Life is Strange

True Colors

Kategorie: Games
Tags: Teeniedrama Netflix-Serie PC PS4 Xbox One Xbox Series Google Stadia Life ist Strange
von Marc Haarmann (Text)

Mit Life is Strange hat Dontnod im Jahr 2015 ein spielbares Äquivalent zu einer zwischen Mystery und einem Teeniedrama schwankenden Netflix-Serie geschaffen. Dabei erzählt es die Geschichte von Max, einem normalen Mädchen, das in seiner Heimat Arcadia Bay in Oregon eine Schule besucht und dabei alte und neue Freunde trifft. Max besitzt eine Gabe, mit der sie die Zeit manipulieren kann. Dadurch verhindert sie zwar zunächst den Tod ihrer einst besten Freundin Chloe, verursacht aber neue Konsequenzen, die in einem alles vernichtenden kosmischen Sturm enden. Diesen Ausgang kann sie nur verhindern, indem sie all ihre Zeitmanipulationen rückgängig macht – doch dann würde sie Chloe für immer verlieren.

Die Resonanz der Spieler*innen war verblüffend. Die beiden Teenager kamen so gut an, dass viele den Sturm wüten ließen, um Chloe zu retten. Die Beliebtheit veranlasste Square Enix dazu, das Prequel Before the Storm über Chloe und ihre verschollene Freundin Rachel sowie eine dreiteilige Comicserie zu produzieren. Für das ebenfalls erfolgreiche Prequel zeichnete sich das Studio Deck Nine verantwortlich, das nun dieses Erfolgsrezept in einem weiteren Spiel fortführen soll.

Die Farben der Emotionen

Deck Nine erzählt mit dem aktuell in der Entwicklung befindlichen True Colors eine völlig neue Geschichte. Unsere Heldin ist die junge US-Amerikanerin Alex Chen. Wie auch Max besitzt sie eine außergewöhnliche Fähigkeit. Sie kann die Emotionen anderer Menschen durch ihre farbige Aura sehen und fühlen. Wenn sie sich konzentriert, kann sie sogar den Grund für ihre Emotionen finden. Doch besonders starke Emotionen können Alex überwältigen und anstecken. Alex bezeichnet diese Eigenschaft als Fluch. Anders als Max findet Alex nicht erst zu Beginn des Spiels heraus, dass sie diese Gabe besitzt. Noch ist nicht bekannt, was in Alex‘ Vergangenheit passiert ist. Wir wissen jedoch, dass sie ohne Eltern aufwuchs und zu Beginn ihr einziges noch lebendes Familienmitglied besucht, das sie noch hat: ihren Bruder Gabe. Acht Jahre sind vergangen, seitdem sie ihn zum letzten Mal sah.
Gabe hat sich in der Kleinstadt Haven Springs in den Rocky Mountains niedergelassen. Die Leute dort scheinen bereits viel über Alex zu wissen und begrüßen sie herzlich. Zu schön wäre es, wenn sie ein so glückliches Leben wie ihr Bruder führen könnte.

Vom Paradies in die Hölle

Doch diese Chance wird ihr mit einem Mal genommen. Gabe kommt bei einem Unfall ums Leben – das behaupten zumindest die Leute in Haven Springs. Nicht alle Menschen, die Alex anspricht, scheinen die Wahrheit zu sagen. War es am Ende vielleicht doch kein Unfall?
Plötzlich ist ihr Fluch der Empathie die einzige Möglichkeit für Alex, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Was ist wirklich mit Gabe passiert?
Deck Nine wagt mit True Colors neue Schritte. Das Spiel soll nicht episodenweise, sondern vollständig erscheinen. Dontnods Life is Strange 2 wurde seinerzeit stark dafür kritisiert, dass zwischen den Episoden mehrere Monate vergingen. Die Folge war, dass viele Spieler*innen vorzeitig das Interesse verloren oder warteten, bis das Spiel vollständig verfügbar war. Life is Strange: True Colors wird zwar ebenfalls in Episoden erzählt, wer das Spiel an einem Stück spielen möchte, kann dies aber vom ersten Tag an tun.
Ein positiver Aspekt des Komplettreleases ist die Möglichkeit, den Bewegungsfreiraum von Alex zu erweitern. Unsere Protagonistin kann sich frei durch Haven Springs bewegen und mit den Bürger*innen sprechen, wo zuvor nur die begrenzten Schauplätze der jeweiligen Episode zur Verfügung standen.

Nicht-lineare Handlung

Wie in den Vorgängern kann auch Alex den Lauf der Handlung durch ihre Taten und Antworten bestimmen. Manchmal bedarf es nur kleiner Nuancen, um Stunden später ein völlig anderes Ereignis zu entfesseln. Dieser sogenannte Butterfly-Effect, benannt nach einer bekannten Parabel, in der der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite der Welt einen Sturm entfachen kann, hatte bereits im ersten Teil seinen Auftritt und wird oft als Stilmittel für nicht-linear erzählte Geschichten genutzt.
Mischen wir uns in Konflikte ein und ergreifen Partei, weihen wir andere Figuren in Geheimnisse ein oder halten wir uns raus und bereuen schließlich unsere Passivität? Wir entscheiden, wem wir als Alex Chen vertrauen und wem nicht. Nicht alles ist so, wie es scheint, und manchmal ist es besser, seine Entdeckungen für sich zu behalten.

Ein zusammenhängendes Universum?

Zu den neuen Figuren gesellen sich in True Colors ein paar alte Bekannte wie etwa Steph, die wir bereits aus Before the Storm kennen. Zusammen mit Gabes Freund Ryan ist sie eine von zwei Romanzenoptionen, die Alex je nach Vorliebe der Spieler*innen eingehen kann. Die Romanzen und ihre Ausgänge sollen sich zudem stärker auf die Geschichte auswirken.
Mit Steph als Bindeglied zum Prequel wird nun klar, dass sich Alex Chens und Max Caulfields übernatürliche Fähigkeiten im selben Universum ereignen. Vielleicht erfahren wir auch, welches Ende des ersten Teils Canon ist und wie Steph von Arcadia Bay nach Haven Springs kam.

Die Freude für Fans der Serie ist also durchaus berechtigt. Wenn nichts dazwischen kommt, werden wir Life is Strange: True Colors am 10. September 2021 ohne nervige Cliffhanger in unseren Händen halten.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zauberwelten Frühjahr 2021


Weitere Informationen:
Marc  Haarmann
Über den Autor (Text)

Marc Haarmann schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Life is Strange
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