Mad Max

Ein Mann und sein Auto gegen das Unrecht

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2015, das Jahr in das Marty Mc Fly zurück in die Zukunft reiste, ist auch das Jahr, in dem Mad Max auf sämtliche Bildschirme in die Postapokalypse zurückkehrte. Die Zukunft ist also trotz fehlender Hoverboards zur Gegenwart geworden. Und die Angst vor dem Ende der Welt, wie wir sie kennen, ist dank des drastischen Wandels ein lichterloh brennendes Thema – der perfekte Zeitpunkt den Endzeitsimulator mit dem wortkargen Wutbürger namens Max zu testen.

Wenn man Fury Road wirklich als Fortsetzung der ursprünglichen Trilogie sieht, dann hat die ökologische Entwicklung auf der Erde wohl jetzt den Zustand Mars erreicht. Tatsächlich spielt Mad Max aber vor der Küste Australiens. Ja genau: vor der Küste! Irgendwann war das Meer fort …

Mein Partner auf vier Rädern

Die Legende besagt, dass irgendwo im großen Nichts noch Wasser sei … aber niemand wagt sich so weit raus. Von den bewohnbaren Gebieten sind die Küstenlinien noch am geeignetsten. Dort besitzen Warlords ihre Territorien und beanspruchen mit brutaler Gewalt die letzten Wasser- und Benzinressourcen der Erde für sich. Mit aus Schrottautos zusammengebastelten PS-Monstern brandschatzen sie und vereinen ihre wilden Anhänger unter okkulten Herrschaftsformen. Es ist eine Zerreißprobe für die überlebenden Menschen, die die einst luxuriöse Welt noch vor ihrem Untergang kannten und alles verloren haben, was sie liebten. Max ist einer von ihnen. Warum Max so mad ist, weiß heute wahrscheinlich keiner mehr. Die Trilogie aus den 80ern ist jüngeren Spielern eher unbekannt und Fury Road kommt an sich auch ohne diese Vorgeschichte aus. Das Spiel erzählt uns in Form von einsammelbaren Fotos aus der Vergangenheit, wie die Welt langsam verfiel – geschmückt mit Max' sarkastischen Kommentaren, der die alte Welt hinter sich gelassen hat.

Aber das alles ist nur eine atmosphärische Beigabe, die für Max keine größere Rolle spielt, denn das Augenmerk liegt auf der Aufrüstung unseres Fahrzeuges. Das Magnum Opus, wie der buckelige Automechaniker Chumbucket es nennt, ist nicht nur ein Auto, sondern das Leitmotiv des Spieles. Scrabrous Scrotus Schergen haben Max sein altes Auto gestohlen und ihn zum Sterben zurückgelassen, also muss ein neues Vehikel her. Für Chumbucket ist die Begegnung mit dem gestrandeten Max daher ein Wink des Schicksals.

Um Magnum Opus aufzurüsten, müssen wir Metallschrott aufsammeln. Den gibt es zwar überall, aber nur in geringen Mengen. Deshalb verbringen wir dutzende von Stunden damit, die drei Territorien auf dem Weg nach Gastown von Scrotus Schergen zu befreien, Camps und Verstecke auszuräuchern und den ansässigen Flüchtlingen im Ödland ein sichereres Leben zu bescheren. Wir infiltrieren Basen, zerstören Ölvorräte und besiegen die jeweiligen Machthaber. Schließlich übernehmen freundlich gesinnte Ödländer das Camp und versorgen Max in regelmäßigen Abständen mit Schrott.

Zwei Himmelhunde auf dem Weg nach Gastown

Wenn Max nicht am Steuer sitzt, sammelt und prügelt er sich durch das Spiel. Max' Laufsteuerung ist sehr gewöhnungsbedürftig und selbst die alternative Padbelegung ändert nicht viel daran. Wir rennen auf der PS4 mit R2 und springen mit L2. Zielen und Schießen müssen wir mit L1 und L2. So wird am Anfang schnell der falsche Knopf gedrückt und freudig in die Luft gehüpft, wenn wir eigentlich schießen wollen. Wenn diese Hürde aber überwunden ist, lässt sich Max ganz gut steuern. Das Kampfsystem ist dem der Arkham-Reihe nachempfunden: Über den Gegnern leuchtet ein Symbol auf, dass mitteilt, wenn ein Angriff bevorsteht. So können wir ausweichen oder parieren. Mitunter zoomt die Kamera in kleinen Räumen aber so nah ans Geschehen heran, dass sie weder Max noch die Gegner im Bild hat. Haben wir zu viel Energie verloren, können wir Wasser aus der Feldflasche trinken. Das funktioniert wie so vieles in Echtzeit. Natürlich warten die Gegner nicht, weswegen das Heilen im Kampf eine schlechte Idee ist.

Dasselbe gilt für das Nachfüllen des Tanks, denn unsere Fahrzeuge verbrauchen Benzin. Zur Not können wir zwar einen Ersatzkanister mit uns führen, aber so richtig knapp ist der Sprit nie geworden. Schließlich müssen unterwegs auch Ölpumpen mit Benzin in die Luft gejagt werden, und das Spiel möchte unsere Zerstörungswut nicht ausbremsen. Also erscheint jedes Mal ein neuer Kanister an bestimmten Punkten, wenn wir den alten gesprengt haben. Kein Wunder, dass jeder eine benzinhungrige Spritschleuder fährt.

Lebe und denke nicht ans Morden

Die Autokämpfe sind dynamisch und machen einen Heidenspaß. Mit Harpune, Flammenwerfer und einem stämmigen Kühlergrill werden wir zu einer fahrenden Festung. Hat der Wagen zu viel Schaden erlitten, bleiben fünf Sekunden, um ihn zu verlassen. Chumbucket löscht dann das Feuer und macht den Wagen wieder fahrtüchtig. In der Zwischenzeit sind wir völlig ungeschützt und können bestenfalls mit der Schrotflinte schießen. Auch wenn Chumbucket den Wagen verhältnismäßig schnell reparieren kann, so kommt es einem wie eine halbe Ewigkeit vor.

Anders als in Just Cause, welches vom selben Entwicklerstudio stammt, respawnt man bei seinem vorzeitigem Ableben nicht im nähesten eroberten Camp, sondern immer in der jeweiligen Hauptbasis des Gebietes. Wer nicht jedes Mal wieder zehn Minuten fahren möchte, kann sich mit den Ballonstationen jeweils eine Schnellreisestation pro Sektor freischalten und gleichzeitig die verschiedenen Konfliktherde auf der Karte markieren lassen.

Auch wenn man sich in einer trostlosen Wüstenlandschaft bewegt, so ist die Grafik detailliert und für eine Wüste sehr abwechslungsreich. Mal fahren wir durch flache Dünen oder durch Canyons, die früher wahrscheinlich Korallenriffe gewesen waren, und durchqueren leere Hafenbecken, auf deren Mauern sich alte Leuchttürme empor strecken. Die Charakterzeichnungen der Ödländer hingegen bleiben blass. Nichtspielercharaktere und Auftraggeber sind auswechselbare Statisten, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Selbst Max hat wenig zu sagen. Trotz der kleinen spirituellen Selbstfindungsexkurse, die der seltsame Wanderer Griffa anleiert, um Max' Talente zu verbessern, kämpft Max, anders als im neusten Film, weder mit seiner Vergangenheit noch ist er auf einem persönlichen Rachefeldzug wie in der originalen Trilogie. Alles, was der wütende Max möchte, ist ein wütender V8-Motor. Natürlich steckt letztlich viel mehr dahinter, als es den Anschein hat, jedoch geht die Geschichte fast völlig im Suchen, Erobern und Aufrüsten unter. Einzig der enthusiastische Sidekick Chumbucket signalisiert Charaktertiefe und Seele. Ohne ihn wäre das Spiel sehr einsam.

Fazit

Ich mochte Mad Max als Spiel trotz der erwähnten Schwächen. Das lag zu einem großen Teil daran, dass ich den Film Mad Max: Fury Road zuvor gesehen hatte und es viele Bezüge zum Film gibt, ohne aber dessen Handlung einfach nur nachzuspielen. Das Artdesign ist hervorragend übernommen worden und die Warboys sind genauso verrückt und gefährlich wie in den Filmen. Für diejenigen, die den Film bislang nicht sehen konnten, ist das Spiel Mad Max die langwierige Reise eines wortkargen Mannes durch eine endlose Wüste voller Irrer, um ein Auto aus Schrott zusammenzubauen. Tut euch den Gefallen und schaut euch vorher mindestens einen der Filme an. Dann macht Mad Max den größten Spaß – und vor allem wisst ihr dann auch, wer ihr überhaupt seid.

Mad Max
Plattformen: Playstation4, XboxOne, PC
(Avalanche Studios, Warner Brothers Entertainment Inc.)
Webseite: Mad Max Webseite

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