Die Saga von Atlas und Axis 1

Zwei Hunde werden zu Helden

Kategorie: Literatur
von Carsten Thurau

Bei einem Comic über zwei aufrecht gehende Hunde, die sich mit Wikötern herumärgern, erwartet man wahrscheinlich eine luftig-leichte Geschichte mit vielen Gags. Gleich auf der ersten Seite wird man eines Besseren belehrt – auch bei Hunden sind Kämpfe und Plünderungen eine grausame Sache.

Die Saga von Atlas und Axis führt uns in eine mittelalterliche Welt namens Pangea. Ganz aus dem Norden kommen die Nordmänner. Sie plündern, brennen die kleinen, wehrlosen Dörfer nieder und verschleppen ihre Einwohner. Nur Atlas und Axis werden durch einen Zufall verschont – und suchen einen Weg, Atlas’ Schwester Erika und ihre Freundin Raposa zu befreien …

Das klingt ein bisschen nach einem Thorgal-Setting. Tatsächlich sollte man erwähnen, dass Atlas ein Windhund und Axis ein Terrier ist, und natürlich sind auch die Wikinger-Verschnitte Hunde, Wiköter genannt. Die Hunde können allerdings sprechen und gehen aufrecht. Es gibt auch ein paar Nicht-Hunde, die in der Geschichte eine Rolle spielen. Beispielsweise ist Raposa eine Füchsin. Dazu gibt es einige Beute-Vögel, die sich an den Hundeleichen sättigen wollen, eine Menge Wölfe, Bären …

Der einzige Hinweis für die beiden Helden, wer die Täter waren, besteht in einer Fibel – und einem enormen Hundehaufen.

Zeichenstil

Der erste Eindruck war: Das Cover ist anders als bei anderen Comics. Eigentlich erwartete ich eher etwas Richtung „Mit Mantel und Degen“, wo die menschlichen Charaktere lediglich durch Tiere ausgestauscht wurden. Comic-Cover aus dem Funny-Bereich sind häufig eher leuchtend – Atlas und Axis verzichtet darauf. Auch innen sind die Farben weniger kräftig als in anderen Comics. Das wirkt allerdings nicht kraftlos, sondern bereichert den Zeichenstil.

Auch die Geschichte ist vom Stil „süße Hunde erleben lustige Abenteuer und befreien ihre Freunde“ weit entfernt. Es gibt einige Szenen, die ich ziemlich bitter fände, wenn es Menschen wären, nur die Abstraktionsebene durch die Hunde macht die Szenen aushaltbar. Natürlich gibt es einen gewissen Niedlichkeitsfaktor, aber die Charaktere sind nicht übertrieben niedlich gezeichnet. Gerade die Zeichnungen sind weder im Bereich der Funnys noch im Bereich des Realismus angesiedelt – man erkennt aber sämtliche Wesen sehr gut.

Die Geschichte ist eine „Hundesaga“ und das trifft es auch: Erinnerungen an altnordische Sagas werden wach.

Gewöhnungsbedürftiger Humor

Es gibt einige Slapstick-Elemente, die mich eher nerven. Gerade wenn sich der Held Atlas verliebt, mit seiner Geliebten aber immer mit dem Kopf zusammenstößt, dann ist das eher weniger witzig. Vielleicht sehen das Hundebesitzer anders … Der Humor ist somit ein wenig gewöhnungsbedürftig, teilweise etwas sehr gewollt, teilweise aber auch schön umgesetzt. Immerhin geht es später um einen magischen Knochen und den legendären Fressnapf des Überflusses.

Die Geschichte endet auch nicht, es ist eigentlich der Auftakt einer Reihe, bei der ich sehr gespannt bin, ob sie ihre Leserschaft findet, da sie sich erstmal nicht in eine bekannte Comic-Kategorie einordnen lässt. Empfehlen kann ich die Saga von Atlas und Axis Lesern, die gern etwas Neues ausprobieren wollen.
 
Die Saga von Atlas und Axis
Toonfisch-Verlag
Hardcover
80 Seiten
ISBN 978-3-95839-925-9

CT
Über den Autor

Carsten Thurau schreibt für Zauberwelten-Online.de.

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