Sonic Mania

Erinnerungen an das goldene Zeitalter eines blauen Igels

Kategorie: Games
von Marc Haarmann

Sonics Lebenslauf bot damals einen legendären Start. Auf Augenhöhe mit Nintendos Maskottchen Mario lieferte er sich mit diesem in den 90er Jahren erbitterte Fanboyschlachten um das coolere Jump’n’Run. Nach drei erfolgreichen Spielen auf dem Mega Drive und unzähligen Ablegern für Spielhallen und Konsolen wechselten beide Helden am Ende des Jahrtausends in die dritte Dimension. Während Mario dort im Laufe der Jahre einen Award nach dem anderen abstaubte, ging es für Sonic kontinuierlich bergab.

Tatsächlich waren die Sonicspiele, die sich auf die Seitenansicht konzentrierten mitunter die erfolgreichsten. In der zweiten Dimension, quer über den Bildschirm rasend – so kennen ihn die Fans, so lieben sie ihn. Mit Sonic Mania können sie die Atmosphäre der ersten drei Spiele nun neu erleben. Die Grafik, die Musik, die Figuren und das Gameplay wurden übernommen. Doch es sind keine Originalumsetzungen der ersten drei Spiele.

Remix statt Remake?

Die 13 Zonen, die jeweils aus zwei Stages bestehen, setzen sich einerseits aus altbekannten und anderseits aus völlig neuen Zonen zusammen. Jede davon besteht aus zwei Kapiteln, an deren Ende sich jeweils ein Bossgegner befindet. Dr. Eggman alias Dr Ivo Robotnik hat erneut die Chaos Emeralds gestohlen und natürlich wieder all die kleinen Tiere des Walds in seine Kriegsmaschinen gesteckt.

Zu Beginn haben wir nur Sonic selbst als Spielcharakter. Mit dabei ist sein zweischwänziger Fuchsfreund Tails, der von einem zweiten Spieler übernommen werden kann. Spielen wir alleine, übernimmt der Computer Tails, indem er uns dicht auf den Fersen folgt. Das führt mitunter dazu, dass Tails tausend Tode stirbt. Allerdings taucht er nach einigen Sekunden wieder auf.

Dadurch hilft er uns manchmal, in brenzligen Situationen den Boss zu treffen, wenn es für Sonic selbst zu gefährlich wird. Durch die hohe Geschwindigkeit ist es allerdings auch einem menschlichen Mitspieler fast unmöglich, mitzuhalten, da man permanent am linken Bildschirmrand verschwindet. Theoretisch ist Sonic unbesiegbar, solange er mindestens einen Ring besitzt. Diese finden wir wie gewohnt über das ganze Level verteilt. Man kann man diese Ringe aber auch sehr schnell wieder verlieren.

Aufgrund des breiteren 16:9 Bildschirmes sehen wir die Gefahren zwar etwas eher als im Original, viel leichter wird das Spiel dadurch aber nicht. Wenn Sonic mit seinen Rennstiefeln durch das Level jagt, heißt es auswendig lernen. Wo rasen wir ungebremst in eine Stachelfalle? Welche Brücke stürzt ein? Wo befinden sich unsichtbare Abkürzungen? Fans der alten Sonicspiele werden angenehm gefordert und sich wie auf einer Zeitreise ins Jahr 1992 fühlen.

In der Regel führt der optimale Weg nicht geradeaus, sondern erfordert Umwege durch Röhren, Sprungpassagen und Wasserlabyrinthe in alle Himmelsrichtungen, die, wenn wir unsere Sprünge falsch timen, in einem endlosen Kreislauf enden. Das knackige Zeitlimit, das uns im Rücken liegt, setzt da noch einen oben drauf.

Retro = Schwer?

Im Gegensatz zu den Originalen speichert das Spiel nach jeder Zone, was uns angenehm viel Zeit spart. Haben wir es einmal beendet, schalten wir neue Spielmodi und Charaktere frei, mit denen wir das Spiel noch einmal beginnen können. Diese haben mitunter völlig andere Eigenschaften, sodass sich mit dem roten Igel Knuckles ganz andere Spielweisen ergeben als mit Sonic.

Jede Zone bietet ein verstecktes Bonuslevel, in dem wir in nostalgischer Mode-7 Grafik einem Ufo hinterherjagen müssen, das einen der Chaos Emeralds mit sich trägt. Nur mit den blauen Kugeln bekommen wir genug Geschwindigkeit, um das Ufo einzuholen. Natürlich sitzt uns auch hier ein unerbittlicher Countdown im Nacken.

Das Design der 13 Zonen ist extrem abwechslungsreich gestaltet worden. Leider hat dies keinerlei Einfluss auf das Spielsystem selbst. Die verwinkelten Level erfordern keine neuen Strategien, sondern lassen uns vom Anfang bis zum Ende des Spiels immerzu durch rasante Kurse heizen, in denen wir innerhalb von Sekundenbruchteilen reagieren müssen. Dabei gibt es immer mehrere Wege zum Ziel. Der direkteste ist nicht immer der beste und zwischendurch findet man sogar das eine oder andere Extra, wie die extrem kostbaren Extraleben und zeitlich begrenzte Unverwundbarkeit.

Die Bosskämpfe sind jedoch extrem phantasievoll umgesetzt worden. Einige Kämpfe werden weniger durch Gewalt gelöst, sondern durch Geschick – wie im Falle des Tetris ähnelnden Dr Robotnik's Mean Bean Machine. Teilweise kann aber der Bosskampf rasch das letzte Leben kosten, was einen Neustart der gesamten Zone mit sich bringt.

Wer in Sonic Mania moderne Grafik erwartet, wird enttäuscht sein. Den nostalgischen Trip in die Vergangenheit erkauft sich das Spiel durch eine werkgetreue Umsetzung der alten Mega Drive 16Bit Grafik und den origininalen Soundtrack. Die zweite Stage einer Zone knüpft unmittelbar an die erste an und bietet einen alternativen Remix der alten Melodien. Mehr Retro geht nicht, mehr braucht es auch nicht. Aufgrund seiner geringen Größe ist Sonic Mania übrigens nur als Download erhältlich.

Fazit

Sonic Mania geht sprichwörtlich zurück zu seinen Wurzeln. Die Grafik, die Musik und der Schwierigkeitsgrad sind genau das, was Sonicfans der 90er seit dem unglücklichen Sprung in die dritte Dimension vermisst haben. So überrascht es keineswegs, dass Sega mit Sonic Mania seit langer Zeit endlich wieder einen Hit gelandet hat. Freunde moderner Jump'n'Runs halten lieber Ausschau nach Sonic Forces, das mit zeitgemäßer Grafik und schwindelerregenden 3D-Labyrinthen aufwartet.

Sonic Mania
(Headcannon, PagodaWest Games, Sega ofAmerica)
Plattformen: PS4, Xbox One, NintendoSwitch, PC
Webseite: SonicMania

Marc  Haarmann
Über den Autor

Marc Haarmann schreibt für Zauberwelten-Online.de.

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