Schattenkaiser

Imperium mit Startschwierigkeiten

// Literatur
Schattenkaiser - News

In einem Imperium, so gewaltig seine Ausmaße auch sein mögen, prägen doch immer wieder die Schicksale und Taten Einzelner die Geschicke der Menschheit. Eroberungen haben die Hauptstadt Athanapolis mit einem riesigen Schutzgürtel aus Provinzen umgeben und den Reichtum der Kaiserfamilie und den Ruhm der Legionäre genährt. Ein recht stabiler Friede mit kleinen Auseinandersetzungen an den Grenzen zu den Barbaren prägen das Leben der Menschen und ermöglichen Luxus und Innovationen. Zumindest scheint alles friedlich zu sein …
 

Valeria, Verwandte des Kaiser und Magistra Militium, Anführerin der Legionen, wird überraschenderweise zurück von den Grenzen in die Hauptstadt beordert, wo sich ihr ein verstörendes Bild des Herrschers offenbart und merkwürdige Entscheidungen verkündet werden. Dariush, eine Art Waldläufer mit spirituellem Kontakt zur mächtigen Geisterwelt, wird Zeuge eines Überfalls auf ein Dorf, bei dem nur das Mädchen Ariadne entkommen kann und sich in seinen Schutz flüchtet. Er begleitet das verängstigte Mädchen in die Sicherheit eines Kastells der Truppen, die unheimlichen Häscher, die es scheinbar auf Ariadne abgesehen haben, auf den Fersen. Aber ist Ariadne wirklich außer Gefahr?

Auch der Schamane Brayn, ständig in Begleitung eines frechen Raben, gerät in den Strudel der Ereignisse. Seine Gefährtin Thalia, eine Legionärin, wird in einer seiner Visionen durch seine eigene Hand getötet. Er bringt schnellstens Abstand zwischen sich und sie, doch wird das reichen? Brix ist ein junger Legionär, der sich bei den Truppen und ersten Gefechten beweisen soll. Auch in der Hauptstadt gehen seltsame Dinge vor, die den Aufsteiger Thyron in ihren Bann ziehen. Er dient im kaiserlichen Palast und hofft durch seine Position in Diensten des Kämmerers auf schnellen Machtgewinn. Was ihm letztlich blüht, ahnt er bis zum Anfang vom Ende nicht ...
 

Die Bedrohung lässt auf sich warten

Der Anfang vom Ende, die dunkle Klaue einer finsteren Macht, die lange Zeit nur verborgen agiert und düstere Fäden spinnt, zögert sich lange Zeit heraus, sodass dem Leser durchaus starkes Durchhaltevermögen abverlangt wird. Denn viel passiert erst einmal nicht. Man kämpft sich, unschlüssig, wo der Weg hinführen soll, durch 200 Seiten, bis sich die Bedrohung langsam formiert und die Hinweise in den Geschichten der Charaktere beginnen, sich zusammenzufügen.

Dramaturgisch ist das nicht der glücklichste Wurf, denn teilweise zieht sich dadurch die Geschichte wie Kaugummi und man fragt sich streckenweise, ob man die Geduld aufbringen kann, weiterzulesen. Die vielen Namen der Haupt- und zahlreichen Nebenfiguren verwirren zusätzlich. Auch ist der Stil der Erzählung stellenweise recht sprunghaft und nicht immer gelungen.
 

Rom und Athen reloaded

Dennoch ist die Idee, ein Fantasyreich zu erschaffen, das an die großen Imperien der Menschheitsgeschichte anknüpft, gut gelungen und die Welt erscheint mit einer Sprache und ausgearbeiteten Kultur durchaus lebendig. Verbunden werden antike griechische und römische Elemente, sodass das Gefühl einer angenehmen Bekanntschaft entsteht. Alles in allem ist Schattenkaiser ein solides Werk der Fantasy mit ein paar Schwächen, die den Leser herausfordern, dafür aber auch mit gut ausgearbeiteten Figuren, die liebenswert oder verabscheuungswürdig sind – zum Vergnügen des Lesers!
 

Schattenkaiser
Christoph Hardebusch
(Piper, 2016)
416 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-492-70371-0
Webseite: Schattenkaiser

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