Krimi Total: Die zweifelhafte Welt der Märchen

Die 7 Zwerge sind tot – na und?

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Wir hatten schon lange einmal vor, eine Krimi-Dinnerabend zu veranstalten. Wenn es dann noch um Märchen geht, ist der Rollenspieler ja schon von vornerein zufriedengestellt.

Was ist eine Krimi Total Dinner Party?

Man lädt sich Freunde zu einer Dinnerparty ein. Jeder bekommt eine Rolle in einem Mordfall zugeteilt und dann wird einen Abend lang spekuliert, intrigiert und hoffentlich der Mörder gefunden – vielleicht trifft es aber auch einen Unschuldigen. Gleichzeitig wird empfohlen, etwas Leckeres zu essen, denn es ist ja eine Dinnerparty.

Wie läuft Krimi Total ab?

Das Krimidinner ist in mehrere Runden aufgeteilt. Zu Anfang werden alle Charaktere einmal vorgestellt und bekommen ihre geheimen Startinformationen. In mehreren Runden werden weitere Informationen (und Gerüchte) zugespielt, die im Spiel von den Spielern vorgebracht werden müssen. Dabei sollte man sie natürlich so streuen, dass man nicht selbst in Verdacht gerät. Eine Runde endet immer dann, wenn alle der Meinung sind, keine Fragen mehr zu haben.

Nach der letzten Informationsrunde kommt es dann zur Anklage und Verhaftung. Bei uns landete immerhin fast die halbe Belegschaft im Knast … immerhin auch der Täter.

Die Charaktere

… waren bekannt. Schneewittchen, der Märchenprinz, die Hexe, Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, das tapfere Schneiderlein, die böse Stiefmutter (auch als böse Königin bekannt) und Special Agent Frau Holle. Und als Mordopfer: die 7 Zwerge.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man als Mann auch ganz gut eine Frauenrolle übernehmen kann. Insgesamt vier Charaktere wurden von Spielern anderen Geschlechts gespielt. Zwei der Charaktere fanden wir etwas schwierig, da sie nicht so viele Informationen hatten und ihre eigene Motivation in die Hauptgeschichte nicht so stark eingewoben war.

Das Spielziel

Eigentlich ist das Ziel laut Regeln relativ einfach: Der Täter verliert, wenn er geschnappt wird und die anderen gewinnen, wenn sie den Richtigen ermitteln – bis auf die, die auch verhaftet werden, weil sie zu verdächtig sind.

Diese Regel hatte ich aber gar nicht erst vorgelesen, da ich sie für den Normalspieler vielleicht für interessant halte, aber als Rollenspieler braucht man meiner Meinung nach keinen Sieger und Verlierer. Speziell in meiner Rolle hätte ich auch ein Problem gehabt: Ich hätte leichter gewinnen können (ich wurde leider auch verhaftet), wenn ich gegenüber zwei anderen dreckiger gespielt hätte – laut Rollenbeschreibung waren das aber Leute, die ich eher zu meinen Freunden zählte.

Wir haben uns also gar nicht mit Gewinnen und Verlieren aufgehalten, sondern einfach ermittelt. Wenn man das Ganze nicht ernst nimmt, sind da eine Menge witziger Gespräche drin, u. a. über die Verwendungsarten von Hexenbesen und die Knusprigkeit von gebackenen Hänseln …

Die Ausstattung

Das Grund„regelwerk“ umfasst zwar ein paar Seiten, aber darunter sind auch einfach nur Tipps für den Gastgeber. Das heißt: Der Ablauf ist gut beschrieben, man muss sich aber (fast) keine Regeln merken. Zusätzlich gibt es für jeden Charakter ein Heftchen mit Informationen für die verschiedenen Runden. Dabei darf man sich natürlich nur die Infos für die jeweilige Runde (oder die abgelaufenen) angucken.

Dann gibt es noch ein paar kleinere Heftchen für die Anklage und ein paar kleine Zettel mit Gerüchten (für eine der mittleren Runden).

Was uns positiv aufgefallen ist …

Die Grundstory ist sehr lustig und die Charaktere und ihre Handlungen zum großen Teil gut miteinander verwoben. Das Grundprinzip ist eigentlich sehr einfach, aber gerade deswegen auch gut für einen Abend umsetzbar. Im Vergleich zu Rollenspielen, in denen man die Beschreibung von zwölf Göttern und 200 Ländern auswendig kennen muss, war es angenehm unkomplex, sodass sich eigentlich jeder schnell in seine Rolle reinfinden konnte.

Schön waren auch die Beschreibungen von zusätzlichen Charakteren, die man gratis downloaden kann. Wir haben sie unter den anwesenden Kindern verteilt. Die haben zwar erwartungsgemäß gar nicht mitgespielt, waren aber als Hans im Glück, Goldmarie oder 13. Fee glücklich (und besser verkleidet als die Erwachsenen). Wir hatten zu Anfang überlegt, ob wir sie die Zwerge spielen lassen, dann hätten sie die ganze Zeit still rumliegen müssen – hätte aber nie geklappt …

Was uns negativ aufgefallen ist …

Dadurch, dass man zu seinem Charakter nicht sämtliche Informationen sofort hatte, sondern sie teilweise erst in den nächsten Runden bekam, gab es Widersprüche. Rein vom Ablauf ist das verständlich – man hat dann wirklich für alle Runden Gesprächsstoff. Für Rollenspieler war es aber leicht verbesserungswürdig.

Dazu kam noch, dass zwei Charaktere nicht so gut eingebunden waren wie die anderen und zusätzlich bei einem die Hintergrundgeschichte ergab, dass er eher zurückhaltend gespielt werden sollte, was zu dem Spiel nicht so gut passte … vermutlich auch das hauptsächlich ein Problem für Rollenspieler.

Für wen ist das Spiel geeignet?

Es ist schwieriger zu sagen, für wen Krimi Total nicht geeignet sein könnte. Das Prinzip verstehen ja auch jüngere Spieler, allerdings ist bei diesem speziellen Krimidinner der Hinweis „ab 16“ sinnvoll aufgrund der Hintergrundgeschichten der Charaktere. Wichtig ist, dass möglichst alle sich trauen, auch ihre Rolle zu spielen. Sehr zurückhaltende Menschen oder humorlose Mitspieler dürften Schwierigkeiten haben, sich in ihre Rollen einzufinden.

Gut ist, wenn die Mitspieler den Mut haben, ihre Rollen auszuschmücken. Die reine Beschreibung der Charaktere (und die zusätzlichen Informationen) an sich reichen vermutlich nicht, um einen ganzen Abend auszufüllen. Wenn aber mindestens zwei Spieler anfangen, etwas dazu zu erfinden, was nichts mit dem Mordfall zu tun hat, hat der Spaß kein Ende.

Zusätzlich braucht man noch einen Termin, an dem alle Beteiligten Zeit haben. Bei 3-4 Stunden Spielzeit sollte es schon an einem Wochenend-Abend sein. Das war für uns das Hauptproblem.

Was ist das Fazit?

Relativ einfach: Das Krimidinner hat Spaß gemacht – gerade weil die Behauptungen und Beschuldigungen ins Bodenlose gingen. Für 25 Euro kriegt man im Normalfall noch nicht einmal Kinokarten für acht Leute. Insofern ist das Spiel auf jeden Fall seinen Preis wert.

Die zweifelhafte Welt der Märchen stammt aus dem Jahr 2005, ist also einer der älteren Krimis der Reihe. Wir hoffen, demnächst mal dazu zu kommen, etwas jüngeres zu spielen – ein paar Krimi Total-Varianten haben schon unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen …

Bei uns hatte der Abend auch am nächsten Tag noch für Diskussionen gesorgt: Wir beschlossen, dass eigentlich keiner verurteilt wurde, weil allen entweder die Zwerge im Wege oder einfach nur egal waren  … eine Win-Win-Win-…-Situation sozusagen.

Krimi total: Die zweifelhafte Welt der Märchen
8-9 Spieler (nach Klappentext 3 männlich + 5 weiblich + 1 egal (dann gibt es Herr Holle), aber das stört keinen)
24,95 Euro
Webseite: Krimitotal.de

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