Kurz vorgestellt: Rodrigue: die Parodie

Auf 48 Seiten durch die Comicwelt

// Literatur

Man nehme ein bisschen Thorgal, einen Hauch von XIII und eine Menge anderer Comic-Gestalten – fertig ist Die Parodie von Michel Rodrigue.

Comic-Fans ist Rodrigue vielleicht als Zeichner der letzten vier Percy Pickwick-Comics bekannt. Deswegen war ich auch sehr gespannt darauf, wie er es schaffen würde, in einem einzigen Band das ganze Comic-Genre zu parodieren. Um es kurz zu machen: leider schafft er es nur ansatzweise.

Die Geschichte handelt von Wikingern, die einen vom Himmel gefallenen Behälter mit Baby als Inhalt finden – Thorgal lässt grüßen. Der Kleine heißt allerdings Thorax und ist als junger Erwachsener leicht weniger heldenhaft und kampferprobt wie sein Vorbild. Als Nächstes taucht noch ein Franke ohne Gedächtnis auf, der die Damen des Dorfes für sich einnehmen kann. Flux haben die Männer einen Auftrag, sie sollen die Zivilisation holen: Galanterie, Schmetterlinge, Minnesang und Laugengebäck. Und damit beschäftigen sich die „Helden“ dann die nächsten 30 Seiten. Nebenbei müssen sie sich noch um einen Mord kümmern und ein bisschen plündern und brandschatzen. Es entwickelt sich ein leicht verwirrendes Roadmovie in Comicform, das teilweise ganze Seiten von Thorgal durch den Kakao zieht. Bekannte Gestalten aus anderen Comics tauchen auf. Nett ist dabei Professor Bienlein (aus Tim und Struppi) eingebaut, andere wie Papa Schlumpf haben nur einen kleinen Gastauftritt.

Zu viel des Guten

Eigentlich hat das Buch alles, was es benötigt: eine Story, schöne Gags und tatsächliche Parodien auf andere Comics. Dennoch kann es nicht vollends begeistern. Das liegt vielleicht auch daran, dass es zu viel will. Die Story leidet an einigen Stellen stark am Parodieansatz, an anderen wiederum ist der Parodie- oder Gagcharakter mir etwas zu gering. Es gibt wirklich gute Einfälle: Werbebotschaften auf den Segeln der Wikingerschiffe beispielsweise (ich verrate nicht, welche) oder Schiffskataloge. Platt hingegen finde ich dagegen z. B. den Auftritt von Darth Vader („Ich bin dein Sohn, Thorax“) oder vom Troll von Troy.

Für wen lohnt sich das Buch? Ich glaube tatsächlich, dass Comic-Kenner ihren Spaß an dem Buch haben können. Dafür sollte man mindestens Thorgal und XIII kennen, die Standardcomiclektüren der Vergangenheit (Lucky Luke, Die Schlümpfe, Tim und Struppi u.a.) und möglichst viele andere. Für den Gelegenheitsleser fehlt vermutlich der Bezug.

Die Parodie
Michel Rodrigue
(Toonfish-Verlag, 2016)
48 Seiten, Softcover
ISBN: 978-3-95839-923-5
Webseite: Die Parodie

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