Nimona

Fantasy besonderer Art – aus der Sicht des Bösen!

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Nimona - News

Eines Tages steht Nimona in den Hallen des äußerst schurkischen Ballister Blackheart und präsentiert sich als neuer, vom Arbeitsamt geschickter Sidekick. Der ist zunächst nicht so begeistert, lässt sich aber überzeugen und leidet fortan an seinem überambitionierten Sidekick.

Zunächst einmal: Nimona war ein Webcomic, der 2012 startete und 2015 in den USA von Harper Collins in Buchform herausgebracht wurde. In Deutschland startet das neue Sublabel Minisplitt des Splitter-Verlags mit genau diesem Buch.

Worum geht es?

Ich hatte mich nicht informiert und nur mal die ersten paar Seiten gelesen. Da sah dann alles so aus, als würde ein junges Mädchen bei einem Erzbösewicht anfangen und dann gibt es halt Episoden und man sieht, was die Bösen so tun. Ich hätte kaum mehr daneben liegen können.

Also: Den Erzbösewicht gibt es, der heißt Ballister Blackheart, hat eine künstliche Hand, ist ein Genie und hat den furchtbar guten Sir Goldenloin zum Erzfeind.

Es beginnt mit einem jungen Mädchen, das zum guten, äh bösen Ballister kommt – der neue Sidekick, vom Arbeitsamt geschickt. Während der Bösewicht noch rätselt, was er mit einem jungen Mädchen anstellen soll, kann sie ihn mit einer gekonnten Verwandlung überzeugen: Eine Gestaltwandlerin ist natürlich für einen Erzbösewicht Gold wert.

Ganz zu Anfang ist die Geschichte tatsächlich etwas episodenhaft. Man erfährt, wie Ballister zum Schurken geworden ist, ohne es eigentlich zu wollen. Und später erfährt man dazu auch noch weitaus mehr. Außerdem kriegt man ganz schnell raus, dass er seine Prinzipien hat und beispielsweise ungern Menschen umbringt. Demgegenüber steht Nimona, die gar keine Skrupel besitzt und dazu noch sehr enthusiastisch ist. Deswegen ist Ballister Blackheart mehr damit beschäftigt, seinen Sidekick zu bremsen, als wirklich böse zu sein …

Trotzdem kommt er noch dazu, ausgeklügelte Pläne zu entwerfen und übles Werk zu vollbringen. Dabei verlässt er den ursprünglichen Rahmen – zu Anfang sieht das Buch wie eine typische und mit Stereotypen spielende Fantasy-Geschichte aus, später gibt es aber auch Anleihen zur Science Fiction. Der Schurke ist ebenso ein gemeiner Wissenschaftler wie ein Ritter.

Im Märchenreich gibt es auch das Institut für Recht und Ordnung und Heldentum, den Arbeitgeber von Sir Goldenloin. Das muss sich leider einschalten, nachdem Nimona Chaos veranstaltet hat. Damit beginnt erst die richtige Geschichte, bei der Gut und Böse sehr stark verschwimmen und auch die Konstellation – wer ist auf welcher Seite weswegen mit wem – sich zeitweilig ändern. Anders gesagt: Es startet mit der Frage „Gut oder Böse?“, doch eigentlich geht es um Freundschaft und Verrat.

Ach so, ausnahmsweise möchte ich auch mal eine Lieblingsstelle zitieren:

„Können wir Pizza bestellen?“
„Hier draußen ist die Lieferung zu teuer.“
„Ach komm, im Kühlschrank ist nichts essbares.“
„Ich hätte noch ein paar gentechnisch veränderte Anchovis …“

Das fasst doch alle Probleme des heutigen Schurkentums zusammen.

Der Stil

Der Stil war eigentlich das, was mich beim ersten Gucken erst einmal abgeschreckt hatte. Gerade zu Anfang des Comics liegt der Focus so sehr auf den Charakteren, dass der Hintergrund häufig aus einer einfarbigen Fläche besteht. Auch ist die Malweise eher ungewöhnlich und erinnerte mich manches Mal an Tim Burton. Die Künstlerin schrieb auch davon, dass es ein Experiment für sie war. Im Nachhinein aber ein gelungenes.

Fazit

Comics mit 260 Seiten sind dann doch eher selten, dafür sind 19,95 Euro dann gar nicht so viel. Ritter, Schurken, Drachen, Gestaltwandler, Gut, Böse, Magie, Kämpfe … gekauft.

Ich wollte eigentlich vor dem Schlafen nur einmal kurz reingucken und dann jeden Tag ein bisschen darin lesen. Hat nicht geklappt. Ich habe Nimona stattdessen in einem Rutsch durchgelesen. Das sollte schon für die Qualität sprechen.

Mir gefallen vor allem die vielen Wendungen der Geschichte. Wer eine Fantasy-Erzählung mit Humor und Tiefgang gleichzeitig lesen möchte, der ist mit Nimona gut bedient. Für mich persönlich ist es mein diesjähriger Lieblingscomic – wobei das Jahr natürlich noch nicht ganz um ist (falls mir jemand etwas Besseres schicken möchte …).

Anders gesagt: klare Kaufempfehlung!

Tipp: Guckt euch mal die ersten Seiten an. Das sind zwar die ohne die große Story, geben aber schon mal einen guten Vorgeschmack.

Nimona
Noelle Stevenson
Splitter-Verlag – Minisplitt
Softcover, 272 Seiten, farbig, 21 x 14,5 x 1,5 cm
ISBN: 9783958399600
19,95 EUR

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