Star Wars Battlefront II (PC)

Epische Schlachten und Glücksspiel

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Zwei Jahre ist es her, dass die erfolgreiche Battlefront-Reihe neu aufgelegt wurde. Dieser erste Teil des Reboots sah zwar hübsch aus, wurde von Kritikern aber durchaus mit gemischten Wertungen bedacht. Unter anderem Mangel an Inhalten und damit an Abwechslung und teilweise verbesserungswürdiges Balancing wurden dem Spiel vorgeworfen. Die jetzige Fortsetzung – genau zwei Jahre nach dem ersten Teil – versucht, viele der Kritikpunkte auszumerzen.

Nicht nur die Frostbite-Grafikengine wurde nochmal aufgemotzt, das Spiel bringt diesmal einen richtigen Story-Mode für Einzelspieler mit, inklusive Zwischensequenzen und komplett neuen Charakteren. Aber auch bekannte Gesichter aus beiden Film-Trilogien und Episode VII geben sich ein Stelldichein. Ob und wie sich die Parallelen zu den Filmen in den Kanon des Franchises einfügen oder ob der Story-Inhalt des Spiels ins Extended Universe verbannt wird, weiß im Augenblick allerdings wahrscheinlich nur Disney selbst.

Es war einmal vor langer Zeit …

Es ist die Zeit kurz vor der Schlacht von Endor. Die imperiale Soldatin Iden Versio ist in Gefangenschaft der Rebellen geraten und widersteht einem Verhör. Was die Rebellen jedoch nicht wissen: Iden hat sich mit Absicht in Gefangenschaft begeben, um wichtige Daten aus dem Speicher der feindlichen Computers zu löschen. Hier beginnt unsere Geschichte und hier beginnt auch das Spiel. Überraschenderweise allerdings nicht in Form von wildem Geballer, sondern zunächst in einer Schleichsequenz, in der man Idens Droiden steuert, um sie aus der Zelle zu befreien. Das kommt erstmal ziemlich unerwartet, dauert aber auch nicht sehr lange. Sobald man in Idens Zelle eingedrungen ist und das Schloss gehackt hat, übernimmt man Iden selbst und das tatsächliche Spiel beginnt.

Wer das gute alte Dark Forces seinerzeit gespielt hat, wird sich recht schnell heimisch fühlen. Aber auch generell Menschen mit einer Affinität für das Genre dürften mit dem Einstieg keine Probleme haben. Man rennt bzw. schleicht zunächst möglichst unauffällig durch die sterilen, jedoch alles andere als langweiligen Gänge des Rebellenschiffs und macht sich mit der generellen Steuerung und den Fähigkeiten Idens vertraut. Das beinhaltet nicht nur zu schießen und zu laufen, sondern auch Deckung zu suchen, mit der Umwelt zu interagieren und Waffen zu wechseln. Hinzu kommen Spezialfähigkeiten wie Takedowns, um Gegner auszuschalten, oder der Einsatz des Droiden, mit dem Kameras gehackt und Computer manipuliert werden können.

Außerdem kann man zwischen drei Perspektiven umschalten: Die klassische Egoperspektive ist genau das, wonach sie klingt, und die Third-Person-Sicht bietet ihrerseits zwei Variationen, einmal über die linke Schulter, einmal über die rechte. Eigentümlich ist, dass die Stealth-Sequenz mit Idens Droiden am Anfang eine absolute Ausnahme darstellt und im Story-Modus auch nicht wieder verwendet wird, was diese ganzen rund fünf Minuten des Anfangs irgendwie sinnlos erscheinen lassen. Stattdessen wird der Story im Rahmen von soliden actionlastigen Shooter-Leveln gefolgt, die dann und wann durch Fahrzeug-Sequenzen aufgelockert werden. Wenn in den Zu-Fuß-Leveln genug Schaden angerichtet wird, schwingt sich Iden auch mal u. a. in einen Tie-Fighter und nimmt Gegner aufs Korn.

Die Dunkle Seite …

Spätestens bei den Flug-Sequenzen offenbaren sich gravierende spieltechnische Schwächen von Battlefront II. Per Maus und Tastatur neigt die Steuerung der Gerätschaften zu einer gewissen Schwammigkeit. Das geht auf Kosten der Präzision, was in letzter Konsequenz dazu führt, dass Flugsequenzen länger dauern können, als sie müssten. Gerade in den Weltraumschlachten, in denen oftmals allerhand Schrott als Hindernis durch die Gegend trudelt, wirkt sich dieser Mangel an Präzision sehr ärgerlich aus, da man zum Teil öfters vom Weltraummüll ausgeschaltet wird als durch die Schüsse der Gegner.

Zu Fuß ist die nötige Präzision zwar gegeben, leider hat man hier mit anderen Problemen zu kämpfen: An die fehlende Intuitivität gewöhnt man sich mit der Zeit halbwegs, zwischen den zwei bis drei Waffen pro Level nicht per Mausrad wechseln zu können, bleibt nichts desto trotz ein sehr eigenartiges Gefühl. Das größere Problem liegt in der leichten Überladung und der Konzentration auf Tasten statt eben zum Beispiel das Mausrad einzubeziehen.

Die Bewegung verläuft klassisch mit WASD. Mit Q setzt man Wurfwaffen ein, wogegen auch nichts zu sagen ist. Interaktion mit der Umgebung, zum Beispiel das Öffnen von Türen, findet aber weder mit E (dadurch wird eine Spezialfähigkeit aktiviert) noch mit F (das wechselt zu einer anderen Waffe) statt – sondern mit G. Das führt dazu, dass man häufig die Waffe wechselt, statt eine Tür zu öffnen, da man eine andere Tastaturbelegung gewohnt ist. Natürlich kann man die Steuerung ziemlich frei in den Optionen ändern, die grundsätzliche Einstellung orientiert sich aber an Gamepads. Für Konsoleros ist das auch in Ordnung so, für Maus-und-Tastatur-Spieler*innen wirkt diese Steuerung aber umständlich.

Von Saulus zu …

Wie bereits erwähnt, hat Battlefront II einen vergleichsweise umfangreichen Storymodus von ca. 3–6 Stunden. Die Geschichte selbst ist dabei zwar weder sonderlich originell noch wirklich groß oder episch, weiß aber zu unterhalten. Man könnte es mit Rouge One vergleichen, das zwar parallel zu der Haupthexalogie angesiedelt war, aber eben nicht direkt in diese Storyline integriert werden kann. So ist auch Battlefront II im Grunde A Star Wars Story – und als solche funktioniert die Geschichte auch ganz gut.

Idens Reise beginnt auf Seiten des Imperiums, sie wechselt schließlich – nicht überraschend – die Seiten und so kämpft sie schließlich für die Sache der Rebellen. Auch wenn die Geschichte an sich wenig Überraschungen liefert, bietet sie doch ein paar sehr interessante Einblicke in die Mentalität des Imperiums bzw. der „kleinen Leute“, die für das Imperium kämpfen. Sowohl während der Missionen als auch in den Zwischensequenzen führen die Figuren Unterhaltungen und werden auf diese Weise vorgestellt. So gewinnen die Charaktere zum einen an Tiefe, zum anderen sieht man endlich mal, dass auch das Imperium nicht nur aus bösen bösen Soldaten besteht, sondern dass auch hier geglaubt wird, für eine gute Sache zu kämpfen – gegen einen Feind, welcher der Galaxie schaden möchte. Das ist interessant und bietet eine neue Perspektive. Außerdem hilft es, sich während der ersten Spielstunde trotz allem mit Iden und dem Imperium zu identifizieren. Dass Iden und Konsorten gut und realistisch agieren und bei aller Toughness sympathisch und emotional nachvollziehbar wirken, tut dem Gesamtbild keinen Abbruch. So schreibt man, in Idens Fall, starke Frauen.

Plötzlich Luke!

Iden, obgleich Hauptcharakter, ist bei Weitem nicht die einzige steuerbare Spielfigur. Ohne weitere Vorwarnung geht es nach einer Zwischensequenz mit Luke Skywalker himself weiter und es gilt, sich mit Lichtschwert und der Macht durch weitere Horden von Sturmtrupplern zu kämpfen. Und es bleibt nicht bei Luke. So ziemlich alle prominenteren Charaktere aus Episode 4 bis 7 von Han Solo über Leia Organa bis hin zu Lando Calrissian kommen mindestens in der Story vor und sind größtenteils auch zwischendurch spielbar (außer C3PO, den ich persönlich aber auch nicht vermisst habe). Auch wurde darauf geachtet, möglichst alle deutschen Synchronsprecher der Filme zu engagieren – oder zumindest möglichst dicht an ihre Stimmen ranzukommen, was auch ziemlich gut funktioniert. Dabei hört man zwar grad im Fall von Han das Alter des Sprechers extrem heraus, aber das fällt nicht weiter negativ ins Gericht.

Dieser Wechsel zwischen den Spielcharakteren sorgt für Abwechslung, da sie sich jeweils unterschiedlich spielen und verschiedene Waffen und Spezialfähigkeiten mitbringen. Vom Atmosphäre- und Nostalgiebonus, den das Spiel dadurch bekommt, fang ich gar nicht erst an.

Ein paar Banthas im Raum

Mehrere Skandale haben bezüglich des Spiels mittlerweile die Runde gemacht. Zum einen wurde EA Glücksspiel vorgeworfen: Im Spiel kommen sogenannte Loot-Boxen vor, mit denen man Karten sammeln kann, um die eigene Figur im Multiplayer zu verbessern, sodass sie zum Beispiel mehr Schüsse aushält, bessere Schilde mit sich trägt oder früher und schneller die Lebensenergie wiederauflädt. Diese Loot-Boxen kann man auf unterschiedliche Arten bekommen, indem man zum Beispiel bestimmte Ziele im Spiel erfüllt, gewisse Gegenstände sammelt oder – und hier lag der Hase zumindest bis kurz vor dem offiziellen Release im Pfeffer – man dafür echtes Geld bezahlt.

Wieso bis vor kurzem? Weil EA dieses „Pay to Win“-Prinzip zumindest vorerst wieder entfernt hat. Denn was hätte das bedeuten? Zum einen: Da man nicht gezielt Karten hätte kaufen können, sondern nur extra Loot-Boxen, die die Karten per Zufall ausgeben, hätte es sich um ein buchstäbliches Glücksspiel gehandelt, was nicht nur rechtlich betrachtet problematisch sein dürfte. Zum anderen hätte oben genanntes „Pay to Win“-Prinzip auch zu massiven Balancing-Problemen geführt (und dies tut es in kleinerem Rahmen auch immer noch). Denn würde man fleißig Geld investieren, um weitere Karten durch Loot-Boxen zu erhalten, hätte man die eigene Spielfigur im Multiplayer derartig überpowern können, dass man unfaire Vorteile gegenüber „normalen“ Spielenden erhalten hätte. EA hat dies zwar mittlerweile, wie gesagt, entfernt, behält sich aber vor, es wieder einzuführen.

Zu guter – oder besser gesagt: schlechter – Letzt besteht nach wie vor das Darth-Vader-Problem. Wer das Spiel vorbestellt hat, erhält als Bonusfigur für den Multiplayer Darth Vader. Das Problem dabei: Man muss ihn erst durch ca. 40 Stunden Spielzeit freischalten, um überhaupt auf ihn zugreifen zu können. EA zeigte sich ob der Kritik an dieser Situation äußerst kaltschnäuzig und unkooperativ, was zu einem ziemlich massiven Shitstorm seitens der Community führte.

Eine gebrochene Lanze

Bei all der berechtigten Kritik an den verschiedenen Vorgehen von EA, bei all der berechtigten Kritik an den Loot-Boxen, bei all der berechtigten Kritik daran, wie EA mit der eigenen Community umgeht, sollte man sich meiner Meinung nach doch eine Frage stellen: Macht das Spiel Spaß? Und das kann ich ganz klar mit einem „Ja!“ beantworten. Der umfangreiche Single-Player-Modus, der noch umfangreiche Multiplayer-Modus, der auch das eigentliche Herzstück des Spiels darstellt, die tolle Präsentation – sowohl in visueller und beinahe noch mehr in akustischer Hinsicht – sorgen für ein tolles Spielerlebnis, von dem man sich erstmal losreißen muss, hat man einmal angefangen. Es kommt tatsächlich dieses „Komm, eine Runde noch“-Gefühl auf, dass einen an den Bildschirm fesselt.

Und letztendlich kommt es doch exakt darauf an, wenn man ein Spiel beurteilt und nicht die „üblen Machenschaften“ der Spielemacher. Ich kann jeden Menschen verstehen, der das Spiel eben wegen dieser Machenschaften boykottiert und meidet, um diese Verkaufspolitik nicht zu unterstützen. Gleichzeitig bin ich aber der Meinung, dass man dem Spiel als solches unrecht tut, wenn man es nur darauf reduziert.

Star Wars Battlefront II 
EA Digital Illusions / Motive Studios / Criterion Games
USK 16
Plattformen PC, Xbone, PS4
Battlefront II im Internet

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