Quantum Break

Ein Spiel, eine TV-Serie und ein Briefroman

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Wer Remedys Spielevita genauer betrachtet, wird feststellen, dass sie es waren, die die Zeitlupe anno 2001 mit Max Paynes Bullet Time spielerisch marktreif machten. Damals verlangsamten wir die Zeit per Knopfdruck und konnten dadurch akkurater zielen. Wo 2001 allerdings noch Maxs übermenschliche Reflexe die Ursache waren, sind in Quantum Break nun Zeitanomalien der Auslöser.

Jack Joyce, wird nach 6 Jahren Abwesenheit von seinem alten Freund Paul Serene in seine ursprüngliche Heimat zur Riverport University gerufen, um ihm bei einem umstrittenen Zeit-Experiment zu helfen. Doch was problemlos anfängt, endet in einer Katastrophe: Das schwarze Loch kollabiert und erzeugt einen Riss in der Zeit, der zum ultimativen Ende der Zeit führen wird. Jacks älterer Bruder William, der bei der Entwicklung mitwirkte, sah dies voraus, aber verhindern konnte er es nicht.

Die Zeitexplosion setzt eine Welle von Chrononpartikeln frei, was sowohl Jack als auch Paul die Fähigkeit verleiht, auf unterschiedliche Weise die Zeit zu manipulieren. Während Paul Serene durch das Zeitportal flieht, werden Jack und William plötzlich von Monarch-Truppen verfolgt. Monarch, ein Großkonzern, dessen Macht im letzten Jahrzehnt unaufhaltsam anstieg und dessen Ziele niemand richtig kennt. Als Kopf dieser ominösen Organisation identifiziert sich erst am Tag der Anomalie ein um Jahrzehnte gealterter Paul Serene, der alles andere als freundlich auf Jack und William Joyce zu sprechen ist. Jack kann zwar fliehen, doch nun muss er alles daran setzen, den ultimativen Zeitkollaps zu verhindern und Paul aufzuhalten. Kein leichtes Unterfangen, denn der Feind hat die Zukunft bereits gesehen.

Das perfekte Spiel zum Zuschauen

Die spannende Hintergrundgeschichte zählt definitv zu den Höhepunkten des Spiels. Die Charaktere wirken greifbar und komplex. Sämtliche Protagonisten werden von bekannten Realschauspielern verkörpert. Neben Shawn Ashmore (X-Men) als Jack und Dominic Monaghan (Herr der Ringe) als William wirken auch Serienschauspieler wie Aidan Gillen (Game of Thrones) als Paul Serene und Lance Reddick (Lost) als Martin Hatch mit. Dieses hohe Aufgebot an bekannter Holywood-Präsenz kommt nicht von ungefähr: Das Spiel ist in fünf Episoden unterteilt und bietet obendrein vier 22-minütige Realfilm-Episoden, in denen wir mitbekommen, was Monarch im Hintergrund treibt, während wir uns andererorts durch die Level kämpfen.

Vor den jeweiligen Live-Action-Episoden schlüpfen wir immer kurz in die Haut unseres Antagonisten Paul Serene und entscheiden uns für eine mögliche Zukunft. Dank seiner Chronon-Mutation ist dieser in der Lage, die Auswirkungen seiner Entschlüsse vorherzusehen. Auf das Ende wirken sich diese Entscheidungen jedoch nicht aus. Quantum Break läuft auf das gleiche Ende hinaus, lediglich der Weg dorthin kann in Abhängigkeit von unseren Entschlüssen leicht variieren. Durch die extrem hohe Datendichte befinden sich die Filmepisoden übrigens nicht auf der Disk selbst. Wer eine langsame Bandbreite und beim Stream mit Verbindungsproblemen zu kämpfen hat, kann sich das rund 72 GB große Datenpaket auf seine Festplatte herunterladen.

Der Tag, an dem die Erde zeitweise stillstand

Das Level-Design gehört ebenso zu den Highllights des Spiels. Durch die Zeitexplosion friert die Zeit immer wieder ein, wodurch Jack Joyce sich die Auswirkungen zunutze machen kann. So stehlen wir ahnungslosen Monarchsoldaten die Gewehre aus der Hand, mit denen sie unschuldige Zivilisten bedrohen. Doch auch Monarch hat sich vorbereitet: Mit ihren Chronon-Anzügen können sich einige von ihnen genauso flink bewegen wie Jack und somit auch bei einem Zeitstopp bedrohlich werden. Zum Glück hat Jack ein paar Tricks auf Lager: Wir können zum Beispiel blitzschnell ausweichen (Flashen), oder Gegner in einer temporären Zeitblase festhalten, auf die wir anschließend ohne Gegenwehr ein ganzes Magazin entleeren. Besonders mächtige Fähigkeiten wie die Zeitexplosion benötigen eine längere Aufladezeit, bis sie wieder benutzt werden können. Zusätzlich können wir mit unserer Fähigkeit Zeitblick nicht nur Gegner farblich hervorheben, sondern auch versteckte Chronon-Quellen lokalisieren, mit denen wir unsere Fähigkeiten weiter verbessern. Trotz der Ausrüstung sind Monarchsoldaten nur in der Masse wirklich eine Gefahr, da Jacks Kräfte in der Kombination mit der automatischen Deckung den meisten Gegnern haushoch überlegen sind.

Neben den Shooter-Passagen finden wir immer wieder Stellen, an denen wir die Zeitmanipulation nutzen müssen, um blockierte Stellen vorübergehend begehbar zu machen. Mal setzen wir eine eingestürzte Brücke wieder zusammen, mal spulen wir zu einem Zeitpunkt zurück, an dem das Hindernis noch nicht dort war. Aber dieser Zustand hält nur wenige Sekunden an. Mit dem richtigen Timing schaffen wir es unbeschadet durch eine Zeit-Anomalie, in der wir normalerweise keine Sekunde überleben würden. Das macht nicht nur unheimlich viel Spaß, sondern sieht auch überwältigend aus.

Das Kleingedruckte nicht vergessen

Doch einen Großteil der Level verbringen wir weder schießend noch kletternd, sondern lesend. Wer die Hintergrundgeschichte von Quantum Break vollständig erfassen möchte, muss sich durch Dutzende von Emails scrollen. Wärend Jack die Büroräume von Monarch durchstreift, befinden sich auf den Monitoren sämtliche offenen Emailprogramme des Konzerns. So bekommen wir die eigentliche Verschwörung in den eigenen Reihen zu Gesicht. Wer nicht gerne liest, verpasst hier sogar einen Großteil der Hinweise, die für spätere Entscheidungen hilfreich sein können.

Dieser akribischer Hang zum Detail ist ein Markenzeichen Remedys. Jedoch bremst es den Spielefluss so gewaltig, dass die Elemente, anders als in Remedys letztem Meisterwerk Alan Wake, kaum ineinander übergehen. Die Frage, wann die Antagonisten die Zeit hatten, so lange und zeitweise sehr förmliche Emails zu schreiben, und warum diese alle in ihrer Abwesenheit geöffnet sind, ist dabei zu verschmerzen. Stellenweise wechseln wir von einer zehnminütigen Lesepause in ein dreiminütiges Gefecht, um anschließend ein Rätsel zu lösen oder wieder zum Datenvoyeur zu werden. Die spannende Story hält uns dabei jederzeit in Atem, sorgt aber durch den schwachen Fokus auf das eigentliche Gameplay für einen sehr geringen Wiederspielwert.

Fazit

Quantum Break versucht die Kombination aus aktivem und passivem Erleben und wirft den Spieler in eine Achterbahn aus Adrenalinstoß und Lesepause. Die Handlung fesselt und lässt uns mit den Protagonisten mitfiebern. Das starke Staraufgebot liefert mit seinen charismatischen Charakteren ein Ensemble, das uns nicht egal ist. Dennoch leidet das Spiel zu stark an seiner Passivität und weckt den Wunsch nach mehr Gameplay. Die Gefechte und die spektakulären Level sind genau das, was Quantum Break zu einem Ausnahmeshooter macht.

Remedy dankt seinen Fans übrigens nicht nur mit einer ganzer Menge Fanservice vorheriger Werke innerhalb des Spiels, sondern legt zusätzlich auch noch den Xbox 360-Code für Alan Wake als Geschenk bei. Kein Wunder, denn der mysteriöse Autor lebt im selben Universum wie Jack Joyce und Co. Wer weiß, vielleicht gibt es
eines Tages sogar ein Crossover.
Käufer der PC-Version haben übrigens mit Performance-Problemen zu rechnen. Zudem läuft das Spiel lediglich auf Windows 10-Systemen. Die Konsolen-Version läuft hingegen problemlos.

Quantum Break
(Remedy Entertainment/MicrosoftStudios 2016)
Plattformen: Xbox One, PC
Webseite: Quantum Break

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