Skull & Crossbones

Piraten-Segel-Larp auf der Ostsee

Kategorie: LARP
Tags: Piraten LARP Ostsee
von Die Redaktion

Im Oktober 2017 wurde die dänische Südsee von Piraten heimgesucht. Gleich drei traditionelle Segelschiffe verwandelten sich beim Larp Skull & Crossbones in eine Freibeuterflotte. Das Con war nicht das erste Piraten-Larp auf einem Segelschiff, aber wahrscheinlich das erste mit drei Schiffen, komplett mit Kanonen und 65 Teilnehmern. Für die LARPzeit beschreibt Projektleiter Stefan Deutsch das Konzept. Skull & Crossbones fand vom 11. bis 15. Oktober 2017 südlich der dänischen Insel Fyn und auf einigen Inseln und in Häfen der Umgebung statt. Drei traditionelle Segelschiffe, der Drei-Mast Gaffelschoner Pippilotta und die zwei See-Ewer Amazone und Jonas von Friedrichstadt verwandelten sich für die Dauer des Spiels in Piratenschiffe. Die Teilnehmer segelten auf je einem der Schiffe als Teil einer Piratencrew. Sie waren auf der Suche nach dem Schatz des berühmten Piratenkapitäns Wigbold und mussten unter anderem verschiedene Rätsel lösen, Fischwesen, einer Seehexe, der Hanse und nicht zuletzt anderen Piraten ein Schnippchen schlagen. Es kam zu einer offenen Seeschlacht zwischen den drei Schiffen, durchgeführt mit eigens dafür entwickelten Larp-Kanonen, Knallplättchen-Piratenpistolen, lauthals geschrienen Flüchen und viel Epik. Zum Abschluss des Spiels mussten sich die Piraten entscheiden, ob sie lieber ihren eigenen Fluch brechen, einen Kaperbrief ergattern oder einen Teil des Schatzes von Wigbold für sich beanspruchen wollten. Text von Stefan Deutsch

Das internationale Vorort-Team für das Spiel bestand aus insgesamt 13 Personen, darunter sieben Orga-Mitglieder, drei Küchenverantwortliche und drei Fotografen. Im Vorfeld waren weitere sechs Personen als Charakterschreiber, Autoren, Requisitenbauer und Helfer tätig. Zusätzlich hatten wir Partnerschaften mit zwei Unternehmen für den Requisitenbau, zum einen die Firma Freyhand, mit der wir gemeinsam die Larp-Kanonen für die Schiffe entwickelten, und zum anderen eine polnische Kostümschneiderin.

Segel setzen!

Alle Teilnehmer, die Orga und weitere Teammitglieder waren für die Dauer der Veranstaltung in den Kabinen der Schiffe untergebracht. Ob Kartoffelschälen und Geschirrspülen in der engen Kombüse, Deckschrubben oder das Setzen der Segel – neben dem Charakterspiel mussten jede Menge seemännische Aufgaben erfüllt werden. Auch das Steuerrad (das sogenannten Schiffsruder) fand sich bisweilen in Larper-Hand.

Segeln war ein entscheidender Bestandteil des Spiels und auch ohne Vorerfahrung unter Anleitung der Schiffscrew erlernbar. Die Tatsache, dass wir mit drei Schiffen unterwegs waren, machte die Organisation im Vergleich mit Cons an Land komplexer. Insbesondere zwei Unwägbarkeiten mussten bedacht werden:

  1. Während des Tages waren die Schiffe meist voneinander getrennt. Zwar konnte man die anderen Schiffe das eine oder andere Mal beobachten, Kommunikation war für die Teilnehmer aber weitgehend unmöglich und für die Orga nur über Funk möglich.
  1. Beim Segeln ist es fast unmöglich vorherzusagen, wohin die Schiffe segeln können. Zudem mussten die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Schiffstypen und die Erreichbarkeit berücksichtigt werden (z. B. der Tiefgang, aber auch die Stabilität bei verschiedenen Winden).

Diese Faktoren wurden durch einen Aufbau des Spiels in zwei Ebenen angegangen: Zum einen entwickelten wir Plots und Spannungen zwischen den Mitgliedern derselben Schiffscrew, die tagsüber während des Segelns eine große Rolle spielten. Es gab zum Beispiel spielübergreifend drei Fraktionen, die einander nicht immer freundlich gesonnen waren und unterschiedliche Ziele verfolgten. Jeder Charakter war Mitglied einer dieser Fraktionen und auf dem eigenen Schiff mit Gleichgesinnten und Gegnern unterwegs. Zum anderen gab es schiffsübergreifende Plots und Rivalitäten, die nach Ankunft im Hafen oder beim Aufeinandertreffen mit den anderen Schiffen zum Tragen kamen. Hierbei kam uns zugute, dass wir mit vorgegebenen Charakteren arbeiteten.

Klar Schiff zum Gefecht!

Das Spiel hat zu einem der epischsten Spielerlebnisse ihrer Larp-Karriere für viele Teilnehmer geführt: einer Seeschlacht der Piratenschiffe. Selbst für die gestandenen (Real-)Schiffskapitäne war das eine neue Erfahrung, die für sie unvergesslich war. Das Laden und Schießen der Kanonen, epische Musik und der Blick auf die anderen Segelschiffe mit ihrer Piratenbesatzung führte zu einer Kulisse, die Kinogefühl aufkommen ließ.

Die Kanonen für dieses Gefecht wurden ohne Pyrotechnik entwickelt. Damit konnten sie nicht nur von jedem Teilnehmer gefahrlos eingesetzt werden, sondern es gab auch keinen Rauch, der die Segel oder Schiffe dauerhaft verschmutzt hätte. Zudem wurde die komplexe Rechtssituation wegen der Bewegung zwischen dänischen und deutschen Gewässern umgangen. Es wurden CO2-Kapseln und Talkumpuder für den Rauch eingesetzt. Außerdem konnten Unfälle mit dem Schwarzpulver gespielt werden: in einem Fall explodierte beim Beladen eine Kartusche unter Deck.

Live-Rollenspiel auf dem Meer

Eine Besonderheit bei Larps auf Schiffen ist die 180°-Illusion (im Gegensatz zur 360°-Illusion, bei der sich alles rundum echt anfühlt): Zwar ist fast jede Spielerhandlung eine, die die Charaktere auch machen würden (Segeln, Dienst am Ruder, Leinen werfen, Taue knoten, Navigieren), allerdings gibt es neben der Sicherheitsausrüstung auch moderne Elemente, die immer vorhanden sein werden (andere Schiffe, Technik im Hafen usw.). Wenn es aber gelingt, diese für sich selbst auszublenden, bieten Live-Rollenspiele auf dem Meer eine einzigartige Erfahrung. Sie zeichnen sich insbesondere durch einen krassen Gegensatz von Weite und Enge aus: auf dem Schiff selbst, in den Kabinen und beim Essen ist der Platz immer sehr begrenzt. Das Meer ist aber fast grenzenlos, und das Schiff bewegt sich weiter, als man sich sonst während eines Larps bewegen würde.

Unser Spiel hat eine Reihe weitere, internationale Piraten-Segellarps inspiriert, unter anderem The Raven Crew in Italien und Troubled Waters, das auch auf der Ostsee stattgefunden hat.

Nach einem Jahr Pause kehrt Skull & Crossbones in diesem Spätsommer zurück, um erneut einen Haufen Larper auf Kaperfahrt zu schicken!

Störtebekers Rache

2019 kehren die Piraten zurück auf die Ostsee: vom 15. bis 18. September und vom 19. bis 22. September. Der erste Termin ist aber bereits ausgebucht. Skull & Crossbones wird zwar nicht mehr vom ursprünglichen Veranstalter Dziobak Larp Studios verantwortet, sondern von der Larp-Orga Sailing4Adventures, wird aber weiter unter der Leitung von Stefan Deutsch stehen.

Gegenüber 2017 wird es eine ganze Reihe von Neuerungen geben. Es kommen zum Beispiel jeweils nur zwei Segelschiffe zum Einsatz, von denen eines komplett mit NSCs bemannt sein wird. Diese sollen dem Spielerschiff in wechselnden Rollen das Seefahrerleben schwer machen.

Mehr Infos gibt es unter www.sailing4adventure.com.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zauberwelten Frühjahr 2019


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