Persona 5

Maskenball im Herzen Tokyos

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Nach einer endlosen Durststrecke erfreut uns Atlus endlich mit einen Nachfolger der Persona-Reihe. Persona 5 ist die nunmehr fünfte Fortsetzung eines Spin-Offs der Shin Megami Tensei-Reihe. Der letzte Teil liegt acht Jahre zurück und erschien damals für die PS2. In der Zwischenzeit erschienen zwar weitere Spin-Offs für PS-Vita und 3Ds sowie zwei Beat Em Ups, auf einen offiziellen neuen RPG-Ableger mussten Fans allerdings über eine komplette Konsolengeneration warten. Im April war es auch in Europa endlich so weit. Mit fast einem Jahr Verspätung erschien das Ausnahme-JRPG nun auch außerhalb Japans.

Persona 5 ist ein eigenständiges Spiel und benötigt keine Vorkenntnisse über die vorherigen Teile. Charakteristisch für die Serie ist, dass unser Protagonist ein gewöhnlicher japanischer Schüler ist, dessen Alltag sich nicht von dem anderer Schüler unterscheidet.

Unverzeihliches Japan

Ok, das stimmt nur bedingt, denn unsere Figur ist ein Pechvogel mit reinem Gewissen. Doch in Japan ticken die Uhren anders, als in unseren Landen und eine vermeidlich heroische Tat führt ihn geradewegs in eine Abwärtsspirale, wie sie für uns eher unvorstellbar ist. Auf seinem Heimweg wird er Zeuge eines Sexualverbrechens. Nur sein beherztes Eingreifen verhindert Schlimmeres. Allerdings ist der Täter ein ranghoher Politiker und die Justiz geschmiert.

Unser Protagonist wird als Krimineller abgestempelt und einer Tat beschuldigt, die er eigentlich verhindern wollte. Die Familie fürchtet um ihre Ehre und verstößt ihn, um eine weiße Weste zu behalten, indem sie ihn zu einem Bekannten nach Tokyo schickt. Unser Ruf eilt uns derweil voraus. Bereits am ersten Schultag an der neuen Schule tuschelt nahezu jede Person hinter unserem Rücken, die Lehrer begegnen uns mit Misstrauen und Abscheu. Am liebesten wollen sie uns gleich wieder loswerden. Dazu ist ihnen jedes Haar in der Suppe recht.

Von nun an erleben wir den Alltag eines gemobbten Schülers und müssen selbst entscheiden, wie wir unsere Zeit organisieren und anderen Menschen begegnen. Wir gehen zur Schule, reisen in völlig überfüllten U-Bahnen von Ort zu Ort, arbeiten in diversen Nebenjobs und bemühen uns um ein erträgliches Sozialleben. Nachts gehen wir schlafen. Und hier verlassen wir den Pfad einer Alltagssituation.

Karma-Police

Wir erwachen im Velvet Room. Persona-Veteranen kennen diesen bereits aus vorherigen Teilen. Ein langnasiger Mann namens Igor und zwei strenge junge Wächterinnen begrüßen uns in unserer Zelle, denn in Persona 5 ist der Velvet Room ein Gefängnis. Unsere Aufgabe ist es, die Herzen der korrumpierten Menschen zu reinigen.

Das Gefängnis dient dazu, unsere gefangenen Personas zu verwalten und zu trainieren. Mit diesen Personas kämpfen wir in der Palastwelt gegen die zur physischen Gestalt gewordene, verdorbenen Psyche der korrumpierten Menschen. Das klingt zuerst wirr, insbesondere da wir diese Welt mit Hilfe einer App betreten können. Hat man sich jedoch einmal an dieses Gameplayelement gewöhnt fügt es sich hervorragend in die Erzählung ein.

Natürlich sind wir auf unserer Mission nicht allein. Bereits zu Beginn treffen wir den blonden Außenseiter Ryuji, sowie die geheimnisvolle Morgana, ein katzenähnliches Wesen, das besonders viel über die Palastwelt zu wissen scheint. Später stoßen Mitschülerin Ann und weitere Figuren hinzu, mit denen wir die Gemeinschaft der Phantomdiebe gründen. Doch der Feldzug gegen die Korruption bringt nicht nur Ruhm mit sich und bereits der Prolog des Spiels offenbart, dass etwas schrecklich schief gelaufen ist. So sehen wir die Handlung aus der Rückschau und steuern auf ein unvermeidliches Unheil zu, dessen Entwicklung wir nachspielen.

Düsteres Pokémon

Doch bis es dazu kommt, müssen wir viele Stunden investieren. Die verschiedenen Dungeons ziehen sich über mehrere Stockwerke. Im Gegensatz zu Persona 4 sind sie zwar nicht mehr zufallsgeneriert, dafür aber abwechslungsreicher designt. Jeder Dungeon besitzt Elemente, die zu seinem Boss passen. Die Bosse gleichen ihren Ebenbildern aus der realen Welt, besitzen jedoch optische Merkmale, die an ihren Charakter gebunden sind. Zudem sind sie ziemlich harte Brocken. Es empfielt sich, seine Personas so gut wie möglich zu trainieren. Um dies zu tun, kann man mit einer Networkfusion andere Personas mit der Guillotine opfern, um seine bevorzugte Persona zu stärken. Doch um Personas zu fangen, müssen wir sie erst besiegen. Anschließend haben wir die Option, sie um Items zu erpressen oder mit viel Glück auf unsere Seite zu ziehen.

Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab. Das Level-Design bietet sich an, um die besonders starken Gegner mit einem Überraschungsangriff zu besiegen. Scheitern
wir, können uns manche Gegner schnell aus den Puschen hauen. Das ist besonders ärgerlich, da Persona 5 wie die meisten JRPGs nicht viele fair gesetzte Speicherpunkte bietet. Niederlagen können uns also ein gutes Stück Fortschritt kosten.

Zwischen den Welten

Persona 5 trennt die Realwelt nicht gänzlich von der Palastwelt. Sämtliche Beschäftigungen, denen wir in der Realwelt nachgehen, haben Auswirkungen auf die Palastwelt. Bestimmte Lebensmittel geben uns Boni, Literatur steigert unsere Attribute und soziale Kontakte stärken die kooperative Kampfkraft der Gruppe, um nur ein paar der Auswirkungen zu nennen. Der Schauplatz Tokyo ist in viele kleine Bezirke unterteilt, die nach und nach freigeschaltet werden. Hier tummeln sich unzählige Passanten, was die Welt extrem lebendig wirken lässt. Läden verkaufen alle möglichen Items und haben sogar unterschiedliche Öffnungszeiten, was zusätzliche Planungsstrategien für den Alltag erfordert.

Die Präsentation ist bereits für sich gesehen eine Meisterleistung. Der dominant schwarz-weiß-rote Grafikstil, die rasanten Kamerafahrten und die an Graffiti erinnernden Menüs erzeugen eine eigenwillige Atmosphäre. Mal sind wir in einem Anime unterwegs, mal finden wir uns in Szenarien wieder, die einem David Lynch Film stammen könnten.

Das Gameplay ist anspruchsvoll, jedoch leicht zu erlernen. Die Erzählung ist spannend inszeniert, allerdings zieht sich die Handlung durch das Grinden in unvorstellbare Längen. Für einen durchschnittlichen Spieldurchlauf brauchen wir um die 80 Stunden. Wer zudem der englischen Sprache nicht mächtig ist, schaut in die Röhre. Das Spiel ist sowohl englisch synchronisiert, als auch untertitelt. In den meisten Fällen gibt es jedoch keine Sprachausgabe. Wer echte Anime-Atmosphäre schnuppern möchte, kann das Spiel auch auf Japanisch spielen.

Fazit

Persona 5 ist bis jetzt eines der besten japanischen Rollenspiele des Jahres. Die Geschichte und das Gameplay fesseln. Wer realistische Grafik erwartet, wird enttäuscht. Der Grafikstil wurde bewusst abstrakt und symbolisch designt. Sowohl Fans als auch Neueinsteiger ohne Kenntnisse der Vorgänger können problemlos in das Spiel einsteigen. Wer in ein erstklassiges japanisches Rollenspiel eintauchen will, sehr viel Zeit mitbringt und dazu auch noch fließend Englisch spricht, sollte sich dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen.

Persona 5
(Atlus/Deepsilver)
Plattformen:PS4
Webseite: Persona 5

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