Hellboy Kompendium 2

Die rechte Hand des Höllenjungen

Kategorie: Literatur
Tags: Hellboy Comic Cross Cult Mike Mignola TyRuben Ellingson Gary Gianni
von Andreas Giesbert

Der zweite Band des Hellboy-Kompendiums setzt nahtlos das fort, was wir vom ersten kennen. Hellboy bleibt auch weiterhin eine Mischung aus Superhelden-Comic und Graphic Novel, die obskure Volkssagen mit ins Düstere gewendeten Pulpthemen verbindet. Zusammengehalten wird das Ganze von dem Protagonisten Hellboy, dessen Name immer wieder bedeutungsschwanger von Vögeln, Talismanen und Traumgestalten gemurmelt wird.

Wie auch der Vorgängerband versammelt das zweite Kompendium drei kleinere Sammelbände, die jeweils von renommierten Figuren der Phantastik- und Comicszene eingeleitet werden. Alle drei Vorworte schaffen es, uns die Tiefe der Comics und seine künstlerische Umsetzung schmackhaft zu machen. Gerade Gelegenheitslesern wird so Lust auf mehr gemacht und das Gefühl vermittelt, hier nicht einen beliebigen Comic vorliegen zu haben. Als Autor konnte gleich zweimal der Regisseur TyRuben Ellingson gewonnen werden, der die Hellboy-Reihe filmisch umgesetzt hat. Den dritten Teilband leitet der Comickünstler Gary Gianni ein. Die einzelnen Kurzgeschichten werden dann noch einmal von Mike Mignola eröffnet, dem Schöpfer persönlich.

Die drei Bände versammeln unterschiedliche Hellboy-Geschichten, die nicht streng chronologisch verlaufen, aber durch zahlreiche Referenzen und das Grundthema zusammengehalten werden. Den Einstieg macht dabei ein Zweiseiter, der sich dem bedeutsamen Ereignis widmet, wie der kleine Hellboy zum ersten Mal in seinem Leben Pfannkuchen verspeist. Was banal klingt, ist ein schönes Beispiel für den feinsinnigen, teils absurden Humor, der die dunkle und brutale Hellboy-Welt immer wieder auflockert. Auch der reife Hellboy trotzt den Gefahren von Riesendämonen und Mordversuchen häufig mit Zigarettenstummel im Mundwinkel und einem lockeren Spruch auf der Zunge. Und auch diese Coolness ist nicht bloßes Beiwerk, sondern wohldurchdachtes Moment der zu Grunde liegenden Geschichte.

Die rechte Hand des Teufelsjungen

Der erste Band umfasst besagte Pfannkuchenerzählung und sechs weitere Kurzgeschichten. Während die ersten beiden klassische Volksmärchen zum Leben erwecken und Hellboy ins düstere England und Norwegen führen, gehen die nächsten zwei ans Eingemachte. Hier steht der Ursprung von Hellboy im Mittelpunkt und insbesondere die Frage, was es mit seiner rechten Hand zu tun hat.

Diese titelgebende Frage – der Band heißt nicht umsonst Die rechte Hand des Schicksals – lässt Hellboy aufblühen. Während die anderen Kurzgeschichten eher von ihren ungewöhnlichen Themen und Orten, sowie der ungewohnt harten Behandlungsweise leben, heben diese großen Fragen die Reihe deutlich von anderen Comics ab. Das Rätsel um die Rolle und Herkunft Hellboys wird nie ganz aufgelöst, aber bildet den größten Reiz der Serie. Alte Bekannte tauchen auf und bisherige Geschichten werden teils in neuem Licht von Hellboys Bestimmung interpretiert.

Auch Sieger Wurm, die große Geschichte des zweiten Bandes, nimmt diesen Ansatz auf. Insbesondere die okkulte Nazithematik mitsamt ihrer Hauptcharaktere aus dem Vorgängerband wird weitergesponnen. Die umfangreiche Erzählung konnte mich am stärksten in ihren Bann ziehen. Neben der außergewöhnlichen Thematik und der tiefen Einbettung in die anderen Geschichten, glänzt sie insbesondere durch eine große moralische Frage und überraschende Lösungen. Es kommt sogar zu einem gewissen Bruch zwischen Hellboy und B.U.A.P. – der ihn einsetzenden „Behörde zur Untersuchung und Abwehr Paranormaler Ermittlungen“. Die beiden Erzählungen des letzten Bandes knüpfen an die zuvor eingetretenen Ereignisse lose an. Sie spielen – wie der Titel verrät – an Seltsamen Orten und leben neben den außergewöhnlichen, maritimen Schauplätzen von einer gehörigen Prise Okkultismus und düsteren Vorzeichen.

Fazit

Der zweite Band hält das, was der erste verspricht und ermöglicht es, noch mehr in die Welt des roten Teufelsjungen einzutauchen. Wer den ersten Band mochte, wird auch den zweiten lieben. Es gibt mehr vom bekannten Stoff und zahlreiche neue Erkenntnisse und Andeutungen. Das wohldurchdachte Hellboy-Universum verdichtet sich. Die Blicke in die große dahinterliegende Geschichte zeichnen Hellboy am stärksten aus. Während die eigentlichen Handlungen oft wenig überraschend eingeführt und gelöst werden – Hellboy liebt tiefe Stürze, Schutzsymbole und seine rechte Faust – sind es der okkulte Hintergrund und die kosmische Verzahnung aller Elemente, welche die Welt so einzigartig machen. Das bedeute aber auch, dass man diese Thematik mögen muss, um Hellboy wirklich genießen zu können. Wer sich nicht mit mysteriösen, großen Bestien und uralten, mächtigen Hexen anfreunden kann, wird Teilen der Erzählungen nicht folgen können oder wollen. Gerade die abschließenden beiden Geschichten wimmeln vor Anspielungen, Traumsequenzen, Rückblenden und okkult-historischem Stoff.

Sowohl die künstlerische als auch verlagsseitige Umsetzung ist fraglos gelungen. Mignolas Stil ist ausdrucksstark und anspruchsvoll. Seine Geschichten sind durchdacht und wunderbar verwoben. Die Sammlung von Cross Cult würdigt dieses hohe Niveau durch die prägnanten Einleitungen, eine opulente Aufmachung und ausführliche Galerien und Skizzensammlungen. Das Kompendium ist eine Augenweide für Fans und Sammler. Das schwarze Hardcover mit Lesebändchen macht sich wunderbar im Regal und die beigefügten Skizzen laden dazu ein, Details der Geschichten neu zu lesen und das Buch auch ein zweites und drittes Mal in die Hand zu nehmen. Wer etwas mit erwachsenen Superheldencomics und okkultem Horror anfangen kann, darf und sollte dringend zugreifen, nachdem der erste Band verschlungen wurde.

Weitere Informationen:
Andreas Giesbert
Über den Autor

Andreas Giesbert schreibt für Zauberwelten-Online.de.

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