Mortal Gods

„Hier werden wir kämpfen, hier werden wir sterben!“

Kategorie: Tabletop
Tags: Mortal Gods War Banner antikes Griechenland Tabletop
von Christian Schmal

Mortal Gods ist ein Tabletop aus dem Hause War Banner, das im antiken Griechenland in einer Ära angesiedelt ist, als das Land in viele mehr oder weniger konkurrierende Stadtstaaten unterteilt war. Das Spiel ist ein Skirmisher und kommt mit etwa 15 bis 20 Modellen pro Seite aus.

Das Regelwerk besitzt einen Komplexitätsgrad, der das Spiel durch einige interessante Mechanismen nicht banal werden lässt, der es aber dennoch für Einsteiger in das Hobby schnell erlernbar und nachvollziehbar macht. Gespielt wird Mortal Gods auf einem 3‘ x 3‘ großen Spielfeld (etwa 90 x 90 cm). Die Siegesbedingung wird jeweils vom Szenario vorgegeben, wovon im Grundspiel zwölf enthalten sind, die die Spielpartien nennenswert beeinflussen und immer neue Situationen erschaffen.

Kämpfer sind entweder als Einzelminiatur unterwegs oder zu Gruppen von drei Figuren zusammengefasst. Letztere können wiederum aus drei Einheiten eine Phalanx bilden, die sie dann zwar wenig mobil, dafür aber widerstandsfähig macht.

Phalanxen bei 15 bis 20 Miniaturen? Das ist militärhistorisch aber nicht korrekt! Richtig. Das Spiel verfolgt sehr klar das Ziel, Klischees des Settings aufzugreifen und zu zitieren und löst sich darum von präziser historischer Darstellung.

Spielmechanik

Die Grundmechanik des Spiels ist stark an Test of Honour angelehnt, was nicht weiter verwunderlich ist, da beide Spiele einen ihrer Autoren gemeinsam haben.

Jede Einheit kann im Normalfall einmal, Helden bis zu dreimal pro Runde aktiviert werden. Hierzu werden Glasperlen in entsprechender Gesamtmenge in ein Säckchen gefüllt. Unterschieden wird bei diesen Perlen farblich zwischen Helden- und Gefolge-Aktivierungen und drei Omen-Markern. Abwechselnd ziehen die Spieler diese Glasperlen blind und dürfen die entsprechende Aktivierungen einem passenden Einheitentyp zuordnen, der noch nicht sein Maximum an Aktivierungen aufgebraucht hat. Die Omen-Marker lösen Ereignisse aus, der letzte gezogene Omen-Marker beendet jedoch auch die Runde. Somit haben Spieler eine gute, wenn auch keine erschöpfende Kontrolle über ihre Aktivierungsreihenfolge. Da unaktivierte Einheiten sich gegen Angriffe aktiv verteidigen können, indem sie ihre Aktivierung für die defensive Aktion verbrauchen, kann dieses Erschöpfen einer gegnerischen Einheit durchaus auch Ziel von taktischen Angriffen sein, selbst wenn sie keinen nennenswerten Schaden mit sich bringt. Natürlich ist es möglich, dies zu verhindern, indem man sich schlichtweg nicht aktiv verteidigt, was aber einigen Mut und einen entsprechend erfolgreichen Test erfordert. Hier ist eine gute Einschätzung wichtig, ob die Einheit einen Angriff überstehen kann und danach noch aktiviert werden soll, oder ob sie alle Energie in ihre Verteidigung investieren sollte.

Gekämpft wird mit Spezialwürfeln, die auf zwei Seiten einen Schild, auf einer einen Pegasus und auf den anderen Schwertsymbole zeigen. Die Schwertsymbole zeigen offensive Erfolge, Schilde defensive Erfolge und das Pegasussymbol einen Erfolg bei einigen elitären Einheiten an. Vor- und Nachteile durch Deckung, erhöhte Position und dergleichen wird durch den Gewinn oder Verlust von zur Verfügung stehenden Würfeln dargestellt.

Grundbox und Erweiterungen

Die Grundspiel-Box enthält abgesehen von Spieltisch und Gelände alles, was benötigt wird, um Mortal Gods mit zwei Spielern zu spielen: ein Regelheft, Einheitenkarten, Verwundungskarten, Omenkarten, Glasperlen, Würfel und selbstverständlich die Miniaturen. Letztere sind von Victrix und bestehen aus Kunststoff. Enthalten sind 38 Modelle in Gussrahmen zum individuellen Zusammenbauen in einer Vielzahl möglicher Posen; eine Bauanleitung liegt nicht bei. Erfahrene Wargamer sollten damit kein Problem haben, Neueinsteiger im Hobby sollten sich aber auch rasch zurechtfinden. Die Qualität der Miniaturen ist, wie man es von Victrix gewohnt ist, hervorragend. Die Karten, die in der Grundspiel-Box zu finden sind, stellen generische griechische Truppentypen, wie etwa Hopliten oder Peltasten, dar.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es zwei Erweiterungsboxen, die jeweils Plastik- und Zinnminiaturen enthalten: Athen und Sparta. Enthalten sind darin auch entsprechende Karten, die fraktionsspezifische Einheiten darstellen. Ergänzende einzelne Miniaturen aus Metall sind ebenfalls erschienen. Diese sind im Zusammenbau allerdings nicht allzu einsteigerfreundlich und setzen eine gewisse Erfahrung im Umgang mit solchen Miniaturen voraus. Qualitativ belohnen sie den Zusammenbauer dafür allerdings auch mit einer schönen Miniatur und Pose.

Als zusätzliche Spielerweiterung sind Fraktionskarten und einzelne Miniaturen der „Perser“ und „Thraker“ erschienen, diese jedoch ohne Box, da hierzu keine Plastikminiaturen angeboten werden.

Für die Zukunft sollen weitere Fraktionen folgen und es gibt bereits fortgeschrittene Spieltests zu einer Erweiterung, die mythologische Elemente und Kreaturen beinhalten soll.

Fazit

Das Spiel, übrigens ausschließlich auf Englisch erhältlich, ist auf jeden Fall einen genaueren Blick wert. Für Einsteiger, die sich den Miniaturenzusammenbau zutrauen, ist das Spiel durchaus geeignet, hat aber auch „Alten Hasen“ einiges zu bieten. Für sehr kompetitive Spieler und Turniere ist es aufgrund einiger unterschiedlich interpretierbarer Regelformulierungen nur bedingt zu empfehlen. Hier wäre ein baldiges FAQ sehr zu wünschen, da das Regelheft an einigen Stellen Situationen nicht lückenlos abdeckt. In einer freundschaftlichen Partie sind diese Fragen aber recht einfach intuitiv zu lösen.

Alles zum Spiel findet man auch unter www.warbanner.com.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zauberwelten Herbst 2019


CS
Über den Autor

Christian Schmal schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Mortal Gods
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