal haben sie ein ganzes Buch spendiert bekommen, was viel mehr Platz für die Beschreibung hergibt. Beginnend mit Geographie und Klima wird das Gebiet genauestens beschrieben. Darauf folgen die Regionen und ihre Städte. Von den großen Hauptstädten bis hinab zu den Dörfern mit bis zu 250 Einwohnern wurden alle Siedlungen erläutert. Den Großteil der Beschreibung nehmen natürlich die wichtigen Städte ein. Dazu gibt es eine Darstellung eines kleinen Dorfes, das in Andergast oder Nostria liegen könnte. Mit seinen liebevoll gezeichneten Einwohnern und den kleinen Abenteueraufhängern könnte es direkt für einen unterhaltsamen Abend herhalten.

Wirkten die Beschreibungen der Königreiche früher oft, als wären die Einwohner naiv und etwas lächerlich, hat man sich diesmal deutlich davon distanziert. Zwar sind die Leute stur und konservativ, aber man hat sich sehr bemüht, dies aus der Sicht und der Notwendigkeit eines Bewohners der Reiche zu beschreiben. Grundsätzlich wird die gesamte Gesellschaft durchleuchtet, was schon fast zu viel Beschreibung ist, um es ins Spiel einfließen zu lassen. Nach der Lektüre hat man einen tieferen Blick in die fiktiven Gesellschaften gewonnen, als man es durch einen durchschnittlichen Urlaub erreicht.

Natürlich gibt es auch wieder Werte für Tiere und Pflanzen. Mit dem prächtigen Kronenhirsch und dem stolzen Auerochsen existiert große Jagdbeute für Jäger. Mit dem finsteren Marwold, einem düsteren belebten Baum, und der riesigen Waldspinne sind auch für unheimliche Begegnungen im Wald die richtigen Wesen geboten. Und wer es gerne mystisch mag, findet beim Einhorn die richtige Beschreibung. Dies ist natürlich nur eine kleine Auswahl der Tiere im Band. Bei den Pflanzen haben es unter anderem das gefürchtete Messergras und das beruhigende Mibelrohr ins Buch geschafft.

Nach den wichtigsten NSCs, die mal wieder mit dem Garadan-System (siehe Almanach) markiert sind, folgt eine Abhandlung über die Geschichte der Reiche. In der von Zwistigkeiten durchzogenen Geschichte der Reiche hat man einige Kriege gezielt undatiert gelassen, um dem Meister Spielraum für eigene Abenteuer zu lassen.

Regeln in Regionalbänden

Es folgt ein langer Regelteil, der mit typischen Professionen der Reiche, neuen Sonderfertigkeiten und Waffen aufwartet. Deichbauern, die beiden klassischen Akademien der Reiche, zwei neue Varianten der Hexe und die Druiden werden hier mit Werten und Hintergrund versehen. Dazu gibt es natürlich auch Regeln, die etwas exzessiv wirken. Denn wer derzeit erweiterte magische Sonderfertigkeiten sucht, kommt um Die Streitenden Königreiche nicht herum.

Besonders schön ist das Angebot, typische regionale Macken zu wählen, was eine optionale Regel darstellt. Zum Beispiel sind Andergaster ausgesprochen stur und müssen stets überredet werden, Neues zu akzeptieren. Dazu können sie keine Nostrier leiden, sodass ihre Gesellschaftsproben diesen gegenüber erschwert sind. Als Ausgleich lieben sie aber Bäume dermaßen, dass sie Erleichterungen im Umgang mit diesen haben. Von diesen kleinen Macken gibt es eine ganze Reihe, die einen schönen typischen Flair verleihen, aber stets vollkommen optional bleiben.

Hinter den Kulissen

Der Spielleiterbereich mit den Geheimnissen der Region ist ebenfalls sehr gut geraten. Von großen Geheimnissen, die die ganze Region betreffen und düster im Hintergrund großer Kampagnen schweben können, bis zu vielen kleinen Geheimnissen gibt es eine riesige Auswahl. Die Lektüre lässt einen prompt große Pläne für Abenteuerkampagnen schmieden und erfüllt ihren Zweck hervorragend.

Huldigung und Häme

Mal wieder hat es ein großer Regelteil ins Buch geschafft, der leider etwas übers Ziel hinausschießt. Die Profession eines nostrischen Deichbauers oder eines Ritters aus der Waldwildnis passt ja noch gut ins Werk. Und ob eine Tabelle mit typischen Deichen und passenden Berufsgeheimnissen für das regionale Flair notwendig ist, kann man diskutieren, aber es macht sich schön.

Dass der Band aber auch ein Erweiterungsbuch für aventurische Magie ist, wirkt doch etwas übertrieben. Mit dem Druiden kommt eine neue magische Klasse inklusive passender Tradition hinzu. Dazu 25 neue Zauber, die passenden Rituale und vor allem neue Sonderfertigkeiten für Zauberer, die für alle magischen Helden aus dem Grundregelwerk interessant sein dürften. Da die Sonderfertigkeiten für die neuen Professionen nicht mal notwendig gewesen wären, fühlt es sich an, als wäre hier eine Grenze überschritten worden. Auch werden hier zwei kämpferische Zauberer vorgestellt, die die Grenzen des Systems zumindest ausreizen. Der Andergaster Kampfmagier und die Eulenhexe sind mit den AP eines erfahrenen Helden kaum zu generieren, Steigerungen sind am Start schon nicht mehr drin. Hier scheint die Balance des Systems etwas zu schwächeln.

Von der Regelproblematik abgesehen, ist Die Streitenden Königreiche eine fantastische Regionalbeschreibung. Beim bloßen Lesen kommen einem zahlreiche Abenteuerideen und Charakterkonzepte in den Sinn. Man taucht förmlich in die Welt ein. Die kleinen Anmerkungen der Helden aus Aventurien lassen einen immer wieder schmunzeln und die Liebe zum Detail ist sagenhaft.

Die Streitenden Königreiche – Andergast und Nostria
Florian Don-Schauen, Daniel Simon Richter
(Ulisses Spiele, 2016)
192 Seiten, Hardcover
ISBN: 9783957521217
Webseite: Die Streitenden Königreiche

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