Phantastika 2017

Das Festival der Phantastik

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Phantastika 2017 - News

Die Vereinigung von phantastischer Literatur in all ihren Erscheinungsformen war Ziel der Veranstaltung. Diese sollte gepaart werden mit der Möglichkeit, alle Phantastik-Begeisterte unter einem Banner zu versammeln und wurde ausgetragen durch den Organisator Der Verlag in Farbe und Bunt.

Zentrale Location in familienfreundlicher Lage


Samstag, 10:30Uhr. Während andere Menschen sich auf die Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg vorbereiten, sause ich mit meinem Cityflitzer über die Autobahn, um die erste Phantastika überhaupt zu besuchen. Eigentlich hätte ich auch mit dem Zug fahren können, liegt der Bahnhof doch nur wenige Gehminuten vom CongressCentrum Oberhausen entfernt. Aber die Anreise mit dem Auto gestaltet sich genauso einfach, immerhin befindet sich ein kostengünstiges Parkhaus direkt hinter dem Veranstaltungsort. Die verkehrsberuhigte Straße und der einladende Bereich vor dem Eingang sind bereits gespickt mit Kindern aller Altersstufen, die fröhlich mit Lichtschwertern in sämtlichen Farben aufeinander einprügeln. Durch dieses lustige Treiben weiß ich dann auch, dass ich hier richtig bin, obwohl ich von der Seite aus anfahre, die leider nicht so gut ausgeschildert ist.

Nachdem ich mich durch einen Wald an Lichtschwertern gewunden habe, die auf Befehl des Workshopsleiters der Lichtschwertschule fachmännisch umhergewirbelt werden, werde ich noch vor dem Betreten des Gebäudes vom doppelstöckigen Lesebus und dem Amt für magische Wesen begrüßt. Letzteres wartet nicht nur mit einem üppigen Infostand, sondern auch mit zwei sehr professionell wirkenden Einsatzfahrzeugen auf, die schon ganz schön Eindruck schinden.

Das CongressCentrum selbst birgt drei Etagen, die ausreichend Raum für Workshops, Lesungen und die Verleihung des Deutschen Phantastik-Preises anbieten. Auch Catering in einer Cafeteria und auf einer gemütlichen Terrasse fehlen nicht, sodass dem Mittagessen mit einem frischergatterten Buch nichts im Wege steht.

Mit wehendem Umhang durchs Angebot

Am Eingang werde ich bürokratiegetreu mit einem güldenen Bändchen ums Handgelenk als „anwesend“ markiert und werde an der Infothek mit einem Tütchen voller Infomaterial belohnt. Ausgerüstet mit Programm, Lageplan und der obligatorischen Werbung wage ich den ersten Schritt ins bunte Treiben und betrete das Treppenhaus. Dort begrüßen mich auch schon die ersten Stände mit Gesellschaftsspielen, Schmuck und literarischen Werken des Selfpublishers Florian Clever, der mit mir locker über Low und High Fantasy plaudert. Nachdem ich die drei Stände hinter mir gelassen habe, erobere ich den 1. Stock, der das Zentrum des Geschehens bildet. In recht verwinkelten Räumen und Sälen stehen Verlage und Verkaufsstände dicht an dicht und locken mit Fantasy- und Science-Fiction-Werken in den schillerndsten Farben und Erscheinungsformen. Mit der Handykamera versuche ich, mir eine Liste von Büchern zu erstellen, die auf meine Leseliste sollen, doch nach wenigen Momenten ist klar, dass ich hier nichts weiter veranstalte als eine gestandene Serienaufnahme. Neben bekannten Werken wie Die Zwerge von Markus Heitz und Mara und der Feuerbringer von Tommy Krappweis finden sich aber auch zahlreiche weitere Geschichten, die nicht minder erfolgsversprechend und spannend klingen.

Einige Rückentexte und Fotos später traue ich mich mal, den Blick zu heben und mich weiter umzusehen und kann ein begeistertes Quietschen ob der Dr. Who-Ausstellung nicht unterdrücken, die sich im Zentrum des Saales London präsentiert. Rockin Robin, der eigentlich aus der Cosplay-Szene stammt, steht im Astronautenanzug direkt vor seiner T.A.R.D.I.S. und winkt mich mit schelmischem Grinsen heran. Nachdem er seinen Helm aufgezogen hat, der ihn sofort zu einem Vashta Nerada-gesteuerten Totenastronauten macht, schießen wir ein paar lustige Fotos. Die Gelegenheit muss man selbstverständlich nutzen, also lasse ich mir direkt noch den Werdegang der Dr. Who-Ausstellung berichten, die heute als die größte in Deutschland zählt. Robins Augen leuchten, während er von seinen Exponaten plaudert und wir über den Sinn und Unsinn eines weiblichen Doktors diskutieren. Als ich den Stand verlasse, zähle ich zur Sicherheit noch meine Schatten, und mache mich auf in den nächsten Saal, in dem weitere fantasievoll gekleidete Fans ihr Unwesen treiben und zum spontanen Shooting locken.

Plötzlich Prominente!

Auf dem Weg dorthin wäre ich fast in Ian Beattie reingekracht, der wild gestikulierend und mit satter Stimme in sympathischem Englisch irgendwas erzählt. Leider verstehe ich nicht, was er sagt, weil ich mich darauf konzentrieren muss, nicht gegen irgendwelche Stände zu laufen, während ich ihn anstarre. Der stattliche Krieger, den wir alle als Ser Meryn Trant aus der Kingsguard der Red Keep aus Game of Thrones kennen, sieht gar nicht aus wie eine tödlich-humane Waffe, sondern wie ein irgendwie vergnügt grinsender normaler Mensch mit Hang zur Begeisterung und Schelmerei. Anquatschen mag ich ihn aber lieber nicht, die Kingsguard ist mir im Verlaufe der Staffeln dann doch zu skurril geworden. Da schaue ich mir lieber das weite Spektrum an Möglichkeiten an, das sich vor mir ausbreitet. Jeder Verlag hat einige seiner Autoren mitgebracht, sodass sich die einmalige Gelegenheit bietet, den ein oder anderen mal nach den Hintergründen einer Geschichte auszuquetschen oder peinliche Fragen zu den Charaktereigenschaften der Figuren zu stellen. Die Autoren stehen engagiert Rede und Antwort und bestätigen, was sie im Innersten ausmacht: die Liebe zur Phantastik. Natürlich geben sie auch Autogramme während und außerhalb der angekündigten Signierstunden und laden zu Lesungen ein, in denen sie mit eigener Stimme und Intonation ihre Werke zum Besten geben.

Neben bekannten Autoren und Illustratoren sind aber auch Weltrekordler und Wissenschaftsexperten im Haus. Besonders die Time-Lapse-Videos der ISS haben es mir angetan, ebenso bin ich auch vom Angebot an wissenschaftlichen Vorträgen und Workshops überrascht, obwohl ich keinen einzigen davon besucht habe. Dr. Dr. Gert Mittring zeigt, was man mit Naturwissenschaften so alles anfangen kann und bricht mal eben so den Weltrekord im enormen Wurzelziehen aus exorbitanten Zahlen auf Zeit. Die Worte, die mir fehlen, um mein Staunen darüber auszudrücken, könnte ich vielleicht im Klingonischen finden, hätte ich zuvor den Vortrag von Lieven L. Litaer besucht, der die Sprache nicht nur fließend spricht, sondern auch unterrichtet.

Da ich mich beruflich und privat schon genug mit Sprachen beschäftige, klappe ich den staunenden Mund jedoch wieder zu, schaue mir noch eine kleine Vorführung des Saberprojects an, das mit ausgefeilter Technik kampfbereite Lichtschwerter mit austauschbaren Klingen anbietet. Am Stand für Kinder- und Erwachsenenschminken könnte ich mich auch gleich als Darth Irgendwas zurechtmachen lassen oder das Universum wechseln, um dem Borg-Schwarm beizutreten. Ich entschließe mich für keins von beidem und besuche lieber Matthias Teut und Nicole Gozdek, die beide für den Deutschen Phantastik-Preis in der Kategorie „Bester Deutschsprachiger Debütroman“ nominiert sind und sich für Interviews bereiterklärt haben (natürlich folgen die entsprechenden Artikel in den kommenden Tagen).

Die Verleihung des Deutschen Phantastik-Preises

Am Abend warten alle gespannt darauf, dass sich die Türen zum Saal „Berlin“ öffnen, in dem die Verleihung des Deutschen Phantastik-Preises stattfinden soll. Angekündigt ist eine Veranstaltung mit Artistik, Tanz und musikalischen Darbietungen. Ergänzt wird das Programm durch einen Weltrekordversuch des schon bejubelten Dr. Dr. Mittring, die Reden der Laudatoren, die ihre Kategorien anpreisen, und einen Lichtschwertkampf, der sich gewaschen hat. Über die kleinen technischen Patzer wissen die jeweiligen Redepultbesetzer mit neckenden Einlagen hinwegzutrösten. Der Mangel an anwesenden Gewinnern trübt das Fan-Herz auch ein wenig. Die Phantastik-Szene mag ja eine „familiäre“ sein, aber auch wenn „nur“ um die 2000 Besucher zum phantastischen Festival zugegen waren, wäre es natürlich schön, wenn die Phantastik-Szene und ihre Cons größer und populärer würden. Trotz einiger freier Stühle kam der Abend einem feierlichen Miteinander doch sehr nahe, aufgelockert durch die Vielfalt, die das Genre zu bieten hat und mit einigen Schmankerln für Augen und Ohren. Der Eintrittspreis für den Abend lag mit 6 Euro auch im Bereich des Möglichen.

Fazit

Die Organisation und Struktur mag an manchen Ecken noch nach Verbesserung jubeln und das Angebot ist für manchen Großveranstaltungs-Fan vielleicht etwas zu familiär, aber Vorteile bot ein Besuch der Phantastika nichtsdestotrotz. Denn auch wenn der Eintrittspreis mit 18 Euro noch über dem der RPC in Köln und ähnlich dem der Gamescom ist, findet man auf letztgenannter sicher nicht an jeder Ecke einen plauderbereiten Promi aus beliebten Werken der Szene, der mit einem vor der verwackelten Handykamera Blödsinn macht. Möchte man nur Stände allein erkunden, ist man recht schnell durch das Angebot hindurch, für alle, die sich auf Vorträge, Workshops und Lesungen freuen, bietet die Phantastika eine Vielzahl an Möglichkeiten. Je nach Material und Gage kostet ein Workshop zwar einen Aufpreis zwischen 6 und 25 Euro, für den Höchstpreis darf man sich dann allerdings auch mal mit einem Mitglied der Königsgarde auf dem frischgemähten Rasen prügeln.

Ich hatte viel Spaß auf der Phantastika,auch wenn ich an den Workshops nicht ganz so viel Interesse hatte. Ein Vortrag von Tommy Krappweis hat mir viel Freude bereitet, die zahlreichen Gespräche mit den Autoren und Ausstellern würde ich jederzeit wiederholen und die Atmosphäre kann ich nur anpreisen. Gerade weil die Hallen nicht so überlaufen waren und man nicht für jeden Krempel Schlange stehen musste, fand ich die soziale Ader des Ganzen richtig gut und ich habe meine Zeit auch ohne Workshops gut rumgekriegt. Man muss ja auch nicht immer durchs Programm hetzen und kann sich in der eigenen Quality-Time auch ruhig mal gemächlich durch fremde Welten treiben lassen.

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