Mafia 3

Der blutige Pfad Lincolns

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Mafia 3 beginnt völlig unkonventionell wie eine Samstag-Abend-Doku und erinnert an die destruktive Rachegeschichte Lincoln Clays, der 1968 in einer beispiellosen Vendetta die Familie Marcano systematisch vernichtete.

Nahe Bekannte Clays und ein zerstreut wirkender Kommissar kommen zu Wort. Sie alle sehen zum jetzigen Zeitpunkt sehr alt aus. Es werden Ausschnitte einer
Gerichtsverhandlung kurz nach den Ereignissen um Mafia 3 gezeigt, in der Lincolns Ex-Auftraggeber, CIA-Offizier und Freund John Donovan mit großem Enthusiasmus die wahre Geschichte bis ins kleinste Detail schildert. Wir wissen also bereits wie es ausgehen wird. Doch wir wissen nicht wie und vor allem warum.

There is a house in New Bordeaux …

Lincoln Clay kehrt nach drei Jahren aus dem Vietnamkrieg zurück. Doch während er an der Front zum Helden und durch seine Taten zum Anführer einer Spezialeinheit wurde, erwartet ihn in seiner Heimatstadt nur blanker Rassismus und eine eher armselige Zukunft. Es wundert nicht, dass er gleich nach seiner Rückkehr wieder zu „Sammy“, dem Kopf der schwarzen Mafia und zugleich dem für ihn einzigen vertrauenswürdigem Menschen zurückkehrt. Doch Sammys Mafia steckt momentan in Geldsorgen und ist abhängig von Marcanos Darlehen. Da kommt das Angebot eines Banküberfalls im Auftrage Sal Marcanos mit hohem Eigenanteil gerade recht. Mit Hilfe von Clays Kampferfahrung glückt der große Coup, doch Sammy hat die Rechnung ohne die italienische Mafia gemacht. Wie durch ein Wunder überlebt Lincoln Clay das Massaker an seinen Brüdern und schwört Rache. Marcano soll nicht nur sterben, sondern zuerst dabei zusehen, wie ihm alles genommen wird, Stück für Stück, Dollar für Dollar, Mann für Mann.

Indem wir die Stadtteile erobern, ruinieren wir Marcanos ansässige Geschäfte unter Führung seiner Familienmitglieder, und bauen auf dessen Ruinen unser eigenes Imperium auf. Doch während Lincoln sich durch die Marcano-Hierarchie mordet, muss er die eroberten Gebiete halten und verwalten lassen. Für diesen Zweck zieht Lincoln drei Individuen auf seine Seite, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: die undurchsichtige Anführerin der Hahitianer – Kassandra –, der draufgängerische Ire Thomas Burke und Vito Scaletta, Hauptprotagonist aus Mafia 2 und Verstoßener der italienischen Mafia. Sie alle haben mit Marcano ein Hühnchen zu rupfen und würden ihn nur allzu gerne fallen sehen. Haben wir ein Gebiet erobert, weisen wir es einem der drei Verbündeten zu und erhalten einen finanziellen Bonus sowie Unterstützung im Kampf gegen Marcanos Mobs.

Kanonenfutter trifft auf Killermaschine

Doch hier offenbart sich eine große Schwäche im Spieldesign, die sich letztlich durch den größten Teil der Handlung zieht: Während der Anfang mit seinen Zeitsprüngen und spannenden Wendungen zum Besten gehört, was interaktives Geschichtenerzählen derzeit zu bieten hat, werden wir beim Erobern der Stadt in einen ewigen Strudel der gleichen Missionen gezogen.

Wir schleichen uns in ein Gebäude oder einen Industriekomplex, anschließend schalten wir so viele Wachen wie möglich aus, um am Ende etwas zu stehlen, zu zerstören oder eine Schlüsselperson zu „konfrontieren“. Haben wir vorher die lokalen Schaltkästen verwanzt, können wir diese mit Erpressung auf unsere Seite ziehen oder für den einmaligen schnellen Profit töten. Außerdem geben die Wanzen genauere Auskunft über die Position von Wachen.

Dank Lincolns sechstem Sinn können wir Gegner durch die Wände sehen und ihnen auflauern. Das ist enorm hilfreich und sorgt sogar dafür, dass das leise Vorgehen zu übermächtig ist. Wird eine Leiche entdeckt, weichen die Wachen von ihrer normalen Route ab und kommen zielstrebig auf die derzeitige Position zu, obwohl sie meist gar nicht wissen können, wo wir sind. Hinter einem Versteck ist man unsichtbar und in neun von zehn Fällen kann man jede Wache mit einem simplen Pfiff und einer Nahkampfattacke niederstrecken. Dies führt zu absurden Situationen, in denen jede Wache eines Gebäudes einzeln heranstürmt und nach erfolgreicher Attacke von Clay auf einen Leichenhaufen gestapelt wird. Anschließend kann man seelenruhig durch das Gebäude spazieren und sich nehmen, was man braucht.

Mäßige KI, aber hervorragende Atmosphäre

Wer eine Herausforderung sucht, sollte daher besser die offene Konfrontation wählen. Denn die Gefechte machen Spaß. Auch wenn die Wachen selten wirklich taktisch agieren, zeigen sie hervorragendes Trefferfeedback und rufen sich gegenseitig Anweisungen zu. Leider verlieren sie Lincoln schnell aus den Augen, was wiederum zur vorher genannten Situation führt.

Ganz anders verhalten sich Marcanos Kopfgeldjäger, die gerne zufällig mitten in einer Infiltrationsmission erscheinen und, im Gegensatz zu den örtlichen
Wachen, genau wissen, wo man sich versteckt. Gegen einen solchen Ansturm hat man meistens keine Chance, da zwölf Gegner zeitgleich die eigene Deckung stürmen. Diese Ereignisse wirken, obwohl sie erzählerisch eigentlich konsequent sind, spielerisch als Fremdkörper und zögern den Spielfortschritt lediglich heraus.

Am Ende jeden Kapitels kommen wir dann doch noch in den Genuss gut inszenierter Showdowns. Gerne hätten wir mehr davon gehabt, denn die Kulisse von New Bordeaux sieht gut aus und bietet mit dem French Ward (im Original French Quarter) und den sumpfigen Bayous einige spannende Schauplätze, die die Seele des echten New Orleans widerspiegeln.

Verstärkt wird diese Atmosphäre nicht zuletzt durch den guten Soundtrack. Die Musikauswahl aus über hundert Songs untermalt Lincolns Rachegeschichte mit zeitgenössischen Hits aus den 60ern. Mit dabei sind u a. Elvis, Johnny Cash oder die Rolling Stones – bekannte Bands, die wir so aus virtuellen Autoradios noch nicht zu hören bekamen. Auch die Moderatoren, die allesamt auch Protagonisten der Hauptstory sind, haben einiges zu erzählen. Wir erfahren in den Nachrichten sowohl von Auswirkungen, die aus unseren Taten resultieren, als auch von tatsächlichen historischen Ereignisse wie den Morden an Martin Luther King und Präsident J.F. Kennedy.

Fazit

Diese Atmosphäre ist es, die uns immer wieder zurück nach New Bordeaux lockt, auch wenn das Spiel unter einigen Bugs zu leiden hat und mit seinem Mittelteil gestreckt wird. Im Gesamtbild ist Mafia 3 leider nicht so kohärent erzählt wie seine Vorgänger. Doch bietet die offene Welt jetzt endlich auch Aktivitäten abseits der Hauptstory und lässt die Stadt nicht nur wie eine leblose Kulisse wirken. Passanten reagieren auf Lincoln. Afroamerikanische Bürger grüßen ihn, weiße Bürger brüllen ihm rassistische Parolen zu. Ladenbesitzer schmeißen ihn aus dem Laden und die Polizei stellt ihn unter Generalverdacht. Augenzeugen rufen die Polizei, wenn sie Lincoln bei einem Verbrechen beobachten. Das Thema Rassismus wird offen angesprochen und ist eines der Hauptprobleme.

Mafia 3 führt die Serie in neue Gewässer und verliert trotz seiner technischen Mängel nicht die Fähigkeit, den Spieler in die berüchtigte Zeitepoche zu versetzen, in der die Mafia ihren Einfluss auf Politik und Gesellschaft noch offen zur Schau stellte.

Mafia 3
(Hangar 13/ 2K-Games)
Plattformen: PS4, XBox One, PC
Webseite: Mafia 3

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