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Nichts ersetzt Übung!

Tipps für den Einstieg ins Figurenbemalen

Kategorie: Brett- und Kartenspiele Tabletop
Tags: Interview Marco Troschka Tabletop Miniaturen Brettspiele
von Andreas Giesbert (Text)

Wer sich für Phantastik interessiert, kommt um Fantasyminiaturen kaum herum. Hochwertig gearbeitete, aber unbemalte Figuren beleben nicht nur das Tabletop-Hobby, sondern auch immer mehr Brettspiele. Und auch wenn die einfarbigen Figuren bereits einiges hermachen, wertet etwas Farbe die Modelle deutlich auf. Marco hilft uns etwas durch das Labyrinth aus Contrast-Farben, Techniken und allerlei Fachjargon. Marco Troschka hat seine Leidenschaft fürs Figurenbemalen mitttlerweile professionalisiert und gibt hilfreiche Tipps zum Einstieg in ein fast meditatives Hobby. Dabei spielt Talent eine deutlich kleinere Rolle als man gemeinhin annimmt ...

Andreas Giesbert (Zauberwelten-Online): Lieber Marco, du bist gerade in Brettspielkreisen für deine teils beachtlichen Bemal-Arbeiten bekannt. Insofern fand ich es eine gute Idee, dich doch einfach mal zu einem Einstieg ins Figurenbemalen zu interviewen. Aber fangen wir vorher erst einmal persönlich an: Wer bist du und wie kamst du zur Phantastik und dem Bemalen?

Marco Troschka: Ich bin der Marco. Ich wohne mit meiner Frau im relativ beschaulichen Remscheid.

Ich habe vor vielen Jahren, so um 1998 herum, mal mit einem Freund gemeinsam eine Grundbox von Warhammer 40k gekauft. Ich habe damals mit meinem spärlichen Geld ein paar Revell-Farben und Pinsel gekauft und versucht die Dark Eldar, so gut wie möglich zu bemalen. Das waren meine ersten Berührungspunkte mit dem Hobby. Dann habe ich allerdings ganz lange gar nichts mit Brettspielen, und Tabletop zu tun gehabt und erst ca. 2014 dahin zurückgefunden. Ich glaube es war 2015, als ich mir das Spiel Battlelore gekauft habe und dachte: "Mensch, eigentlich könntest du mal wieder was bemalen."

Ich habe mir dann richtig viele Videos auf Youtube angeschaut und mich ins Thema reingearbeitet, aber so richtig Ahnung hatte ich eigentlich noch nicht. Ich bin dann zu einem Brettspiel-Fachladen gegangen, habe mich mit einem Grundsortiment an Ausrüstung eingedeckt und einfach wieder angefangen, zu malen.

Also kann ich letztlich sagen, dass meine Freude an Brettspielen mich dazu gebracht hat, mich überhaupt wieder mit dem Malen zu beschäftigen.

Andreas (ZWO): Und mittlerweile machst du ja selber solche Videos! Aber fangen wir vorne an: Wer Brettspiele spielt, wird sicher bemerkt haben, dass die Figuren immer detaillierter werden. Dennoch ist es recht üblich, die Modelle unbemalt zu nutzen. Warum sollte ich mir überhaupt die Mühe machen, die Figuren zu bemalen?

Marco: Ich muss an der Stelle zugeben, dass ich gar nicht so viel Wert auf "alles muss bemalt sein" lege. Dafür gibt’s auch oft genug hämische Kommentare ;). Aber, schlussendlich ist es ja so: Das graue/farbige Plastik sieht einfach immer nach Plastikspielzeug aus und wirkt trist.

Natürlich erfordert es Mühe und (manchmal mehr manchmal weniger) Zeit, um schöne Ergebnisse auf dem Tisch stehen zu haben und das ist doch etwas, auf das man dann richtig stolz sein kann. Es ist doch ein richtig tolles Gefühl, wenn man Freund*innen zum Spieleabend einlädt und man ein komplett bemaltes Spiel da hat, einfach weil es schon viel thematischer ist und so mehr Immersion erzeugt. Es macht einen Unterschied, ob da ein grauer Blood-Rage-Feuerriese steht, oder ob er eine spannende Lava-Base hat, das Feuerschwert glüht und so eine großartige Tischpräsenz erzeugt wird.

Aber auch der Hobbyaspekt ist für mich einer der Gründe, warum ich immer wieder gerne male und mir die Mühe mache. Ich habe ganz einfach Freude an der Sache, ich beschäftige mich gerne mit neuen Techniken, merke wie ich Dinge besser schaffe, usw.

Besagter Feuerriese von Blood Rage

Andreas (ZWO): Wenn ich ins Bemalen einsteigen will: Was benötige ich denn alles? Hobbygeschäfte sind ja voll mit Bemalzubehör. Ich werde aber sicher keine Unsummen für den Einstieg investieren müssen, oder?

Marco: Absolut nicht. Ich bin ein absoluter Verfechter des kleinen Einstiegs. Es bringt in meinen Augen wenig, sich direkt mit einem Overkill an Equipment auszurüsten, da ja noch nicht mal klar ist, wie viel Freude ich überhaupt auf lange Sicht am Hobby haben werde. Wenn man es auf das allernötigste runterbricht, reichen bereits Farben, Pinsel und Grundierung. Eins kann ich an dieser Stelle direkt vorwegnehmen: Oft kommt hier die Frage nach Firmen: "Welche Farben sind am besten für den Einstieg", etc. Allerdings finde ich, es ist beinahe egal, mit welcher Firma man startet, da man sich erstmal mit der Materie an sich auseinandersetzen muss. Mit der Zeit wird man merken, ob die Produkte einem liegen, ansonsten wird man sich irgendwann andere kaufen. Also gilt: Mach deine Erfahrungen.

Wie schon gesagt, theoretisch reicht bei den Farben erstmal ein Einsteigerset mit 16 Farben, oder man kauft sich die Farben einzeln. Hilfreich ist, wenn auch ein Metallic-Ton dabei ist, da viele Spielfiguren metallische Elemente haben. Ansonsten hilft es auch, projektorientiert einzukaufen. Manche Firmen bieten z. B. Sets für bestimmte Spiele an, oder ich überlege mir vorher, welche Farben ich verwenden möchte. Dann benötigt man auf jeden Fall eine Art von Grundierung, damit die Farbe sich besser auf dem Plastik halten kann. Es gibt Grundierungen zum Aufpinseln oder zum Sprühen aus der Dose. Beides hat Vor- und Nachteile.

Dann kommt natürlich auch gleich die Frage nach der Farbe der Grundierung, ob man besser Schwarz/Grau/Weiß grundieren sollte. Auch hier gibt es leider nicht unbedingt die klare Antwort. So ist es z. B., so, dass bestimmte Farben besser oder schlechter auf dunklen oder hellen Untergründen "funktionieren". Plant man z. B., viel Gelb oder Weiß zu verwenden, ist eine rein schwarze Grundierung nicht unbedingt der einfachste Weg.

Für ein helles Farbschema empfiehlt sich eine weiße Grundierung (Loki von Marvel United)

Ich habe am Anfang gerne einfach grau grundiert, da das für mich ein guter Mittelweg war.

Mit der Sprühgrundierung wird man sich vorher ein wenig beschäftigen müssen, da die Umweltfaktoren hier wichtig sind. Es sollte weder zu warm noch zu kalt sein, die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch usw. Außerdem braucht man einen Raum, der gut belüftet werden kann.

Auch bei den Pinseln würde ich mir am Anfang nicht zu sehr den Kopf zerbrechen und vor allem nicht zu teure Modelle kaufen, da man noch viele Fehler macht und die Pinsel so deutlich schneller kaputtgehen. Oft höre ich an der Stelle: "Braucht man da nicht diese total dünnen Pinsel, die nur 3 Haare haben, um so fein arbeiten zu können?" Und ich habe diesen Fehler am Anfang auch gemacht. Das Problem mit diesen extrem feinen Pinseln ist, dass sie kaum Farbe/Flüssigkeit aufnehmen und man nur sehr schwer Farbe auf die Miniatur bekommt. Viel wichtiger ist, ob der Pinsel eine feine Spitze hat, dabei aber trotzdem so einen großen Körper, dass genügend Farbe aufgenommen werden kann. Und ab hier heißt es dann "Handhabung üben", denn im Endeffekt kann man mit solch einem Pinsel dann gut alles erledigen. Ich habe lange Zeit nur einen größeren Allround-Pinsel für alle Aufgaben genutzt. Der hat so ungefähr die Größe 2-3 (wobei die Firmen hier Unterschiede machen …) und einen feinen in Größe 1 sowie einen Pinsel zum Trockenbürsten (eine Technik, mit der man auch bereits als Anfänger*in tolle Ergebnisse erzielen kann).

 

Modelle mit prägnanten Kanten eignen sich gut zum Trockenbürsten.
Der Deluxe-"Token" von
Volifyrion.

Was auch noch sehr praktisch sein kann für einen leichteren Einstieg ist die Verwendung von Shades/Washes. Diese sehr flüssigen Farben sind dafür da, um sich in die Vertiefungen zu legen und so eben genau das zu tun, was ihr Name schon sagt: sie schattieren eine Miniatur. Auch hier reicht für den Anfang ein Shade für Haut, ein braunes und ein schwarzes.

Ich habe grade mal kurz gegengerechnet und bin mit den beschriebenen Farben, Pinseln und Grundierung bei ca 60 €.

Wer sich selbst noch einen Gefallen tun möchte, beschäftigt sich direkt von Anfang an mit der Nutzung einer Nasspalette. Diese hilft ungemein bei einer besseren Farbverarbeitung und kostet quasi nichts. Alles was man braucht, ist ein Gefäß, in das man einen nassen Schwamm gibt und darüber legt man Butterbrotpapier. Es gibt auch Nasspaletten zu kaufen, aber hier kann man für den Anfang gut sparen.

Auch verwende ich gerne sogenannte Paint Handles. Diese gibt es für ein paar Euro und sie helfen dabei, dass ich eine Mini nicht die ganze Zeit in der Hand halten muss.

Zusätzlich sollte man sich ein Werkzeug zum "Entgraten" der Miniatur besorgen. Es reicht ein einfaches Bastelmesser.

Andreas (ZWO): Neben dem Material brauchen wir natürlich auch die Hauptcharaktere des Ganzen: Figuren. Womit empfiehlst du denn, einzusteigen oder worauf sollte ich achten?

Marco: Ich glaube, hier sollte man sich von seinen Vorlieben leiten lassen. Wer vorhat, in ein Tabletop-Spiel einzusteigen, kann nach seiner Lieblingsarmee schauen, wer ein unbemaltes Brettspiel hat und das gerne in Bunt haben möchte, der startet halt damit.

Natürlich gibt es oft die Unsicherheit: "Was ist, wenn ich mein Lieblingsspiel versaue." Hier kann man sich vielleicht helfen, indem man sich Einzelmodelle zum Üben kauft. Es gibt z. B. die Firma Reaper, die viele verschiedene Themen (aber vor allem Fantasy) anbietet. Mittlerweile gibt es aber auch ganz viele 3D-Druck-Shops, die eine Vielzahl an qualitativ hochwertigen Minis anbieten.

Hobur merkt man gar nicht an, dass er aus dem 3D-Drucker kommt (Modell von Pasch-Spiele)

Allgemein kann man natürlich sagen, dass bestimmte Kreaturen einfacher zu bemalen sind. Skelette oder Tiere mit nur einer Fellfarbe sind für den Anfang sicherlich einfacher als sehr kleinteilige Blood-Rage-Krieger. Ebenfalls ein viel genannter Favorit für Anfänger*innen ist natürlich das allseits bekannte Zombicide, da man die Zombies sehr schmutzig bemalen kann und Fehler gegebenenfalls mit Blut kaschiert werden. Hier muss ich allerdings sagen, dass es für Anfänger*innen sehr frustrierend sein kann, solch ein Spiel mit massenhaft gleichen Minis zu bemalen, da das doch sehr schnell eintönig werden kann und sich das "fertig" Gefühl nicht so schnell einstellt.

Andreas (ZWO): Wenn wir jetzt Pinsel, Farben und Figuren beisammen haben, wie gehe ich am besten ans Werk. Womit fange ich an?

Marco: Das ist tatsächlich ein wenig schwer zu sagen, da es nicht "die Herangehensweise" gibt. Aber ich fange mal mit einer sehr einfachen Arbeitsweise an.

Ich fange damit an, die Miniatur zu entgraten (Grate sind die Linien, die bei der Produktion entstehen). Diese Grate sollte man so gut es geht entfernen, da sie das Gesamtbild ziemlich entstellen können. Aber auch ich gebe bei manchen Gussgraten auf …

Jetzt grundiert man die Figur in der gewünschten Farbe. Ich gehe jetzt der Einfachheit halber mal davon aus, dass nur Grau genutzt wird. Nachdem die Grundierung ordentlich getrocknet ist, gebe ich meine Farben auf die Palette und jetzt wird es spannend: Man muss sich mit dem Verdünnen der Farben beschäftigen. Unverdünnt sind die Farben viel zu dick und spachteln die Details zu, verdünne ich zu sehr, haben die Farben sehr wenig Deckkraft (das kann für bestimmte Techniken aber auch gewollt sein). An der Stelle hilft wirklich nur Ausprobieren. Als Anfänger*in macht man gerne den Fehler und versucht, die Grundfarben (Basecoat) in einer Schicht deckend aufzubringen, aber schöner ist es oft, wenn man mehrere dünne Schichten aufbringt, bis die Farbe deckt.

Bleiben wir beim Beispiel Skelett: Ich nehme also Bein-Farbe (Bonewhite o. Ä), gebe diese auf die Palette, verdünne ein wenig (übrigens am besten nicht meinem Malpinsel, da dieser durch das Farbmischen schneller kaputtgeht) und nehme dann mit meinem Pinsel die Farbe auf. Dabei achtet man am besten darauf, dass die Farbe nicht bis zur Zwinge des Pinsels aufgenommen wird, da sie hier irgendwann eintrocknet und den Pinselkopf "sprengt". Und dann kann man die Farbe schön gleichmäßig auf die Mini malen, am besten immer in eine Richtung und immer erst an einer anderen Stelle weitermachen, nicht direkt dort wo ich grade war.

Brettspiele verwenden zunehmend hochwertige Figuren. Hier: Scythe

Ist die Farbe an allen Stellen getrocknet, hat das Skelett seine Grundfarbe drauf, sieht aber noch sehr trist aus, da ihm die Tiefe fehlt. Hier kann das Wash/Shade helfen. Z. B. könnte man jetzt Agrax Earthshade, eine dunklere und flüssige Farbe, nehmen und einfach komplett die Miniatur damit überpinseln, dabei aber aufpassen, dass man es nicht übertreibt, da sich sonst Flüssigkeitspools bilden. Jetzt sind auch die Tiefen akzentuiert, allerdings wirkt durch das Shade jetzt alles sehr stumpf. Jetzt könnte man z. B. nochmal mit dem Grundton vorsichtig alle erhabenen Stellen anpinseln, um so "Highlights" herzustellen und den Kontrast zwischen tiefsten und höchsten Stellen weiter zu erhöhen.

An der Stelle kann man eigentlich schon gut aufhören und sich über seine erste Skelett-Miniatur freuen. :)

Andreas (ZWO): Das ist sehr anschaulich. Nun habe ich mein Skelett also ordentlich bemalt bekommen, werde aber schnell merken, dass deine Figuren doch etwas anders aussehen. Du akzentuierst, setzt Lichtquellen, nutzt Farbverläufe. Das sieht am Anfang sicher erschlagend aus. Was sind denn Techniken, um schnell seine Ergebnisse zu verbessern?

Marco: Eine sehr einfache Möglichkeit, um mehr aus einer Miniatur zu machen, ist das Trockenbürsten. Ich wende es furchtbar gerne an, weil es sehr vielfältig ist. Es geht im Endeffekt darum, dass man auf einen Pinsel Farbe aufnimmt und diese dann auf einem Taschentuch o. Ä wieder komplett abtupft und reibt, bis man nur noch die trockenen Farbpigmente am Pinsel hat. Dann bürste ich mit dem Pinsel über die Miniatur, gegen Kanten und Punkte, die ich akzentuieren möchte. Die Pigmente bleiben hängen, beeinflussen aber die Vertiefungen nicht. So kann man sehr schön die Details aus einer Figur rauskitzeln.

Mit mehr Übung schafft man es dann auch, dass die Technik nicht so "staubig" aussieht und durch den gezielten Einsatz von Highlight-Farben, kann man es auch schaffen, Oberflächen gut hervorzuheben.

Wenn es wirklich um die Frage nach schnellen Ergebnissen geht, würde ich sagen, dass mir das sogenannte zenithale Grundieren immer sehr hilft. Also das Darstellen einer von oben herabscheinenden Lichtquelle. Dafür grundiere ich zuerst in Schwarz, dann kann man die Figur rundherum in einem 45-Grad-Winkel grau grundieren und dann von oben in Weiß. Arbeitet man jetzt noch mit transparenten Farben, wie den Contrast-Farben, und setzt dabei z. B. noch farbige Inks ein (sehr farbintensive flüssige Tuschen), kann man relativ spektakuläre Ergebnisse in kurzer Zeit erzielen. Das erfordert aber einfach ein wenig Übung, da vor allem der Einsatz von Contrast-Farben schnell nach hinten losgehen kann und es dann schlichtweg "billig" aussieht, da diese Farben gerne poolen, also in Vertiefungen Pfützen bilden.

Letztlich sollte man sich auf jeden Fall mit der Technik des Layerns beschäftigen, dem Aufbringen von dünnen Farbschichten über eine andere Farbe. Das ist zwar absolut nicht schnell, aber tatsächlich ersetzt kaum etwas diese mühevolle Arbeit.

Kein Gemälde, sondern eine bemalte Figur: Bei diesem Modell aus Kingdom Death Monster wurde mit vielen Layern gearbeitet.

Andreas (ZWO): Und wenn ich eine Herausforderung suche, was sind denn Techniken, mit denen du zur Zeit experimentierst?

Marco:  Ich könnte gar nicht genau sagen, ob ich grade etwas Spezielles mache. Ich habe für mich einige große High-Qualitiy-Modelle gekauft, einfach weil ich sehr detailreiche Arbeiten total liebe. Hier versuche ich mich grade quasi am langsamen Malen :D. Ich möchte mal nicht die Zeit dabei im Blick haben, sondern einfach ein besonderes Endergebnis.

Andreas (ZWO): Kann ich denn ein solches Niveau überhaupt selber erreichen? Braucht es da nicht eine gehörige Portion Talent für?

Marco: Du kennst meine Triggerfrage. Das Thema Talent verfolgt mich irgendwie hartnäckig. Ich behaupte, nichts ersetzt Üben, das tägliche Beschäftigen mit einem Hobby, sich selber weiterzubilden, sich mit anderen austauschen und einfach "wachsen" zu wollen.

Ich finde der Begriff Talent entwertet ein Stück weit die viele Arbeit, die jemand in die Materie steckt. Kaum jemand meint es böse, wenn gesagt wird "du hast sicher ganz viel Talent, das könnte ich sicher nicht", das ist ja auch ein Stück weit ein Lob, aber es schiebt auch direkt einen Riegel vor: "Du kannst etwas, was ich sicher niemals können werde." Und das halte ich einfach für Quatsch. Am Ende kommt es doch wirklich nur darauf an, wie viel Zeit ich mit einem Handwerk verbringe (und verbringen will) und mich dabei bereit erkläre, immer weiter zu lernen. Natürlich lernt jeder in einer unterschiedlichen Geschwindigkeit und das ist ja nichts Dramatisches, aber davon sollte man sich auch nicht unterkriegen lassen. Natürlich male ich nicht so gut wie ein Vollzeitmaler, der das jeden Tag 8 bis 10 Stunden macht. Aber irgendwo muss jeder mal anfangen und ich finde da hilft es, das Miniaturen-Bemalen eher als Handwerk zu sehen, als eine superkreative Kunst. Also weg mit dem Talent, auf den Hosenboden setzen und üben :)

Brauchte bestimmt viel Übung: Eine der detaillierten Figuren von Kingdom Death Monster

Andreas (ZWO): Das erinnert mich an meine unbemalte Figurenkiste. Aber bevor ich in diesen Abgrund schaue, komme ich zur Frage, ob du uns etwas aus deinem Malkästchen vorstellen kannst. Welches Projekt hat dir denn besonders viel Spaß gemacht? Worauf bist du besonders stolz?

Marco: Die Frage finde ich richtig schwierig. Eins meiner Lieblingsprojekte ist definitiv das Brettspiel Maximum Apocalypse (die Legendary-Version hat Miniaturen). Ich mag die ausdrucksstarken Charaktere total und die Miniaturen sind einfach klasse designed.

Dann ist da natürlich Kingdom Death Monster. Das Spiel hat einfach wahnsinnig spannende Modelle, bei denen man völlig eskalieren kann und der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind. Hier sind auch ein paar meiner Arbeiten, über die ich mich richtig freue. Der Phoenix oder zum Beispiel der Gold Smoke Knight (ich male total gerne diese Flammen und Lichteffekte).

Richtig viel Spaß hatte ich auch an dem Kraken aus Feed The Kraken, den ich vorab schonmal bemalen durfte und dem entsprechenden Schiff. Das waren sehr klare und detaillierte Modelle.

Der namensgebende Kraken aus Feed the Kraken

Andreas (ZWO): Bei so viel Begeisterung wirst du sicher oft gefragt, ob du auch die Miniaturen deiner Mitspieler*innen bemalen würdest. Und? Würdest du meine Brettspielsammlung verschönern?

Marco: Oh, das mache ich tatsächlich gerne, nur wirst du dich wahrscheinlich hinten anstellen müssen. Da ich sowieso viel meiner freien Zeit damit verbracht habe, alles Mögliche zu bemalen und auch für Freund*innen Sachen anzumalen, kamen dann auch immer mehr Anfragen von außerhalb, ob ich nicht "mal eben" auch ein Spiel anmalen könnte. Das war dann der Punkt, an dem ich mir dachte: "Eigentlich könntest du das auch als Gewerbe anmelden". Und so habe ich mich mit einigen Leuten zusammengesetzt und ein Konzept ausgearbeitet und bin dann tatsächlich letztes Jahr im Mai mit meinem Gewerbe (Ready to Play) an den Start gegangen.

Insgesamt war ich allerdings überrascht, wie gut das Ganze angenommen wurde. Ich denke, das hängt vor allem damit zusammen, dass große Bemalstudios ihre Auftritte sehr mit "echten" Tabletop-Games im Stile von Warhammer etc. gestalten und die  ottonormale Brettspielerschaft sich da gar nicht angesprochen fühlt. Zusätzlich kann ich auch einfach viel kleinere Aufträge annehmen, die sich für ein großes Studio gar nicht lohnen würden.

Ich habe auf jeden Fall riesigen Spaß daran und es ist wirklich genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe: Ich bekomme immer wieder abwechslungsreiche Anfragen, lerne ganz viele nette Menschen kennen und kann dann mit denen im Austausch genau an der Realisation ihrer Projekte arbeiten. Das Spannende für mich ist dabei, dass ich gezwungen bin, immer wieder in anderen Bahnen zu denken und Dinge neu zu lernen, was dann wiederum ein echter Gewinn für meine Arbeit und mein Hobby ist.

Also, um auf deine Frage zurückzukommen, du wirst mir wohl eine Anfrage schicken müssen, und dann finden wir ganz sicher eine Lösung für dein Spiel.

Andreas (ZWO): Dabei wünsche ich dir viel Erfolg und vor allen Dingen: Freude! Danke für das schöne Interview.

Die Überlebenden von Maximum Apocalypse


Andreas Giesbert
Über den Autor (Text)

Andreas begeistert sich für Rollenspiele, Spielbücher und narrative Brettspiele. In letzter Zeit darf es auch mal ein Ausflug in die düstere Phantastik sein. Sein Profilbild verdankt er Erik R. Andara.

Artikel: Nichts ersetzt Übung!
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