4.5 /5

Retro-Rezi: Firefly – Das Spiel

Alles shiny, Captain: Die Firefly fliegt weiter

Kategorie: Brett- und Kartenspiele
Tags: Brettspiel Kompetitiv Heidelberger Asmodee Josh Whedon
von Ann A. Kalliope

Auch wenn die Serie bereits nach der ersten Staffel abgesetzt wurde, haben wir die Möglichkeit, die Abenteuer des Raumschiffs Serenity und anderer "Glühwürmchen" wieder neu aufleuchten zu lassen – im heimischen Wohnzimmer.

Allen eingefleischten Sci-Fi-Fans ist der Name Firefly natürlich ein Begriff. Mit Wehmut steigt man von Zeit zu Zeit in das Raumschiff Serenity, um sich in 14 Folgen plus Film zusammen mit der sympathischen Crew durch den Alltag im All zu boxen. Die eigenwillige Mischung aus Sci-Fi, Western und chinesischer Kultur war offenbar so gewöhnungsbedürftig, dass es zu keiner zweiten Staffel kam. Aber manchmal vermissen wir Captain Reynolds, Zoe, Jayne & Co und wollen mal wieder in alten Serenity-Zeiten schwelgen und schweben. Also, fix das Spielbrett aufgeklappt, die eigene Firefly drauf platziert und die Karten daneben gelegt.

Der Aufbau

Und Karten gibt es haufenweise. Sie werden beispielsweise benötigt, um Deals einzugehen, Crewmitglieder anzuheuern oder Ausrüstung zu kaufen. Konsequenterweise spielt deshalb Geld eine wichtige Rolle. Die Credits in Form von Papierscheinen werden ebenfalls am Rand sortiert. Die Schiffskarte, auf der der Name des gewählten Frachters prangt, legt man vor sich. Zudem entscheidet man sich für einen Captain, bekommt noch einen Antriebskern und ein Startkapital von 3000 Credits, und ab geht sie, die Firefly.

Hochwertige Optik und Haptik, da macht das Spielen gleich doppelt Spaß.

So spielt es sich

Der normale Rundenalltag als Captain ist eigentlich schon perfekt im Untertitel des Spiels auf den Punkt gebracht: "Finde eine Crew, finde einen Job, flieg weiter." Genau darum geht es.

Mit dem Startkapital sollte man anfangs ein, zwei günstige Crewmitglieder anheuern. Diese bringen idealerweise Fähigkeiten in Kampf, Technik oder Verhandeln mit, welche man als Captain selbst nicht vorzuweisen hat. Zeitgleich hält man die Augen nach Jobs offen, denn die Mannschaft will bezahlt und das Schiff muss einigermaßen zusammengehalten werden. Merke: Ersatzteile sind definitiv wichtig und Treibstoff ist schneller weg, als man denkt.

Während man versucht, als Captain Fuß zu fassen, hat man es nebenbei mit den aus der Serie bekannten Problemchen zu tun, als da wären: die Allianz, Steckbriefe, Gesetzlosigkeiten mit und wider Willen sowie unvorhergesehene Zwischenfälle unterschiedlichster Art inklusive todbringender Reaver. Das Leben im ‘Verse ist kein Zuckerschlecken und manchmal alles andere als shiny.

Hauptsächlich hantieren die Spieler mit ihren Figuren, den Karten und Geldscheinen. Proben werden seltener gewürfelt. Der eigene Zug besteht immer aus zwei von vier möglichen Aktionen:

  • Fliegen
  • Deal abschließen
  • Kaufen
  • Job anfangen bzw. beenden

Dabei darf jedoch dieselbe Aktion nicht zweimal hintereinander ausgeführt werden, was sich taktisch als hinderlich erweisen kann.

Darauf läuft’s schließlich hinaus

Während des Spiels erledigt man legale und illegale Aufträge, deren Bandbreite von einfachen Frachtflügen über Schmuggeljobs bis hin zu ausgewachsenen Verbrechen reicht. Manchmal muss man auch raufboldartig provozieren, wobei der Ausgang der Situation stets ungewiss bleibt. Ist der Job erledigt, erhält man seinen Lohn.

Damit das alles letztlich irgendwohin führt, gibt es noch eine sogenannte Storykarte. Diese ist im Endeffekt ein großer Job, der in drei Ziele unterteilt ist. Für jedes einzelne dieser Ziele sollte man, was Fähigkeiten und Geld anbelangt, schon ordentlich aufgelevelt sein. Alle Spieler müssen diese Ziele nacheinander erledigen. Wer das als erstes schafft, gewinnt das Spiel.

Noch eine Bemerkung zu Allianzkreuzer und Reaverschiff: Beide kann man den Mitspielern auf den Hals hetzen. Somit werden diese zusätzlich unter Druck gesetzt und man selbst gewinnt möglicherweise Zeit. Aber, wie es das ‘Verse so will, können sowohl die Weltraumpolizei als auch die bestialischen Bestien bei entsprechender Karte plötzlich aus dem Nichts vor der eigenen Nase auftauchen. Und dann hat man hoffentlich eine saubere Weste bzw. einen Piloten, einen Mechaniker und genügend Treibstoff an Bord, sonst kann es ganz schnell ganz hässlich werden. Allianz, Reaver und Konkurrenz.... es gibt Tage im Leben eines Captains...Allianz, Reaver und Konkurrenz  gleich drei Dinge auf einmal.
Das geht nun wirklich nicht? Doch, im 'Verse schon.


4.5 /5

Das meint Ann

Firefly – Das Spiel orientiert sich wirklich stark an der Serie, sowohl was den Spielmechanismus, als auch die Charaktere, Orte und Jobs anbelangt. Nach klassischer Pickup-and-Delivery-Art erledigt man etwa für Harken, Patience und Niska so manchen aus der Serie bekannten Job, seien es Zugüberfall oder Viehtransport. Das gefällt und lässt die Firefly-Erinnerung aufleben.

Das Spiel spielt sich flüssig. Da die Aktionenzahl pro Runde auf zwei begrenzt ist, entsteht ein angenehmer Spielerwechsel. Das Warten hält sich in Grenzen. Steuert man seine Firefly mal nicht von einem Planeten zum anderen oder strandet ungewollt im All, ist man eigentlich ständig gezwungen, Geld einzunehmen und auszugeben. Hält man dabei Einnahmen und Ausgaben einigermaßen ausgewogen, wird man, auch bei knapper Kasse, immer ein bisschen besser.

Die Zeitangabe für eine Partie ist allerdings optimistisch. Nur wenn alle Spieler die Regeln verinnerlicht haben, strebsam und riskioreich spielen, wird es was mit den zwei Stunden. Diejenigen, die es lieber ruhiger angehen lassen, rechnen noch mindestens eine Stunde drauf.

Alles in allem ist Firefly – Das Spiel eine gelungene Story-Umsetzung und lässt die Spieler ins ‘Verse eintauchen. Wer also ein spannendes Sci-Fi-Brettspiel mit Nostalgie-Charme erleben möchte, ist damit gut bedient. Auch für Spieler, die die Serie nicht kennen, ist Firefly empfehlenswert, da kein Hintergrundwissen notwendig und das Spiel nicht zu anspruchsvoll ist. Zudem sitzen die Regeln nach einigen Runden schon recht fest.

Also heuern wir eine Mannschaft an, angeln uns einen Job und machen das ‘Verse mit unserer Firefly unsicher. Oder um es mit den Worten von Captain Malcom Reynolds zu sagen: "Sie haben einen Job, wir erledigen ihn. Ziemlich egal, was es ist." So isses, shiny!

Zur Zeit ist Firefly - das Spiel out of Print, der Rezension lag die private Deluxe Ausgabe der Rezensentin zu Grunde.

Positiv:

+ hochwertiges Spielmaterial und gutes Regelheft
+ einfach zu lernen
+ angenehme Rundendauer
+ Solo-Spiel möglich
+ Nostalgie-Faktor für Kultliebhaber

Negativ:

- kann sich hinziehen

Ann A.  Kalliope
Über den Autor

Autorin mit viel Phantasie und Faible für Herzblut-Geschichten

Artikel: Retro-Rezi: Firefly – Das Spiel
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