Nachtgeschrei – Staub und Schatten

Von Monstern und Wilder Jagd

// Musik

Spätestens mit ihrem fünften Album dürfte Nachtgeschrei zum festen Bestandteil der Mittelalter-Rock – oder passender – der Mittelalter-Metal-Szene gehören. Wie bei Nachtgeschrei üblich wird gewettert und angeklagt. Dieses Mal sind die Opfer des Geschreis unter anderem die römische Obrigkeit und all jene, die gerne die Schuld auf andere abwälzen.

Damit sind wir dann auch schon bei Monster, dem ersten Lied des Album. Im Text bietet sich die Band direkt als Sündenbock für letztgenannte Übeltäter an, die – seien wir ehrlich – schon jedem von uns auf die Nerven gegangen sind. So geht es weiter, es wird mit dem Finger gezeigt, herausgefordert und nicht gerade zimperlich mit Worten umgegangen. Wer die Band noch nie gehört hat, dürfte etwas überrascht sein von der Wucht, die mit E-Gitarren und Schlagzeugen aufgefahren wird. Die heftige Musikuntermalung ist in dem Genre eher unüblich, gehört aber seit Beginn zum ganz eigenen Stil von Nachtgeschrei.
 

Die Musik

Zu den Qualitäten von Nachtgeschrei gehören ihre Ohrwürmer: Manche Refrains bleiben direkt hängen und klingen auch am nächsten Morgen noch nach. Ob mit E-Gitarre oder Akkordeon, die Melodien sind eingängig. Daher ertappt man sich schnell dabei, unwillkürlich im Takt mitzuwippen. Dabei setzt die Band ganz gezielt Pausen und Stilwechsel ein, die in Liedern wie Die wilde Jagd erst irritierend wirken können, aber die Songs deutlich spannender machen.

So schnell man in die Lieder eintaucht, so schnell sind sie auch (leider) wieder vorbei. Mit etwa 4 Minuten Länge im Schnitt wirken die Songs recht kurz, lange Intros findet man selten. Das einzig langsam aufbauende Intro Kerberos ist auch gleich ein eigener Track, weshalb die zwölf Songs eigentlich nur elf sind. Wer das Album nebenbei hört, kommt schnell auf den Gedanken: „Schon vorbei?“. Das ist jedoch der Tatsache geschuldet, dass die Musik einen immer wieder mitreißt und insgesamt 47 Minuten hervorragender Unterhaltung bietet.
 

Der Gesang

Der Gesang von Martin LeMar liegt klar und deutlich über der Musik. Manchmal sanft, dann rau oder aggressiv passt sich seine Stimme der Atmosphäre der Songs so gut an, dass man bisweilen kaum glauben kann, dass man noch denselben Sänger hört.

Dass Nachtgeschrei kein Blatt vor den Mund nehmen, wissen Fans der Band bereits. Und auch diesmal geht es ums Fressen und gefressen werden, um Rebellion und sogar Gott erklären Nachtgeschrei den Krieg – sie prophezeien sogar ihren Sieg im Song Eden. Dabei sind die ausschließlich deutschen Texte oft reichlich kryptisch gehalten. Manchmal lässt sich der konkrete Inhalt nur erahnen. Natürlich werden aber auch dramatische Geschichten erzählt, wie in Staub und Schatten, der von der Ungewissheit des Gladiatorenlebens handelt.
 

Das Album

Staub und Schatten erscheint am 7.8.2015. Das gesamte Album macht viel Spaß beim Hören und ist es definitiv wert, dass man einmal reinlauscht. Gelegenheit dazu gibt es unter anderem auf dem M'era Luna-Festival – oder auch hier.
 
Nachtgeschrei
Staub und Schatten
(SPV Records, 2015)
http://www.nachtgeschrei.de/

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