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Paper Mario: The Origami King

Ein faltenfreies Erlebnis?

Kategorie: Games
Tags: Paper Mario the Origami King Super Mario Nintendo Adventure Origami
von Marc Haarmann (Text)

Wenn man das Crossover Mario&Luigi Paperjam für den 3DS nicht mitzählt, ist Paper Mario and the Origami King bereits der sechste Teil der Serie und seit dem N64 für jede Nintendo-Plattform mindestens einmal erschienen. Was ursprünglich als Spin-Off zum Super Mario RPG galt, hat im Laufe der letzten 20 Jahre einige Veränderungen mitgemacht. Durch die Möglichkeiten der modernen Hardware ist The Origami King nun das papierigste alle Paper Marios. Alles, ... wirklich alles ist aus Papier!

Obwohl ich seit fast 30 Jahren Mariospiele spiele, habe ich noch nie einen der Paper Marios gespielt. Die Frage, welcher der Vorgänger meiner Meinung nach der Beste ist und welche ausrangierten Gameplayelemente unbedingt wieder ihren Weg ins Spiel finden sollten, stellt sich mir daher persönlich nicht. Dass dies für mich auch keine Einstiegshürde darstellt, ergibt sich aus der Eigenständigkeit jedes Paper-Mario-Titels. Sowohl die Geschichte, als auch das Gameplay wurden mit jedem neuen Teil neu entwickelt. Vorkenntnisse sind also nicht erforderlich. Allerdings sollte man schon einmal von Mario, Luigi, Peach und Bowser gehört haben, auch wenn Letzterer dieses Mal nicht unser Feind ist.

Ein neuer Antagonist

In diese Rolle schlüpft König Olly, der Origamikönig. Als Mario und Luigi mit ihrem Kart in Toadtown ankommen, sollte eigentlich das jährliche Origamifestival stattfinden. Stattdessen ist die Stadt wie ausgestorben. Im Schloss angekommen, begrüßt uns Prinzessin Peach, doch sie sieht verdächtig anders aus. Anstatt einer flachen Papierfigur ist sie jetzt eine Origamifigur, die Mario ohne Umschweife in den Kerker sperrt. Doch Mario wäre nicht Mario, wenn er sich nicht wieder befreien könnte. Als er erneut der Prinzessin begegnet, offenbart sich ihm der wahre Feind. König Olly verwandelt alle Bewohner des Papierkönigreiches in agressive Origamisklaven, um die Welt zu erobern. Mit diesen Worten entführt er nicht nur die Prinzessin, sondern gleich auch das ganze Schloss und verfrachtet es auf einen fernen Berg, wo es von mehreren starken Bändern unzugänglich eingehüllt wird. Mario muss also erst die Bänder lösen, bevor er dem Origamikönig erneut gegenüber treten kann. Doch die Bänder haben ihre Ursprünge auf der ganzen Welt verteilt. Eine turbulente Reise beginnt.

Ein neuer Sidekick

Zum Glück muss er diese nicht alleine antreten. König Ollys Schwester Olivia steht auf unserer Seite und verleiht uns damit an bestimmten Orten auch besondere Kräfte, wie z. B. zwei riesige Hände, mit denen wir Tapeten von der Wand reißen oder Bossmonstern einheizen können. Außerdem kommentiert sie das Geschehen und übernimmt alle Dialoge, denn Mario ist in seiner Papierform so stumm, dass er nichtmal sein berühmtes "Mamamia" oder "Here we go!" ruft.
Marios sechstes Papierabenteuer steckt voller witziger Ideen und Dialoge. Die Rätsel sind zwar nicht schwer, erfordern aber manchmal doch etwas Geschick. Meistens lösen wir sie jedoch mit Papierschnippseln, die wir von besiegten Gegnern aufsammeln. Da die gesamte Welt ein von Papier überzogenes Drahtmodell ist und Ollys größte Schergen dieses einfach wegmampfen, stoßen wir sehr oft auf Löcher, in die wir hineinfallen, wenn wir sie nicht mit Schnippseln flicken. Außerdem befreien wir überall in der Welt Toads, die uns später im Kampf helfen können.

Die Tretmühle des Kampfes

Damit kommen wir zum eher weniger gelungenen Teil des Spiels. Kommen uns die Origamischergen zu nah, startet ein Kampf, der je nach Menge der Gegner in mehrere Runden ausarten kann. Wir befinden uns in der Mitte einer kreisrunden Arena, die von vier Ringen umgeben ist. Unsere Waffen bestehen aus einem Hammer und einem Paar Stiefeln. Das Ziel ist es, die Gegner in der vorgegebenen Zeit zu einem Quadrat aus vier Gegnern, oder einer Reihe von vier Gegnern anzuordnen. Haben wir das in der erlaubten Anzahl von Bewegungen geschafft, erhalten wir einen Schadensbonus. Das Quadrat machen wir mit dem Hammer platt, die Reihe an Gegnern erledigen wir, indem wir auf ihre Köpfe springen. Die große Herausforderung besteht darin, die Gegner in möglichst wenigen Zügen in Position zu schieben. Das klappt am Anfang noch recht einfach. Später muss man dann erst einmal nachdenken. Scheitern wir dabei, ist der Gegner an der Reihe. Wenn wir nicht perfekt blocken, verlieren wir ziemlich rasch unsere Lebensenergie. Die starken Gegner halten etwas mehr aus oder sind gegen die Standardwaffen immun. Dann benötigen wir die stärkeren Versionen des Hammers oder der Stiefel. Wie auch in Breath of the Wild gehen die relativ schnell kaputt und man sollte sich einen Vorrat anlegen, bevor man sich in die Dungeons begibt. Als Belohnung für die Kämpfe winken Münzen, mit denen wir uns neue Verbrauchsitems kaufen.
Für ein paar Stunden sind die Kämpfe unterhaltsam. Mit der Zeit fangen die zahlreichen Kämpfe aber an, zu nerven, da sie nur sehr wenig Variation mit sich bringen und, außer ein paar Münzen, keinerlei Fortschritt bringen. Größere Versionen unserer Ressourcenbeutel oder mehr Lebensenergie gibt es erst durch den Fortschritt in der Hauptgeschichte. Immerhin können wir schwache Gegner in alten Gebieten später ausschalten, indem wir auf sie springen.

Es geht auch anders

Viel mehr Spaß machen da die Bosskämpfe. Hier befindet sich der Boss selbst in der Mitte und wir müssen die vier Räder so anordnen, dass Mario einen Weg zur Mitte findet und auf einem Aktionsfeld landet. Doch die Bosse stellen uns einige knifflige Hindernisse in den Weg, die uns Ruckzuck auf die Matte schicken können. Bei den bis zu dreißig Minuten langen Schlachten können uns die Bosse mit nur einer unglücklichen Attacke in der letzten Sekunde noch die Schlacht vermiesen. Um uns davor zu bewahren, können wir von den Toads Hilfe beanspruchen. Sämtliche befreiten Toads sitzen auf den Rängen um die Arena herum und werfen uns durch Spenden allerlei Hilfestellungen zu. Es lohnt sich also, die Augen nach den kleinen Pilzköpfen offen zu halten.
Eine andere Art von Gegner sind die weltenfressenden Riesen-Papierfiguren, die selbst aus einem Drahtmodel bestehen. Hier müssen wir mit unserem Hammer erst einen Schwachpunkt attackieren, bevor wir verwundbar werden. Diese Echtzeitkämpfe, die in der normalen Welt stattfinden, machen mehr Spaß als die Rundenkämpfe, sind allerdings nur an bestimmten Stellen anzutreffen.

Die Macht des Papiers

Abseits der Kämpfe ist Paper Mario aber ein wahrhaft lustiges und kreatives Abenteuer. Im Laufe des Spiels besuchen wir jede Menge unterschiedlicher Schauplätze, wie einen singenden Wald, eine Discostadt in der Wüste oder ein Kreuzfahrtschiff inklusive Theater. Die Dungeons sind voller Rätsel und wer sich die Mühe machen will, kann sich in Toadtown, ganz wie in Animal Crossing, ein Museum mit all seinen Entdeckungen ausstatten. Mit zunehmenden Talenten lohnt es sich, in alte Gebiete zurückzukehren, um bislang unerreichte Orte zu besuchen.
Die Welt von Paper Mario: The Origami King besteht aus zusammenhängenden Abschnitten. Eine Oberweltkarte gibt es nicht. Damit wir keine langen Laufwege zurücklegen müssen, können wir später durch ein Röhrensystem schnellreisen. In der Praxis müssen wir damit dennoch immer wieder an den gleichen Gegnermassen vorbei, die nach einer Weile wieder da sind, da die Röhren nur an bestimmten Orten stehen.


4 /5

Paper Mario: The Origami King ist, anders als seine früheren Vorgänger, kein Rollenspiel, sondern eher ein Metroidvania, in dem wir nur durch den Spielfortschritt der Geschichte stärker werden und später, besser ausgestattet, neue Bereiche in alten Gebieten in Angriff nehmen können. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, doch die Allgegenwärtigkeit der Kämpfe und ihre spärliche Belohnung macht aus ihnen nach einer Weile eher zeitfressende Unannehmlichkeiten, da jeder Kampf mehrere Minuten dauert und keine Motivation bieten, um sie aktiv anzugehen. Dass es auch anders geht, zeigen die Kämpfe gegen die großen Gegner, die wir in Echtzeit begehen können. Die Bosskämpfe sind dagegen ein positives Beispiel für den Rundenkampf. Hier ist Köpfchen gefragt und am Ende wartet meist eine große Belohnung auf uns. Wer sich aber durch die Kämpfe nicht gestört fühlt, erlebt ein sehr gutes Mario-Abenteuer, das bestens unterhält und den Entdeckergeist weckt.

Positiv:
  • gelungener Papierlook, der sich durch das ganze Spiel zieht
  • lustige Hauptgeschichte mit vielen sympathischen Charakteren
  • herausfordernde Bosskämpfe mit interessantem Kampfsystem
  • viele Geheimnisse zum Entdecken
Negativ:
  • Standardkämpfe sind repetitiv und langatmig und bieten außer Münzen und Schnipsel nkeinerlei Belohnung
  • die besseren Waffen sind schnell zerbrechende Gebrauchsgegenstände
  • Humor ist für Kinder geeignet, der Schwierigkeitsgrad eher nicht
Weitere Informationen:
Marc  Haarmann
Über den Autor (Text)

Marc Haarmann schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Paper Mario: The Origami King
Das Produkt wurde kostenlos für die Besprechung zur Verfügung gestellt.
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