Hercules

Vom Söldner zum Halbgott

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Wie entstehen Legenden? Jemand erzählt einem anderen eine Begebenheit, die er beobachtet hat. Dieser erzählt sie weiter, immer mit anderen Zuhörern, immer etwas anders und vor allem größer und bunter als die Geschichte ursprünglich mal war. Aus einem glücklichen Zufall wird eine Heldentat, aus einem kleinen Scharmützel die siegreiche Unterwerfung einer ganzen Armee – im Alleingang. Und wenn das noch nicht reicht, dann greift man zurück auf das Übernatürliche, das Unmenschliche und die Götter.

Trifft dies auch auf die Legende von Hercules zu? Das jedenfalls ist die Arbeitshypothese der neusten Verfilmung des griechischen Mythos. Eine interessante Idee, die neuen Wind in die bekannten Geschichten bringen könnte. 

Der Anfang
Es fängt vielversprechend an. In den ersten Szenen lernt der Zuschauer, dass Hercules zwar außergewöhnlich stark und sicher ein fähiger Krieger ist, aber vor allem eins: ein normaler Mensch. Oder genauer gesagt: Der Anführer einer kleinen Truppe von Elitesöldnern, mit denen er so manche Tat begangen hat, die im Laufe der Zeit seinen legendären Ruf begründen wird. Nicht ganz unschuldig daran ist sein Neffe Iolaus, der die Geschichten mit großer Begeisterung und Detailverliebtheit zum Besten gibt und sich dabei ein nicht geringes Pensum an dichterischer Freiheit genehmigt. Die anderen Mitglieder indes bestehen aus klassischen Archetypen, wie man sie aus ähnlichen Filmen zu genüge kennt. Überraschungen gibt es hier nicht, braucht es bei einem solchen Film aber auch nicht. 

Stolpersteine
Nach diesem grundsoliden Einstieg beginnt die eigentliche Geschichte: Eine schöne Prinzessin heuert Hercules und seine Kumpanen an, um einen übermächtigen Feind zurück zu schlagen, der die Ländereien ihres Vaters heimsucht. Ohne sich auch nur im Geringsten um die Hintergründe zu kümmern, wird der Auftrag angenommen. Was an dieser Stelle noch als konsequente Umsetzung des Söldnercredos erscheint, stellt sich später im Film ganz anderes dar. Ab hier flacht es leider zusehends ab und abgedroschene Stereotypen, vorhersehbare Handlungen und Logiklöcher geben sich die Klinke in die Hand. Um die Spannung nicht ganz aus dem Film zu nehmen, hier nur ein paar Beispiele aus der erste Schlacht:

Die Armee des Landes besteht aus grünen Jungs vom Land, die von unseren Heroen zu Soldaten gedrillt werden sollen. Hercules geht von einer Trainingsdauer von etlichen Monaten aus, aber der König befiehlt den Marsch bereits nach wenigen Tagen. Es entstehen die aus etlichen Filmen bekannten Dialoge und Konflikte.

In der daraus resultierenden Schlacht bläut Hercules den Rekruten die absolute Wichtigkeit des Schildwalls ein – nur um sich dann mit seinem Trupp genau davor zu stellen. Ohne Schild versteht sich. Nur gut, dass sich das Gros der Angreifer mit Begeisterung auf den Schildwall stürzt, anstatt die exponierten Helden konzentriert anzugreifen.

Die vor der Schlacht etwas abseits abgestellten Streitwagen führen letztendlich zum Sieg, als sie im letzten Moment zur Hilfe geholt werden. Warum hat man sie dann überhaupt stehen gelassen?

Auf der positiven Seite steht die recht passable Choreographie der Schlacht. Da kann man sich entspannt im Sessel zurück lehnen und beherzt in die Popcorntüte greifen. Es ist zwar nicht Goethe, aber ansehnliches Actionkino. Wäre der Film doch nur dabei geblieben, denn der Versuch einer dramatischen Wendung wird zielsicher in den Sand gesetzt. 

Drama, Baby!
Die zweite Schlacht ist derart albern, dass es schon weh tut. Hercules, der sich vorher nicht im Geringsten um die Motive seines Auftraggebers gekümmert hat, entdeckt spontan sein Gewissen, als er die wahren Hintergründe erfährt. Natürlich ist der König ein übler Despot. Natürlich sind die Angreifer nicht die unmenschlichen Wesen, als die sie anfangs porträtiert werden. Natürlich hat die Prinzessin einen Sohn, der als Druckmittel benutzt wird. Natürlich eilt Hercules zur Rettung – trotz interessanter Alternativen. Natürlich geht das erstmal daneben. Natürlich kommt er aus dem Schlamassel aber wieder raus. Und natürlich gibt es am Ende eine dramatische Sterbeszene eines Mitglieds der Heldentruppe … Popcorn-Kino hin oder her, irgendwann ist die Tüte leer. Leider ist dann noch zu viel Film übrig. 

Fazit
Die Idee, dass die Legenden von Hercules zwar einen wahren Kern haben, aber letzten Endes einfach durch wiederholtes Erzählen und Ausschmücken sich in die heute bekannten übermenschlichen Heldentaten entwickelt haben, ist großartig. Diese Idee, dass Dichtung und Wahrheit oder Wahrnehmung und Realität zwei sehr verschiedenen Dinge sein können, wird anfangs noch im Film aufgegriffen, aber im weiteren Verlauf zunehmend weniger durchgeführt. So erstickt der kreative Ansatz in platten Dialogen und Vorhersehbarkeiten.

Hercules
ab 16 Jahren
(Paramount, 2014)
Webseite: Hercules

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