Risen 3 Titan Lords: Enhanced Edition

Das Schönste kommt zum Schluss

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Vor etwa einem Jahr erschien für den PC und die Last-Generation-Konsolen der dritte und vorerst letzte Teil der Risen-Saga. Dabei mussten die Entwickler sich den Einschränkungen der mittlerweile neun Jahre alten Konsolenhardware fügen. Zum Glück ist die Technik nun endlich vorangeschritten und die PS4 liefert endlich alle Ressourcen, die das Spiel mit der PC-Version konkurrieren und sogar ein wenig besser aussehen lassen können.

Ich als überzeugter Konsolenfan bin froh über die Entscheidung, dass Piranha Bytes ihr letztes Risen noch einmal überarbeitet veröffentlichen. Und als Dreingabe gibt es noch alle erschienenen DLCs. Schade ist dabei aber, dass Content wie die Abenteurerrüstung sich gleich zu Beginn im Inventar befindet. Wo bleibt der Spaß, gleich am Anfang eine so mächtige Rüstung tragen zu dürfen? Seit Piranha Bytes' Erstlingswerk Gothic habe ich mich jedes Mal gefreut, wenn ich mir meine neue Rüstungen mühsam verdient habe. Andererseits, wer die starke Anfangsausrüstung nicht haben möchte, verkauft sie einfach. Ein bisschen Extrageld kann ja nicht schaden. Schließlich kostet es ja sogar Geld, wenn man nur eine Kneipe passieren (!) möchte.

Ein böses Erwachen

Aber nochmal von vorn: Als wir nach einem Alptraum aufwachen und mit unserer Piratenschiffscrew an Land gehen, sind wir auf der Suche nach einem Schatz. Mit dabei ist unsere Schwester Patty, bekannt aus den beiden Vorgängern. Damit ist auch klar, dass wir nicht mehr der Namenlose Held aus Risen 1 und 2 sind, sondern Pattys namenloser Bruder. Wir erkunden die Insel, sacken eine Menge Gold ein und finden schließlich eine Höhle. Aber anstatt eines Schatzes finden wir nur ein Portal, aus dem ein Dämon tritt, der uns tötet und unsere Seele frisst. Ende. Das war's Kinder, Spiel vorbei. Schlaft gut!

Okay, natürlich ist es das nicht. Wochen später wird unser toter Körper von einem Vodoopriester namens Bones wieder zum Leben erweckt. Aber unsere Seele müssen wir uns erst noch vom Dämon wiederholen und Patty ist auch verschwunden … mitsamt unseres Goldes, das wir so eifrig im Prolog gesammelt haben. Von nun an steht uns die ganze Welt offen: sowohl die Haupt- als auch die DLC-Inseln. Manche Orte dürften sogar noch aus dem Vorgänger bekannt sein. Aber um wirklich etwas bewegen zu können, müssen wir uns einer von drei Fraktionen anschließen: den Magiern, den Piraten oder den Dämonenjägern.

Egal wo wir als nächstes hinreisen, die Dämonen haben sich bereits überall breit gemacht. Damit wir auch gegen die großen Brocken eine Chance haben, sollten wir immer einen Kumpanen dabei haben. Zu Beginn erfüllt unser Vodoopriester diese Aufgabe sehr gut, später kommen noch weitere Figuren dazu. Aber mitnehmen können wir immer nur einen Begleiter.

Rum, Ruhm und Kollateralschaden

Anstatt eines Levelsystems sammeln wir durch das Erfüllen von Quests Ruhmpunkte, die wir in alle möglichen Attribute stecken können. Je nachdem, wie hoch das Attribut ist, können uns bestimmte NPCs gegen Bares neue Fähigkeiten beibringen. Wer sich beispielsweise an den zahlreichen Truhen versuchen will, sollte seine Fähigkeit im Schlösserknacken fördern. Man kann aber auch in Redefähigkeiten investieren, um neue Antwortoptionen freizuschalten, oder seine Kampfkünste verbessern. Wie auch schon im Vorgänger haben wir Nah- und Fernkampfwaffen und später auch Zauber zur Verfügung.

Das Kampfsystem ist dabei ein wenig gewöhnungsbedürftig. Greifen wir an und haben dabei Erfolg, verstärkt sich die Wirkung mit jedem folgenden Treffer. Alternativ kann man bei gedrückter Taste die Waffe aufladen und einen besonders schweren Schlag ausführen. Wer das Timing gut beherrscht, kann gegnerische Schläge parieren und kontern.

Aber leider finden Kämpfe nicht immer auf offenem Gelände statt. Es kam vor, dass ich eine Szene vier Mal wiederholen musste, weil während eines Gefechts in einer belebten Gasse ein offenbar blinder Passant in meine Klinge lief und das darauf folgende Massaker die halbe Stadt entvölkerte. Teilweise hat aber auch das automatische Zielsystem den falschen Gegner anvisiert, weil die nächste Figur nicht der Feind, sondern ein Zivilist war. So etwas ist ärgerlich und erfordert in den meisten Fällen ein Neuladen. Zum Glück sind die Speicherpunkte aber nie weit entfernt, vorausgesetzt, man hat automatisches speichern aktiviert. Allerdings hält das Spiel bei jedem Speichervorgang kurz an. Da die Speicherpunkte zufällig verteilt sind, kann das auch mal in einer ziemlich ungünstigen Situation passieren.

Freundliche Minderheiten und Schlaflose Nächte

Auf unserer Suche nach der eigenen Seele treffen wir auf unzählige NPCs mit Nebenaufträgen, die Hauptstory wird dabei nahezu verdrängt. Unsere Quests sind in der Regel Botendienste, das Bezwingen von Gegnern oder das Auffinden von Gegenständen. So generisch die einzelnen Aufgaben auch sein mögen, die Leichtigkeit und das lose Mundwerk der Inselbewohner erheitert das Gemüt. Besonders die Dialoge mit den Gnomen sind witzig inszeniert, zumal sie auch die sympathischsten Charaktere sind, da fast jeder Mensch ausnahmslos am Fluchen, Meckern oder Keifen ist … inklusive man selbst. Aber das macht Piranha Bytes-Spiele seit jeher eben aus. Wir spielen Vagabunden und benehmen uns auch entsprechend.

Die NPCs sind übrigens extrem paranoid: Betritt man private Räume (und sie sind nicht immer als solche gekennzeichnet), ist der Hausbewohner ganz schnell auf der Türschwelle und macht uns darauf aufmerksam, dass er jedes Stehlen mit roher Gewalt bestrafen wird. Und wenn wir nicht schleunigst wieder aus dem Raum gehen, greift er (und das gesamte Dorf) uns an. Das nenne ich mal konsequent. Dumm nur, wenn der Hausbewohner gleichzeitig den Ausgang versperrt. Dann sitzen wir solange fest, bis ihm der Kragen platzt. Das Spiel unterstellt uns ziemlich oft pure Bosheit und bestraft uns drakonisch dafür.

Ein weiterer Faktor, der die Story schwer greifbar macht, ist die Tatsache, dass wir nie wirklich schlafen müssen. Wir schlucken unseren heilenden Alkohol, der in großen Mengen vorhanden ist und später sogar selbst gebrannt werden kann, und legen uns nur dann aufs Ohr, wenn wir ein wenig Zeit vergehen lassen müssen. Und selbst nachts ist es hell genug, dass wir nicht zu übersehen drohen. So habe ich erst recht spät im Spiel herausgefunden, dass man im Schlaf eine Traumebene betreten kann, in der wir uns mit anderen verlorenen Seelen unterhalten können.

Fazit

Risen 3 bietet wie schon in den Vorgängern dreifachen Wiederspielwert, da jede Fraktionswahl die Questreihen der anderen beiden Fraktionen ausschließt. Die Hauptstory bleibt dabei aber weitestgehend gleich. Die Bosskämpfe sind schön herausfordernd, Cutscenes und Dialoge dagegen eher zweckmäßig und die Gesten wirken hölzern. Die Grafik selbst reißt keine Bäume aus, aber die Enhanced Edition ist von allen Versionen die schönste.

Piranha Bytes weiß die Massen zu spalten. Es gibt kaum vergleichbare Spiele mit solchen unverwechselbar ruppigen und irgendwie urdeutschen Charakteren. Aber man könnte auch behaupten, dass Piranha Bytes seit 2001 immer wieder das gleiche Spiel veröffentlicht. Wer einmal Fan der Gothic-Reihe war, der wird auch Risen 3: Titan Lords mögen.

Die Rezension des Grundspiels findet ihr hier.

Risen 3 – Titan Lords: Enhanced Edition
(Piranha Bytes, Deep Silver)
Plattformen: Playstation 4
Webseite: Risen3 Titan Lords: Enhanced Edition

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