Resident Evil Origins Collection

Es begann vor 20 Jahren in einem Herrenhaus ...

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2015 veröffentlichte Capcom eine für HD-Fernseher angepasste Version ihres Zombie-Horror Klassikers Resident Evil aus dem Jahr 1996. Ein Jahr später und pünktlich zu seinem 20. Geburtstag legten sie außerdem das Prequel Resident Evil Zero von 2002 nach und veröffentlichten beide Teile als Resident Evil Origins Collection auch auf Disk.

Als wir Resident Evil im Jahre 1996 zum ersten Mal anspielten, waren die meisten heutigen Zocker noch nicht einmal geboren. Ein kurzer Live Action Introfilm mit unglaublich trashigem B-Movie Flair stimmte uns auf das folgende Adventure ein.

Das Alphateam von STARS unter der Führung von Albert Wesker untersucht einen Vorfall bei dem das Bravoteam in den Wäldern von Raccoon City verschollen ist. Angeblich gab es Gerüchte über einen kannibalistischen Kult, der hier sein Unwesen treibt. Doch das Team erkennt schnell, dass es sich nicht um normale Kannibalen handelt, als es von einer Horde von Zombiehunden angegriffen wird. Mit letzter Kraft schaffen es vier Teammitglieder in das nahegelegene Anwesen, wo wir uns entweder für die Perspektive von Chris Redfield oder Jill Vallentine entscheiden. Wir erfahren von den üblen Machenschaften der berüchtigten Umbrella Corperation, die ihren Zombievirus als Biowaffe einsetzen will.

Der eher belustigende Introfilm sowie das gesamte Spiel wurden für die im Jahr 2002 erschienene aufwändige und weitaus spannender inszenierte Neufassung für Nintendos Gamecube komplett überarbeitet. Die 20-jährige Jubiläumsausgabe ist daher eine auf HD hochskalierte Version der Gamecube-Variante von 2002.

Die Zombies aus dem Labor, die Steuerung aus der Hölle

Jedoch wurde am Spielprinzip nur wenig geändert. Die starren Hintergründe, welche die Zombies meistens in den toten Winkel setzen, die damit verbundene Steuerung, mit der wir aus der Blickrichtung der Spielfigur lenken müssen, und das sehr begrenzte Inventar galten damals als Stilmittel, um das Spiel atmosphärischer zu gestalten. Heute sind diese Elemente für Spieler ohne Nostalgiebrille nur noch ein Ärgernis. In den Optionen können wir nun zumindest die Steuerung auf die Sicht des Spielers umändern.

Doch noch immer ballern wir blind auf Zombies, die irgendwo jenseits des Bildschirms stöhnen. Viele Probleme ließen sich verhindern, wenn wir gezielt auf den Kopf schießen könnten. Stattdessen verpulvern wir wertvolle Munition, indem wir ganze Magazine in den unbeeindruckten Zombie-Torso leeren. Besiegte Zombies verwandeln sich später in die schnelleren und aggressiveren Crimson Head Zombies, wenn wir die Leichen nicht unmittelbar nach ihrem untoten Ableben verbrennen.

Auch das ist leichter gesagt als getan: Zum Verbrennen braucht es neben einem Feuerzeug auch Benzin und einen Kanister. Unser volles Inventar mit lediglich sechs Fächern, oder im Falle von Jill maximal acht Fächern, erlaubt solch einen Luxus nicht. Ein gut platzierter Kopfschuss beim ersten Aufeinandertreffen hätte die Transformation verhindert.

Damit wir speichern können, benötigen wir Tinte. Auch diese nimmt Platz im Inventar weg und ist zudem begrenzt. Wollen wir uns heilen, sammeln wir rote oder grüne Kräuter. Pistole und Munition nehmen jeweils zwei volle Inventarplätze weg. Ein Gewehr mit Munition sogar drei. Und dann wären da noch die zahlreichen Puzzles und Schlüssel, die wir sammeln müssen, um in der Handlung weiterzukommen. Glücklicherweise gibt es Truhen, in denen wir überschüssiges Material lagern können. Entdecken wir später woanders eine neue Truhe, befinden sich auch unsere zuvor verstauten Items darin.

Ja, das war damals alles normal. Die beklemmende Atmosphäre, die Munitionsknappheit und die behäbige Spielgeschwindigkeit trugen zum Erfolg der Serie bei. Die Spannung überwog die Action und selbst in Bosskämpfen waren der größte Feind keine zu schnellen Quicktime-Sequenzen, sondern die schlechte Vorbereitung für den Kampf und die sperrige Steuerung selbst. Der Bildschirmtod konnte uns manchmal Stunden zurückwerfen, sofern man denn geizig mit seiner Tinte war.

Nostalgiker und Fans des Originals kennen all diese Probleme und wissen sie mehr oder weniger zu umgehen. Wer den ersten Ableger jedoch noch nicht kennt und sich zum Ursprung der Resident Evil-Reihe vorwagen möchte, der sollte sich im Klaren sein, dass der Komfort der heutigen Zeit im Jahre 1996 noch nicht existierte. Die B-Movie Wurzeln spiegeln sich auch weiterhin in den Dialogen wider. Die Optik hingegen wurde nicht zuletzt durch das 2002er Gamecube Remake auf das Niveau eines Blockbustertitels angehoben. Statt Schauspielern sind alle Figuren gerendert und haben bis zu den aktuelleren Teilen den gleichen Look behalten.

Vor der Eins kommt die Null

Basierend auf dem Remake des ersten Resident Evils veröffentlichte Capcom noch im selben Jahr das Prequel Resident Evil Zero. Wir erleben nun endlich die Vorgeschichte zum Klassiker. Was genau geschah mit dem Bravoteam? Nach dem Absturz des Helikopters stößt das Bravoteam auf einen verlassenen Zug. Doch all zu verlassen ist dieser Zug dann doch nicht. Bereits kurz darauf erwachen die ersten Fahrgäste zu neuem untoten Leben. Doch diese Zombies sind anders und sie scheinen sich aus einer Art Egeln zusammenzusetzen. Als sich daraufhin der Zug in Bewegung setzt, beginnt ein haarsträubendes Abenteuer, das die Ereignisse des ersten Spiels in Gang setzen wird.

Hier steuern wir nicht nur eine Person, sondern zwei: die Sanitäterin des Bravoteams Rebecca Chambers und den entflohenen Ex-Sträfling Billy Coen. Die beiden Protagonisten trauen sich zwar zu Beginn nicht über den Weg, aber es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich gegenseitig zu unterstützen. Wir schalten zwischen den beiden hin und her. Nur wenn beide eng zusammen stehen, können sie Gegenstände untereinander austauschen. Damit verdoppelt sich der Inventarplatz. Sind wir dennoch einmal überladen, können wir den Gegenstand einfach auf den Boden legen und später wieder abholen. Wie auch im Vorgänger sind die Hintergründe statisch und wir feuern oftmals blind auf Zombies, die nicht im Bild sind. Durch das Wechseln der Figur sind übrigens einige Buttons vertauscht. Da das Spiel jedoch nicht darauf hinweist, kann die erste Begegnung für Unwissende mit leichten Bissspuren am Hals enden. Trotz der Zusammenarbeit der beiden Figuren ist Resident Evil Zero ein reines Singleplayer-Spiel.

Fazit

Die Resident Evil Origins Collection ist ein cleverer Schachzug Capcoms, um nach dem eher enttäuschenden sechsten Teil der Serie die Wurzeln wieder ins Gedächtnis zu rufen. Abgesehen von einer auf HD hochskalierten Optik und einer leicht zugänglicheren Steuerung hat sich seit 2002 nicht viel geändert. Veteranen können einmal mehr ihrer Nostalgie fröhnen. Neulinge werden vor eine Geduldsprobe gestellt, die sie so in der heutigen Zeit nirgendwo anders finden werden. Seinen Status als den Wegbereiter des Survival-Horrors wird Resident Evil aber nicht verlieren. Somit spielt man nicht nur den Beginn einer nun 20 Jahre andauernden Saga, sondern auch ein Stück Videospielgeschichte.

Resident Evil Origins Collection
Plattform: PS4, Xbox One, PC
(Capcom, 2016)
Webseite: Resident Evil Origins Collection

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