I am Zombie

Untote mit Persönlichkeit

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Auf den ersten Blick scheint das Rollenspiel I am Zombie aus der Feder des Vampire: Die Maskerade-Schöpfers Mark Rein-Hagen wenig Neues zu bieten. In seiner Neuinterpretation des traditionellen Mythos sind diese Untoten jedoch weit mehr als nur hirnlose Fressmaschinen. Sie haben Gefühle und Persönlichkeit … und sind die Protagonisten!

Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Zombies, den sogenannten Toxic: infiziert mit einem mysteriösen Virus sind die Charaktere zwar vorerst bei vollem Bewusstsein, für ihre Umwelt jedoch hochgradig ansteckend. Während die Verwandlung von Geist und Körper voranschreitet, entwickeln sie geradezu übermenschliche Fertigkeiten, müssen aber darum kämpfen, nicht zu einem ins­tinktreduzierten und wilden Kannibalen zu werden.

Neben der ständigen Furcht, Angehörige und Freunde zu infizieren, droht auch die wachsende Gefahr eines Outbreaks, dem Ausbruch einer Zombie-Epidemie. Ein solcher würde unweigerlich die Behörden auf den Plan rufen. Es gilt also möglichst unauffällig zu bleiben. Von den Regierungen der Menschen verfolgt oder ausgenutzt hat sich im Schatten der Zivilisation über Jahrhunderte hinweg eine geheime Parallelgesellschaft der Zombies mit eigener Kultur, Mythologie und konkurrierenden Fraktionen gebildet.

Die Weltbeschreibung erfolgt in Form des Toxic Field Manual, ein künstlerisch aufwändig gestaltetes Buch, das wie ein geheimer Ratgeber für Neuzombies aufgemacht ist. Man erfährt alles Wissenswerte über den Virus, gefährliche Gegner und die Eigenheiten und Geschichte der geheimen Zombiegesellschaft. Was der Ratgeber dagegen nicht enthält, ist das Regelwerk. Dieses ist separat erhältlich, entweder als Printprodukt oder als kostenloser Download. Es ist mit gerade einmal 32 Seiten erstaunlich kurz, enthält aber dennoch alles, was zum Spielen benötigt wird – von Charaktererschaffung über Basisregeln bis hin zu erweiterten Regeln und Spezialfertigkeiten.


Ein Zombie wird geboren

Wirklich schnell verläuft auch die Charaktererschaffung. Man zieht einfach für jeden Charakter sechs verschiedene Karten, die seine Eigenarten und Fertigkeiten definieren, und strickt dann gemeinsam eine kurze Geschichte drum herum. Um Erfolge oder Misserfolge zu bestimmen, gibt es ein einfaches Würfelsystem. Benötigt werden dabei nur wenige sechsseitige Würfel. Fünfen bescheren besonders schlechte und Sechsen besonders gute Auswirkungen.

Das Regelwerk ist nicht nur sehr kurz, sondern auch gut strukturiert. Unterteilt ist es in unterschiedliche, aufeinander aufbauende Module namens Axiome. Man kann ein ausgefeiltes Kampfsystem, detaillierte Fertigkeiten und verschiedene Zombiespezialkräfte ins Spiel integrieren – man muss es aber nicht. Dadurch, dass die Regeln in viele unterschiedliche Module unterteilt sind, kann eine Kampagne leicht an die Bedürfnisse der Spielrunde angepasst werden. Wer den Fokus auf ein regelarmes Erzählspiel legt, nutzt einfach nur die ers­ten fünf Axiome, wer größeren Wert auf ausgefeilte Regeln legt, stellt sich ein individuelles System zusammen. Es dürfte theoretisch sogar möglich sein, in der gleichen Spielrunde für unterschiedliche Spieler unterschiedliche Axiome zu nutzen.

Klar, mit einer geheimen Gesellschaft von Untoten, die im Verborgenen lebt, und Charakteren, die dagegen kämpfen zum Monster zu werden, kopiert sich der Autor in gewisser Weise selbst. Die Gesamtkonzeption ist jedoch inhaltlich überzeugend, gut aufeinander abgestimmt und optisch grandios umgesetzt. Der Zombiehype mag langsam etwas ausgereizt sein, aber dieses Spiel bringt eine andere, erfrischende Sicht auf dieses Thema. Ganz abgesehen davon ist das Axiom-System ein interessantes, modulares Rollenspiel, bei dem sich die Komplexität nach und nach an die Bedürfnisse von Spielern und Spielleiter anpassen lässt. Gerade die Mechanismen rund um die Charaktererstellung erzeugen ein Spiel, das man sofort spielen kann.

Derzeit ist das Spielsystem nur auf Englisch erhältlich. Ob und wann es eine deutsche Übersetzung geben wird, ist leider noch unklar.

Infos und Bezugsmöglichkeiten finden sich unter www.purgatorypress.com oder www.facebook.com/iamzombierpg.

Der Autor

Mark Rein-Hagen war Mitbegründer des US-Verlags White Wolf Publishing und entwickelte so legendäre Spiele wie Vampire: Die Maskerade und Werwolf: Die Apokalypse, die in den 90er Jahren durch innovative Spielregeln und erzählerischen Tiefgang die Rollenspielszene revolutionierten. Nach seinem Ausstieg bei White Wolf und einer längeren Auszeit gründete er 2012 mit Make-Believe Games einen neuen Spieleverlag, der jetzt mit I am Zombie das ers­te Spiel in dem neuen Universum Xenocosm herausgebracht hat.

Bilder: Make-Believe Games

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